Interview

Abeltshauser im AZ-Interview: "Die Haare sind für das Hospiz"

EHC-Verteidiger Abeltshauser stiftet seine Matte, um eine Echthaarperücke fertigen zu lassen. Ein Freund von ihm hatte Hodenkrebs.
| kby
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Konrad Abeltshauser spendet seine Haare.
Konrad Abeltshauser spendet seine Haare. © imago images/Passion2Press

München - Konrad Abeltshauser im AZ-Interview: Der 28-jährige Ur-Bayer spielt seit 2016 als Verteidiger beim EHC Red Bull München, mit dem er drei Mal die Meisterschaft holte.

AZ: Herr Abeltshauser, jetzt haben Sie fast zwei Jahre die Haare wachsen lassen, bald ist es aber vorbei mit der Haarlichkeit, sie wollen die Haare abrasieren und dann einem Kinderhospiz stiften.
KONRAD ABELTSHAUSER: Genau. Es gibt einige Unternehmen, die daraus Echthaar-Perücken herstellen. Wenn ich auf diese Weise einem Kind - oder einer jungen Frau - ein Stück Normalität nach einer Krebserkrankung geben kann, ist das wunderbar. Bei einer Chemotherapie verliert man sehr oft seine Haare und es ist natürlich schwer für die Betroffenen, wenn die Erkrankung dadurch für jeden offensichtlich ist. So eine Perücke kann einen vor den Blicken der anderen schützen. Es ist hart genug, für sich mit so einer Erkrankung fertig zu werden, da sind diese Blicke das Letzte, was man zusätzlich braucht.

Freund hatte Hodenkrebs: "Ich weiß, was diese Krankheit bedeutet"

Gibt es einen persönlichen Hintergrund für Ihre Aktion?
In diesem Fall nicht so sehr. Meine Frau Erica hat mal zu mir gesagt, du hast so schönes, dickes Haar, das auch wächst wie Unkraut, magst nicht mal lange Haare ausprobieren. Also habe ich es gemacht. Aber es gibt schon etwas, was mich für das Thema Krebsvorsorge sensibilisiert hat. Das ist auch der Antrieb für mich, dass ich die Movember-Bewegung seit Jahren unterstütze, bei der man mit dem Wachsenlassen eines Schnurrbarts auf die Wichtigkeit der Krebsvorsorge für Männer aufmerksam machen will. Ein sehr guter Schulfreund von mir ist mit 20 Jahren an Hodenkrebs erkrankt, da habe ich aus nächster Nähe erlebt, was diese Krankheit bedeutet. Daher stifte ich jetzt dann auch gerne meine Haare.

Werden Sie die Matte vermissen?
Ich glaube, nicht so sehr. Ich trage eh meist Kappe oder Hut.

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Oder Helm.
Genau. Es hat bisher Spaß gemacht, mit den Haaren, aber ich glaube nicht, dass ich ihnen groß nachweinen werde. Ich bin ein sehr positiver Mensch. Jetzt gibt es einen guten Grund, meine Cousine zu treffen, die einen Friseursalon hat. Ich denke, die vermisst mich schon.

Also keine Angst, dass Sie wie der biblische Samson die Kraft verlieren, wenn die Haare ab sind?
Ich hoffe nicht (lacht). Ich denke, ich finde noch ein paar andere Sachen, die mir Kraft geben. Es war schon schön mit den Haaren, natürlich bekommt man Sprüche zu hören, aber ich bin auch nicht aufs Maul gefallen. Den Klassiker, dass ich ausschaue wie a Madl, den habe ich ja mit meinem Schnurrbart umgehen können.

Abeltshauser spielt seit 2016 für den EHC.
Abeltshauser spielt seit 2016 für den EHC. © Rauchensteiner/Augenklick

"Gefühlt die längste Vorbereitung, die es je im Profi-Eishockey gegeben hat"

Wie sehr freuen Sie sich, dass am 17. Dezember endlich die DEL-Saison losgeht?
Wahnsinnig. Wir hatten gefühlt die längste Vorbereitung, die es je im Profi-Eishockey gegeben hat - endlich haben wir wieder ein richtiges Ziel vor Augen: Den Meisterpokal wieder nach München zu holen. Der MagentaSport-Cup ist ja schon eine tolle Einstimmung, aber die Liga ist dann doch noch mal ein Schippn mehr.

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Hatten Sie Sorgen, dass die Saison corona-bedingt ganz ausfallen könnte?
Auch da hilft mir mein Optimismus, aber es gab schon Momente, gerade dann, wenn man dachte, jetzt kommt endlich die Entscheidung, dass es weitergeht, wo es dann wieder einen Dämpfer gab. Jetzt müssen wir das Beste draus machen, wichtig ist vor allem, dass wir endlich wieder spielen,

Abeltshauser möchte gerne wieder für Nationalmannschaft spielen

Nicht gespielt haben Sie zuletzt in der Nationalmannschaft. Ihr alter Teamkollege, der jetzige Bundestrainer Toni Söderholm, hat Sie auch nicht für den Deutschland-Cup berufen. Stehen Sie in Kontakt?
Seit dem Deutschland-Cup Anfang November nicht, aber im Sommer haben wir uns immer wieder ausgetauscht. Er wollte von jedem Spieler wissen, wie er sich einschätzt, wo er Schwächen sieht, an denen er arbeiten kann, will und muss.

Was haben Sie ihm gesagt?
Das Spiel ist so schnell geworden, daher will ich weiter an meinen schlittschuhläuferischen Fähigkeiten arbeiten. Ansonsten gibt es natürlich keinen Bereich, in dem man sich nicht verbessern kann. Ich war immer stolz, für Deutschland zu spielen und werde immer stolz sein, wenn ich die Ehre erhalte. Ich werde alles dafür tun, damit diese Tür für mich wieder aufgeht.

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