Interview

AZ-Exklusiv: EHC-Kapitän Hager spricht erstmals über das Corona-Chaos

Erstmals nimmt ein EHC-Spieler nach dem massiven Corona-Ausbruch bei den Red Bulls Stellung. Kapitän Patrick Hager spricht exklusiv in der AZ über seine eigene Infektion - und die Spaltung der Gesellschaft.
| Matthias Kerber
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"Auch als ich gegen Bremerhaven wieder für den EHC Red Bull München auf dem Eis stand, hatte ich keine Probleme", sagt EHC-Kapitän Patrick Hager, der sich mit Corona infiziert hatte.
"Auch als ich gegen Bremerhaven wieder für den EHC Red Bull München auf dem Eis stand, hatte ich keine Probleme", sagt EHC-Kapitän Patrick Hager, der sich mit Corona infiziert hatte. © EHC Red Bull München / City-Press GmbH

München - AZ-Interview mit Patrick Hager: Der 33-Jährige wechselte 2017 zum EHC Red Bull München und ist nun der Kapitän beim dreimaligen deutschen Meister. Er ist gerade von einer Corona-Infektion genesen. Am Sonntag (19 Uhr) spielt der EHC bei den Iserlohn Roosters.

AZ: Herr Hager, eine Frage, die in Ihrem Fall nach der überstandenen Corona-Infektion definitiv keine Floskel ist: Wie geht es Ihnen?
PATRICK HAGER: Danke der Nachfrage: Gut, wirklich gut. Bis auf ganz leichte Symptome - a bisserl Schnupfen, a bisserl Husten für ein paar Tage - hatte ich gar nichts. Wenn es nicht gerade Corona geben würde, hätte man gesagt: Ein Herbst wie jeder andere.

Eine Schniefnase gehört beim Eishockey fast dazu.
Fast. (lacht) Gerade, wenn es draußen noch a bisserl warm ist und man dann auf dem kalten Eis unterwegs ist, ist das für die Atemwege immer belastend. Ich habe natürlich danach noch die ganzen medizinischen Untersuchungen durchlaufen, die kardiologischen Befunde sind alle einwandfrei, und auch als ich gegen Bremerhaven wieder für den EHC Red Bull München auf dem Eis stand, hatte ich keine Probleme. Da bin ich froh und dankbar.

Man darf also davon ausgehen, dass bei Ihnen Long-Covid kein Thema sein wird?
Davon dürfen alle ausgehen, ja.

War die Diagnose, als Sie positiv auf Covid-19 getestet wurden, ein Schock?
Ein Schock will ich nicht sagen. Man muss einfach davon ausgehen, dass uns das Virus in irgendeiner Form wohl das Leben lang begleiten wird. Ich denke, dass es daher nur eine Frage der Zeit ist, bis sich auf kurz oder lang jeder irgendwann ansteckt. Es geht daher aus meiner Sicht in erster Linie darum, dass man sicher stellt, einen möglichst ungefährlichen und unschädlichen Verlauf zu haben. Dafür gibt es ja entsprechende Möglichkeiten.

Die Impfung.
Ja. Ich habe mich impfen lassen, ich bin aber auch dafür, dass es jeder für sich entscheiden muss. Jeder hat seine Argumente, auch wenn ich manche vielleicht nicht nachvollziehen kann, akzeptiere ich sie eben doch.

Wie haben Sie als selbst Infizierter eigentlich die intensive Diskussion um Impfskeptiker Joshua Kimmich vom FC Bayern erlebt?
Es war ja immer klar, dass dies ein heißes Thema ist, noch bevor einer sein Gesicht dafür hergegeben hat. Man muss nur in die zahlreichen Talkshows schauen, wie es zugeht, wenn Impffreunde und Impfskeptiker aufeinanderprallen. Wie sehr die Gesellschaft gespalten ist, ist bedenklich. Man sollte wieder dazu kommen, respektvoll miteinander umzugehen, den anderen nicht immer in eine Ecke zu stecken, nur, weil er eine andere Meinung hat. Respektvoller Umgang, das wäre ein erster Schritt und ein sehr nötiger. Man merkt jetzt, da es Herbst ist und die Zahlen im Vergleich zum Sommer wieder steigen, dass die Diskussion heißer wird, das ist a bisserl ein Pulverfass.

Was beim EHC wirklich erstaunlich ist, wie viele Spieler und Trainer es erwischt hat, und dass es so viele Impfdurchbrüche gegeben hat.
Ja, Sie fragten vorher nach einem Schock - wenn es einen Schock gab, dann das Ausmaß.

Es gab 22 positive Fälle bei den Red Bulls - trotz fast hundert-prozentiger Impfquote.
Das Virus hat wirklich durch alle Schichten bei uns zugeschlagen. Ältere, ganz Junge, es hat die Spieler, die Trainer und Betreuer erwischt. Wir waren sozusagen fast ein Querschnitt der Gesellschaft. Aber zum Glück haben - Stand jetzt - alle einen sehr milden Verlauf. Das ist das Entscheidende. Und ja: Komisch war es schon, da feiern wir in der Champions Hockey League beim EV Zug einen tollen 6:1-Sieg, zwei Tage später haben wir in Augsburg nur noch einen Rumpfkader und am Tag darauf haut das Virus so richtig rein.

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Wie schwer der Klub getroffen wurde, zeigt, die Tatsache, dass die Red Bulls seit dem nur eines von vier Spielen gewinnen konnten.
Klar, wir haben ja noch nicht im Ansatz alle Spieler wieder. Aber Müdigkeit und die Ausfälle, das kann auch nicht auf lange Sicht als Begründung dienen, gerade in Bremerhaven hätten wir gewinnen müssen - wenn wir nur cleverer verteidigt hätten. Vier Mal geführt und trotzdem verloren, das kann eigentlich nicht sein. Jetzt schauen wir mal, wie es am Sonntag bei den Iserlohn Roosters läuft. Ich hoffe, dass wir da den Sieg einfahren - und dann kommt für unser Team die Deutschland-Cup-Pause auch vielleicht zum genau richtigen Zeitpunkt, damit wir dann danach mit voller Kraft angreifen können.

Wie sehr freuen Sie sich, dass Sie beim Deutschland-Cup dann in der kommenden Woche wieder für den DEB spielen können?
Sehr. Bei mir ist es gut ein Jahr her, seit ich das Trikot mit dem deutschen Adler getragen habe. Aufgrund meiner Verletzung habe ich ja auch die WM verpasst, daher brenne ich richtig darauf. Und außerdem stehen im kommenden Jahr wieder die Olympischen Spiele an, der Konkurrenzkampf ist enorm, da will wirklich jeder dabei sein.

Sie haben beste olympische Erinnerungen, waren Teil der legendären Silberhelden der Spiele 2018 in Pyeongchang.
Das ist - und bleibt für immer - ein Highlight meiner Karriere, meines Lebens.

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