Dustin Brown: So tickt der Wimbledon-Rastamann

Dustin Brown kegelte völlig überraschend den Top-Favoriten Rafael Nadal in Wimbledon aus dem Turnier. Doch wer ist dieser Rastamann eigentlich, warum kennt den mittlerweile 30-Jährigen noch kaum jemand?
| (dr/spot)
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Dustin Brown unmittelbar nach dem Triumph über Rafael Nadal in Wimbledon
ddp images Dustin Brown unmittelbar nach dem Triumph über Rafael Nadal in Wimbledon

Dustin Brown kegelte überraschend den Top-Favoriten Rafael Nadal in Wimbledon aus dem Turnier. Wer ist dieser Rastamann eigentlich, warum kennt den mittlerweile 30-Jährigen kaum jemand?

München - Am Donnerstagabend, um kurz vor 20 Uhr, konnte Tennis-Deutschland mal wieder jubeln. Dustin Brown schlug auf dem Centre Court in Wimbledon völlig überraschend den 17-fachen Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal in imponierender Art und Weise und schickte damit einen der Turnier-Favoriten nach Hause. Doch nicht nur sein tollkühnes und spektakuläres Tennis macht den Sohn einer Deutschen und eines Jamaikaners nun über Nacht zum Superstar, vor allem die flippige Art des Paradiesvogels mit seinen wallenden Dreadlocks begeisterte nicht nur die Zuschauer vor Ort in England - sondern ganz Deutschland.

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"Das ist der Tag meines Lebens", jubelte der Rastamann nach dem 7:5, 3:6, 6:4, 6:4-Erfolg gegen die ehemalige Nummer eins, "ich war noch nie vorher auf diesem Center Court". Er habe Angst gehabt, eingeschüchtert zu sein, aber er habe sich einfach auf sich konzentriert. Nach dem verwandelten Matchball holte sich der Profi mit den Haaren bis zum Po noch einmal den Jubel der Fans ab: Selbstbewusst lupfte er sein T-Shirt, zeigte dabei seinen durchtrainierten Körper und klopfte sich auf das riesige Tattoo auf seinem Bauch - ein Konterfei seine Vaters Leroy.

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Doch die Karriere des mittlerweile bereits 30-Jährigen lief in den vergangenen Jahren im Gegensatz zum gestrigen Triumph alles andere als glamourös ab: Brown wurde im niedersächsischen Celle geboren - in der Heimat seiner Mama Inge. Mit 11 Jahren zog er jedoch auf die karibische Insel Jamaika nach Montego Bay. 2002 tauchte er zum ersten Mal bei den kleinen Future Turnieren auf und spielte 2003 für Jamaika im Davis Cup. Ende 2003 führte ihn sein Weg nach seinem College-Abschluss zurück nach Deutschland. Er wurde in Winsen an der Aller sesshaft.

 

Haare seit fast 20 Jahren nicht mehr geschnitten

 

Von dort aus tingelte der 1,96-Meter-Riese ohne festen Trainer mit einem VW-Bus, den er von seinen Eltern geschenkt bekommen hatte, von Turnier zu Turnier. Das Geld für die Flugreisen konnte er nicht aufbringen. Der ganz große Wurf gelang ihm dabei allerdings nie. Lediglich sechs Turnier-Erfolge auf der Challenger Tour, quasi der zweiten Liga im Tennis, konnte Brown zwischen 2009 und heute für sich verbuchen. Seine höchste Platzierung in der Weltrangliste war im Juni 2014 Platz 78.

Im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung verriet Brown, dass er trotz seines jamaikanischen Aussehens einige deutsche Tugenden sein eigen nennt: "Ich bin pünktlich, hasse es, wenn jemand zu spät kommt." Er habe sich sogar mal die Uhr zehn Minuten vorgestellt, damit er ja pünktlich sei. Von seinem Papa habe er die Entspanntheit, und natürlich das Aussehen. Übrigens: Seine Haare, gleichzeitig sein Markenzeichen, hat er im August 1996 zum letzten Mal schneiden lassen - von seiner Mama.

Zeit zum Durchschnaufen und genießen bleibt dem Deutschen, der 2010 seine jamaikanische Staatsbürgerschaft ablegte, kaum: Bereits am Samstag muss Brown in Runde drei gegen den Serben Victor Troicki ran. Die aktuelle Nummer 46 ist allerdings nach diesem Auftritt des Deutschen gegen Nadal trotz der 50 Plätze besseren Platzierung in der Weltrangliste alles andere als der Favorit. Durch diesen fulminanten Auftritt wurde aus dem unbekannten Underdog die große deutsche Wimbledon-Hoffnung.

 

 

 

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