Interview

EHC-Star Ben Street: "Meine Frau ist ein Rockstar"

Nach einem heftigen Jahr in der "Taxi Squad" hat Ben Street nun dem EHC Red Bull zugesagt - über die Saison hinaus, wie er verrät. In der AZ erzählt er von seiner ersten erlebnisreichen Woche in Bayern.
| Martin Wimösterer
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"Perfekter Zeitpunkt": Ben Street ist glücklich, beim EHC seine Karriere fortzusetzen.
"Perfekter Zeitpunkt": Ben Street ist glücklich, beim EHC seine Karriere fortzusetzen. © EHC Red Bull München / City-Press GmbH

AZ-Interview mit Ben Street: Der 34-jährige Mittelstürmer spielt erstmals in Europa. Er soll beim EHC führen und scoren.

AZ: Herr Street, Sie sind zum ersten Mal in Europa. Welche fünf Dinge außer der Ausrüstung haben Sie mitgebracht?
BEN STREET: Ich hatte vor allem Kleidung im Gepäck. Dazu meinen Impfausweis. Fotos der Familie natürlich - sie kommt erst Ende August nach. Und eine Matratzenauflage, durch die kaltes Wasser fließt, da ich nicht wusste, wie es in Europa um die Klimaanlagen bestellt ist.

Ben Street wohnt in Nymphenburg

Und - wie ist es bestellt?
Die erste Woche wohnte ich übergangsweise in einer Wohnung ohne. Ich hatte die Nacht über mit der Hitze zu kämpfen. In der Wohnung, in der ich nun lebe, ist alles in Ordnung. Noch zur Eingangsfrage: Ich wohne in Nymphenburg, das ist nur eine 15-minütigen Fahrt mit dem Rad vom Eisstadion entfernt. Ich hätte mein Rad mitnehmen sollen. Ich kann mir aber eins kaufen.

Wo wir schon von Transportmitteln reden: Von Taxis dürften Sie erst einmal genug haben. Sie waren ja ein Jahr lang in der "Taxi Squad".
(lacht) Ja, ein Taxi brauche ich erst einmal keines mehr.

Erklären Sie bitte, was es damit auf sich hatte.
Vorige Saison hielt jedes NHL-Team wegen Covid-19 vier bis sechs Spieler einsatzbereit, für den Fall, dass jemand an dem Virus erkrankte. Das war die "Taxi Squad". Wir haben uns abseits des Teams aufgehalten und konnten auch nur trainieren. Man wartete quasi auf eine Verletzung oder Erkrankung.

Denker und Lenker: Auf der Mittelstürmerposition ist der EHC mit Ben Street, Ben Smith, Patrick Hager und Maximilian Kastner stark aufgestellt.
Denker und Lenker: Auf der Mittelstürmerposition ist der EHC mit Ben Street, Ben Smith, Patrick Hager und Maximilian Kastner stark aufgestellt. © EHC Red Bull München / City-Press GmbH

Unfall vor fünf Jahren: Ben Street wurde mit einer Kufe der Nacken aufgeschlitzt

Apropos Verletzung: Vor fünf Jahren hatte Ihnen eine Kufe den Nacken aufgeschlitzt.
Ja, das war furchterregend. Wir spielten mit den Detroit Red Wings in der NHL-Vorbereitung. Nach einem Zweikampf kam der Schlittschuh des Gegenspielers hoch und schnitt sich in meinen Nacken.

Sie fuhren selbst vom Eis. Ihr Trainer sprach von "ungewöhnlicher Beherrschung".
Direkt danach wusste ich nicht, wie arg es war. Hatte er mich getroffen? Ich fragte den Schiedsrichter, er sah sich die Sache an und sagte: 'Oh! Du musst gehen. . . ' Ich lief so schnell ich konnte vom Eis und wurde in die Klinik gebracht.

Mit wie vielen Stichen wurden Sie genäht?
Das habe ich nicht mehr im Kopf. Viele. Einige innen, einige außen. Eine große Wunde! Glück im Unglück: Das hätte schlimmer enden können.

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"Es war immer ein Vorhaben von mir, mal in Europa zu spielen"

Sie haben als offensivstarker Mittelstürmer auch viele schöne Dinge in und um die NHL erlebt. Zum Beispiel, als Sie Nachwuchs bekamen.
Ja, unser zweites Kind kam zur Welt und in derselben Woche wurde ich hochgerufen. Meine Frau ist ein Rockstar und meisterte die Lage auch ohne mich.

War die Familie ein Teil der Gründe für den EHC-Wechsel?
Ja, sie ist nun Teil jeder Entscheidung, auch in dieser. Es war schwer, wenn du einen Anruf bekommst und teils am selben Tag noch zum NHL-Team musst. Oder wieder hinuntergeschickt wirst. Es gibt NHL-Clubs, die ihr Farmteam in derselben Stadt haben, da wäre das gegangen. Aber es war immer ein Vorhaben von mir, mal in Europa zu spielen. Die Kinder sind nun im richtigen Alter dafür, München war interessiert und ich habe im Eishockey noch einiges auf dem Kasten - es war der perfekte Zeitpunkt.

Einer Ihrer früheren Mitspieler ist auch Ihr künftiger: Zach Redmond. Haben Sie ihn ausgefragt, was den EHC anging?
Ja. Beim ersten Gespräch hatte ich ihn über eine Stunde in der Leitung - und ich habe noch ein paar Mal angerufen, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Zach war mein heißer Draht nach München. (lacht)

Was hat Sie in Ihren ersten Tagen in Bayern dennoch überrascht?
Jede Menge! Bei der roten Ampel darf man als Rechtsabbieger zum Beispiel nicht einfach so weiterfahren.

Gab's einen Strafzettel?
Nein, die Jungs hatten mich noch in Kenntnis gesetzt. (lacht) Was aber den Verkehr anbetrifft: Es gibt hier andere Straßenschilder. Deswegen bin ich, auf dem Weg zum Fitness-Check in Salzburg, 80 km/h gefahren. Das war aber ein Teil der Autobahn und die anderen Autos sind mit 160 Sachen an mir vorbeigeschossen. (lacht) Auf der Rückfahrt brauchte ich nur noch die Hälfte der Zeit.

"München ist schön und bietet viele Möglichkeiten"

Haben Sie sich die Stadt schon angesehen?
Ja, Zach und die Jungs haben mir eine kleine Führung gegeben. Die Stadt ist schön und bietet viele Möglichkeiten. Man kann gut Bayerisch essen gehen, aber es gibt auch gute Pizza und so weiter. Ich habe Schnitzel und Würstl probiert. Mir gefallen auch die Cafés.

Nur die Wiesn fällt heuer aus.
Ja, leider. Ich habe aber einen Vertrag über das Jahr hinaus unterschrieben. Dann kommen meine Freunde aus Nordamerika hoffentlich im nächsten Jahr zum Oktoberfest vorbei.

Zum Schluss noch ein Rätsel, da Sie großer Kreuzworträtselkönig sein sollen: Gesucht ist der kommende DEL-Titelträger. Was tragen Sie ein?
Ich kenne die Wettbewerber noch nicht, aber wir haben eine sehr gute Mannschaft. Die Antwort könnte darum mit einem "R", einem "E" und einem "D" anfangen. Hoffentlich passt das ganze Wort genau in die Lücke.

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