Interview

Adler-Coach Gross im AZ-Interview: "Der Titel ist immer das Ziel"

Mannheim ist der große Konkurrent des EHC. In der AZ spricht Pavel Gross, Trainer der Adler, über die neue Saison und Lampenfieber.
| Martin Wimösterer
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"Ich will nicht mit 20 Kilogramm Übergewicht dastehen und den Spielern sagen, was sie zu tun haben", sagt Mannheim-Coach Pavel Gross.
"Ich will nicht mit 20 Kilogramm Übergewicht dastehen und den Spielern sagen, was sie zu tun haben", sagt Mannheim-Coach Pavel Gross. © picture alliance/dpa

München/Mannheim - Der 53-jährige Pavel Gross ist seit 2018 Trainer der Adler Mannheim, die er 2019 gleich zur Meisterschaft geführt hat.

AZ: Herr Gross, für Sie und die Adler Mannheim geht es in die neue DEL-Saison: Kennen Sie als Trainer so etwas wie Lampenfieber?PAVEL GROSS: Ja, schon. Die Saison hat für uns schon vor zwei Wochen mit der Champions Hockey League angefangen. Wir hatten, einschließlich der Testspiele, schon acht Spiele in dieser Saison. Aber egal ob das ein Spiel gegen einen Oberligisten oder ein Playoff-Halbfinale ist, am Abend vorher weiß ich: Morgen ist Spieltag.

Sie waren, ehe Sie zu einem der Trainer mit der besten Siegquote in der DEL wurden, auch erfolgreicher Spieler. Ist die Aufregung, die Sie da spürten, mit der heutigen vergleichbar?
Ja. Das ist aber kein Stressgefühl, sondern eine positive Anspannung.

Um sich auf die Herausforderung einzustimmen.
Ganz genau.

Wie bereiten Sie sich auf eine neue Saison vor?
Physisch bin ich ziemlich aktiv, auch während der Saison. Wir erwarten von den Spielern, dass sie in guter Form sind. Ich will nicht mit 20 Kilogramm Übergewicht dastehen und den Spielern sagen, was sie zu tun haben. Das körperliche Training ist auch wichtig für das Mentale. Es ist meine Lebenseinstellung.

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Gross: Letzte Saison war eine "mit vielen Lehren"

In der Vorsaison schieden die Adler überraschend bereits im Halbfinale aus. Welche Lehren haben Sie aus dieser Saison mitgenommen?
Am Ende waren wir nicht so produktiv, wie wir das sein wollten. Wenn man zweimal mit 1:2 verliert, hat man hinten nicht viel falsch gemacht, aber vorne eben zu wenig produziert. Es war eine Saison mit vielen Lehren. Es war keine einfache. Auch nicht für München.

Nach dem Halbfinal-Aus kritisierten Sie die Liga für ihren Umgang mit Corona. Hat die DEL aus Ihrer Sicht da Fortschritte gemacht?
Darüber will ich nicht reden. Das war damals, jetzt ist jetzt. Für mich geht es um das Situationsmanagement.

Dennoch müssen wir über Corona reden. Vier ihrer Spieler sind an dem Virus erkrankt und in Quarantäne. Wie ist der Verlauf bei den Spielern?
Denen geht's gut. Ich habe zufälligerweise gestern mit ihnen telefoniert. Zwei von ihnen haben keine Symptome, sie müssen aber noch eine Woche in Quarantäne bleiben. Für mich ist das unverständlich, sie sind Profisportler.

Die Adler haben sich gut verstärkt. Unter anderen kam Nigel Dawes, einer der besten Scorer in der Geschichte der starken, russischen Liga KHL.
Es ist wie jedes Jahr: Wir haben gute Leute. Es geht darum, die Mannschaft zusammenzukleben. Wir müssen einen Weg finden, als Team zu funktionieren.

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Gross: "In Mannheim ist der Titel immer das Ziel"

In der Vorbereitung haben Sie die Spieler zu mehr Zusammenarbeit aufgefordert.
Ich höre nur, dass ich das kritisiere und das kritisiere. Keiner schreibt, dass ich auch Positives angesprochen habe. Jeder will nur Schlagzeilen und negative verkaufen sich besser - das stört mich. Ja, wir müssen im System bleiben, aber es gibt auch Pluspunkte, die ich genannt habe. Man darf nicht vergessen: Wir haben viele neue Spieler, die sich erst finden müssen. Das braucht Zeit.

Wie sind die Saisonerwartungen in Mannheim?
Es muss jedem im Klub klar sein: In Mannheim ist der Titel immer das Ziel. Wenn man auf der Autobahn nach Mannheim fährt, sieht man schon: Mannheim Eishockeystadt. Wir wollen zu den Favoriten gehören.

Wer sind Ihre Konkurrenten im Titelkampf?
Alle Teams, vor allem der EHC München, die Eisbären Berlin, der ERC Ingolstadt - und ich darf keinen vergessen: Bremerhaven ist auch sehr gefährlich.

Gross: Die Liga wird "immer besser"

Sie starten am Freitag bei den Straubing Tigers in die Saison. Spielt der Gegner eine Rolle oder schauen Sie mehr, dass Ihre Mannschaft selbst in die Saison findet?
Das ist eigentlich egal. In den ersten drei, vier Spielen hat jeder viel Kraft. Die Zweikämpfe werden im Grenzbereich geführt. Die Straubinger hatten schon in den vergangenen Jahren gute Mannschaften und sie werden wieder gut sein. Nürnberg will nach einer schwächeren Saison wieder besser sein. Generell wird die Liga immer besser. Wir müssen bereit sein - und viel laufen.

Was wünschen Sie sich von der neuen Saison?
Ich wünsche mir, dass alle gesund bleiben und alles ehrlich gemacht wird. Eigentlich aber wünsche ich mir mehr Frieden und weniger Krieg da draußen. Das hat jetzt mit Eishockey nicht viel zu tun, aber das würde ich mir wirklich wünschen.

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