Ein kalkulierter Affront gegen die Menschlichkeit: IOC öffnet Tür für Russland-Rückkehr in den Sport
Kurzer Auszug aus dem Nachrichtenticker dieser Tage: Litauen und Lettland warnen vor russischen Angriffen auf Infrastruktur im Baltikum, heißt es da. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte bei seiner Sommerpressekonferenz: "Wir leben nicht im Krieg, aber wir leben auch nicht mehr im Frieden."
Russland könnte bei WM 2027 in Deutschland antreten
Es gebe "Vorbereitungen für weitere Aggressionen Russlands weit über die Ukraine hinaus". Die Bedrohung, führte er aus, richte sich konkret gegen Moldau und das Baltikum, aber auch gegen weitere Teile Europas. Dazu passend: In der Nacht auf Donnerstag flogen wieder Raketen auf Kiew. Der Weltsport, mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an der Spitze, hat inmitten dieser unverändert unerträglichen Lage die Tür zur Rückkehr Russlands geöffnet.
Ein kalkulierter Affront gegen die Menschlichkeit. Und das führt nun auch dazu, dass im Eishockey ein mögliches russisches Comeback zur WM 2027 in Deutschland auf die Agenda gekommen ist. Im Eishockey, das russische Propaganda-Werkzeug par excellence und eines der liebsten Sportkinder von Herrscher Wladimir Putin. Sport und Politik sind dort so eng verwoben wie vielleicht nirgendwo sonst in Russland.
Ukraine hat sich für WM in Deutschland qualifiziert
Falls es also zu einem solchen Beschluss käme und Russland wieder mitmachen dürfte, dann eventuell auf Kosten des Landes, das Putin und seine Spießgesellen seit Februar 2022 terrorisieren, mit Tod und Zerstörung überziehen. Die Ukraine hat sich nämlich dieses Jahr als sportlicher Aufsteiger für das Top-Turnier 2027 qualifiziert. Es wäre eine beispiellose moralische Bankrotterklärung der internationalen Eishockey-Funktionärsgilde – und auch des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), sollte er sich nicht entschieden dagegen positionieren.
Jüngst ist zudem die erneute Kandidatur von Ex-DEB-Präsident Franz Reindl (71) für das Spitzenamt im Weltverband IIHF bekanntgeworden. Er (wie andere Kandidaten) wollen sinngemäß einen Weg der Aussöhnung beschreiten. Gerade jetzt? Das lässt Interpretationen zu, die zu einem faden Beigeschmack führen würden. Denn es braucht in diesen Zeiten Haltung und Prinzipien, nicht das Streben nach Macht und Geld. Das mag ein frommer Wunsch sein im über und über kommerzialisierten und egozentrisch getriebenen Profisport. Deswegen ist er aber noch lange nicht falsch.