Der Louis van Gaal des Eishockeys

Auf Pat Cortina folgt beim EHC Red Bull nun Pierre Pagé als Cheftrainer. Der Franko-Kanadier hat schon große Erfolge gefeiert – ist aber ein nicht immer einfacher Typ und provoziert gerne.
| Matthias Kerber
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Der neue EHC-Coach: Pierre Pagé.
GEPA pictures Der neue EHC-Coach: Pierre Pagé.

MÜNCHEN Der EHC Red Bull München hat seinen größten Star verpflichtet. Und der wird auf der Trainerbank sitzen. Der neue Herr der (Sturm)-Reihen heißt Pierre Gilbert Pagé. Der DEL-Klub bestätigte damit einen AZ-Bericht der vergangenen Woche. Ein Meistertrainer also für den EHC, der – jetzt da Red Bull als Gesellschafter eingestiegen ist – nicht mehr im Niemandsland der Tabelle rumdümpeln will, sondern deren Blick nur noch in einen Richtung geht: nach oben. Der 65-jährige Pagé hat nun offiziell von Red-Bull-Boss Didi Mateschitz das Okay erhalten, er unterschrieb einen Mehrjahres-Vertrag.


Der Franko-Kanadier, der seit 2008 als Trainer beim Mateschitz-Klub EC Salzburg tätig war und dort zwei Meisterschaften holte, hatte seine München-Bewerbung direkt bei seinem engen Freund Mateschitz abgegeben. „Es gibt kaum einem Mann, der mehr vom Eishockey versteht als Pagé. Er ist ein absoluter Toptrainer”, hatte EHC-Manager Christian Winkler der AZ vor einer Woche gesagt.
Der Eishockeysachverstand Pagés, der von 1988 bis 1998 Cheftrainer in der NHL war (Minnesota, Calgary, Quebec und Anaheim) und von 2002 bis 2007 in der DEL die Eisbären Berlin trainierte und dabei zwei Mal den Meister-Pott holte (2005, 2006), ist unbestritten. Die Person Pagé ist es hingegen nicht. Er ist ein Mann, der polarisiert und auch gerne mal provoziert.

Er legt sich schon mal mit vorgesetzten, mit Stars, mit der Öffentlichkeit, mit der Liga an. Pagé, das ist so etwas wie der Louis van Gaal des Eishockeys. Genau wie der Holländer, der von 2009 bis 2011 den FC Bayern trainierte und dabei sein Team zu Meisterschaft, Pokalsieg und ins Champions-League-Finale führte, ist er ein Mann mit großen Visionen. Er hat ein klares, sehr spektakuläres, erfolgreiches und attraktives Spielsystem, dem sich alle unterordnen müssen. Extra-Würste wird es nicht geben, das musste Franck Ribéry bei den Bayern erfahren – und auch die NHL-Stars Tobias Enström, David Clarkson und Derek Dorsett, die während des Lockouts in der besten Liga der Welt in Salzburg angeheuert hatten und gleich wieder die Fliege machten. Es heißt, es hätte heftige Streitigkeiten über die Trainingsintensität gegeben.


Pagé ist es auch, der in Salzburg durchgesetzt hat, dass alle Spieler Ein-Jahres-Verträge erhalten und nicht die im Eishockey sonst üblichen Acht-Monats-Kontrakte. Er wollte die Spieler das ganze Jahr unter Kontrolle haben. Dieses System wird auch in Zukunft beim EHC vorherrschen.


Und genau wie van Gaal, der etwa Holger Badstuber und Thomas Müller zu Nationalspielern und Stars formte, ist Pagé als Förderer des eigenen Nachwuchses. In Salzburg war Pagé federführend beim Aufbau neuer, internationaler Strukturen, die junge Talenten explizit fördern sollen. Die Verpflichtungen von Keeper Mathias Niederberger (20), Max Meirandres (20), Dominik Bielke (22), Benedikt Brückner (23) an denen Pagé bereits maßgeblich beteiligt war, zeigen, dass dieses Konzept auch beim EHC weiterverfolgt werden soll.


Pagé, der Louis van Gaal des Eishockeys drückt dem EHC schon mal seinen ureigenen Stempel auf. 

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