Interview

EHC-Neuzugang Zach Redmond: "Der Charakter entscheidet, wer die Spiele gewinnt"

Der EHC München empfängt beim Magenta-Cup Erzrivale Mannheim. In der AZ spricht Neuzugang Zach Redmond über Eishockey in Deutschland, seine Spitznamen und die Wahl in den USA.
| Matthias Kerber
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Komm in meine Arme: Stürmer Chris Bourque (l.) gratuliert Verteidiger Zach Redmond zum Siegtreffer des EHC gegen Berlin.
Komm in meine Arme: Stürmer Chris Bourque (l.) gratuliert Verteidiger Zach Redmond zum Siegtreffer des EHC gegen Berlin. © EHC Red Bull München / City-Press

AZ-Interview mit Zach Redmond: Der 32-jährige Verteidiger wechselte zu dieser Saison zum EHC Red Bull München.

Zach Redmond vom EHC Red Bull München.
Zach Redmond vom EHC Red Bull München. © EHC Red Bull München / City-Press

AZ: Mister Redmond, Sie, der bekennende Fischerei- und Jagd-Fan, sind beim Spiel des EHC Red Bull München gegen die Eisbären Berlin mit Ihrem Siegtor in der Verlängerung zum Eisbären-Erleger avanciert. Ziemlich passend, oder?
ZACH REDMOND: (lacht) Eisbären-Erleger, das habe ich noch nie im Zusammenhang mit meinem Namen gehört, aber es ist ein Spitzname, der mir gefällt. Es ist verrückt hier, die Eishockey-Saison hat nicht einmal begonnen und ich habe schon mindestens drei, vier Spitznamen erhalten. Man hat fast das Gefühl, dass ich jeden Tag einen neuen bekomme. Lassen Sie uns mal am Ende der Saison reden, dann können wir wahrscheinlich ein Interview nur über Spitznamen führen.

Gerne. Aufgrund Ihres harten Schlagschusses haben Sie ja auch schon den Namen Zachhammer bekommen, der ein Wortspiel auf Jackhammer ist, was im englischen ja Presslufthammer bedeutet.
Stimmt, der Zachhammer, da muss ich immer noch lachen. Die Leute hier sind sehr kreativ, das muss ich jetzt schon sagen. Ich bin wirklich gespannt, wohin das noch führt hier.

Zach Redmond ist neuer Spieler beim EHC München

Zurück zum Berlin-Spiel: Der EHC lag 0:2 zurück, glich aus, dann kamen Sie mit dem Siegtor.
Ja, war ein tolles Ende für ein Spiel, in dem wir in den ersten beiden Dritteln nicht das gebracht haben, was wir von uns selbst erwarten. Aber es ist ein grandioses Gefühl, wenn man spürt, wie das Momentum sich auf deine Seite schlägt, wie man all das richtig macht, was man zuvor nicht richtig gemacht hat. Ich rede hier nicht nur davon, dass wir das Spiel vom Ergebnis her drehen konnten, sondern dass wir da raus gegangen sind und gesagt haben: Jetzt reicht es, das sind nicht wir, jetzt zeigen wir unser wahres Gesicht. Vielleicht haben wir schon die ein, zwei Spiele davor nicht ganz das in die Waagschale geworfen, was uns ausmacht. Aber da haben wir den Schalter umgelegt. Es zahlt sich eben aus, wenn man bei der Zusammenstellung eines Teams nicht nur Wert auf die Fähigkeiten legt, sondern auch den Charakter, die Persönlichkeit. Denn der Charakter entscheidet oft darüber, wer die Spiele gewinnt. Es war ein großartiges Spiel für uns und ein Albtraum für Berlin. Nichts fühlt sich im Eishockey schlimmer an, als so eine Partie noch zu verlieren.

Jetzt geht es am Mittwoch gegen Erzrivale Mannheim.
Das erste Spiel im MagentaSport-Cup war schon hart umkämpft zwischen uns. Wir spielen recht ähnliche Systeme, beide Teams versuchen, extrem viel Druck aufzubauen und den Gegner so zu Fehlern zu zwingen. Ich muss sagen, mir gefällt das Eishockey in Deutschland sehr, sehr gut. Es ist anders als in Nordamerika. Es ist offener, es gibt mehr Torchancen, es ist eher ein offener Schlagabtausch. Ich habe hier verdammt viel Spaß, das kann ich jetzt schon sagen.

Neu in München: Das denkt Zach Redmond 

Wie sind Ihre Eindrücke von der Stadt, den Menschen hier?
Wunderbar! Meine Familie und ich sind schon ein paar Monate hier, auch schon zu der Zeit, als es noch keinen echten Lockdown gab. Da haben wir auf Fahrrädern die Stadt erkundet. Es ist wunderschön und die Leute sind extrem freundlich. Ich war auch schon in anderen Ländern, wo man, wenn man die Sprache nicht kann, nicht immer mit größter Höflichkeit begrüßt wird. Hier ist das anders, jeder spricht englisch, jeder will dir helfen. Deutschland hat uns mit offenen Armen empfangen. München ist eine tolle Stadt. Und die Jungs sagen alle: Warte, erst mal ab, wie es ist, wenn die Märkte, die Restaurants wieder öffnen. Dann lernst du erst das wahre München kennen. Ich bin gespannt, ich mag jetzt schon, was ich sehe.

Ihr Ex-Teamkollege Andrew MacWilliam aus Rochester hat beim EHC einen Zeitvertrag unterschrieben, er meinte: Sie hätten ihn und den EHC verkuppelt.
Der Verkuppler wird dann wohl mein nächster Spitzname (lacht). Nun, die Red Bulls haben über ihn nachgedacht und mich dann über ihn befragt. Andrew war in den drei Jahren in Rochester mit mein bester Freund. Er ist ein Kerl, der alles für dich macht. Auf dem Eis und daneben. Solche Typen willst du im Team haben. Auf dem Eis ist er der Spieler, gegen den keiner spielen will. Er ist kräftig, teilt bei jeder Gelegenheit aus, er lässt dich spüren, wenn du aus seiner Sicht an der falschen Stelle bist.

Nach US-Wahl: Redmond hofft auf mehr Miteinander

Sie sind Amerikaner, wie haben Sie die tumultartige Zeit rund um die Präsidenten-Wahlen aus der Ferne erlebt?
Nun, man konnte sich dem ja gar nicht entziehen. Ich beschäftige mich nicht zu sehr damit, da ich es nicht groß beeinflussen kann. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich hoffe, dass jetzt eine Zeit des Miteinanders, des Zusammenwachsens beginnt, dass wir wieder alle zusammenfinden.

Im Wortsinne: Die Vereinigten Staaten von Amerika.
Exakt.

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