Interview

DEB-Präsident Franz Reindl: "Ich bin praktisch mit Schlittschuhen geboren"

Ein Deutscher als Chef des Eishockey-Weltverbandes? DEB-Präsident Franz Reindl spricht in der AZ über seine Kandidatur für den Posten des IIHF-Präsidenten und warum die WM in Weißrussland ein Fehler war.
| Martin Wimösterer
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Will ins höchste Eishockey-Amt: DEB-Präsident Franz Reindl steht kommendes Wochenende zur Wahl um die Weltverbandsspitze.
Will ins höchste Eishockey-Amt: DEB-Präsident Franz Reindl steht kommendes Wochenende zur Wahl um die Weltverbandsspitze. © dpa

AZ-Interview mit Franz Reindl: Der 66-jährige DEB-Präsident kandidiert als Chef des Eishockey-Weltverbandes.

AZ: Herr Reindl, das nächste Wochenende steht im Zeichen von Wahlen. Es stehen nicht nur die des Eishockey-Weltverbandes IIHF an, bei denen Sie um das Amt der Präsidenten kandidieren. Auch der Deutsche Bundestag wird gewählt. Haben Sie Ihr Kreuz schon gemacht?
FRANZ REINDL: Ich habe die schriftliche Wahl genutzt, weil ich ab Sonntag in Sankt Petersburg bin.

Für wen haben Sie gestimmt?
Es ist eine geheime Wahl und dabei möchte ich es auch belassen.

Eine zukunftsweisende Entscheidung wird auch bei der IIHF-Wahl getroffen. Wie Angela Merkel aus dem Kanzleramt scheidet auch Puck-Chef René Fasel nach einer langen Ära aus, genauer gesagt nach 27 Jahren. Was ist das Wichtigste, das er hinterlässt?
Die Arbeit, die er geleistet hat und wie der Weltverband sich in seiner Zeit entwickelt wurde, war phänomenal. Er hat den Nährboden für eine positive Zukunft bereitet. Selbstverständlich gibt es große Herausforderungen, die auf uns warten.

Auch in der Pandemie: "Der Weltverband muss dabei im Sinne seiner Mitglieder handeln"

Welche?
Die Pandemie hat einen großen Einfluss auf alle Bereiche: den sportlichen, den organisatorischen und auch den wirtschaftlichen. Der Weltverband muss dabei im Sinne seiner Mitglieder handeln. Die IIHF hat 81 Mitgliedsnationen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Man muss für alle Lösungen finden. Ich bin ein Freund von Abstimmung und langfristigen Planungen. Beim Deutschen Eishockey-Bund haben wir mit dem Programm "Powerplay 26" das Eishockey vorangebracht.

Hilft Ihnen diese Entwicklung?
Natürlich schauen die Stimmberechtigten: Was hat er national erreicht? Und kann er das auch international machen? Die Entwicklung des deutschen Eishockeys ist sehr gut. Das wird oft auf mich gemünzt, aber das haben wir gemeinsam geschafft. Für mich ist es ein großer Pluspunkt, dass wir in der Weltrangliste von Rang 13 auf 5 geklettert sind. Wir sind der bestplatzierte Verband Deutschlands, auch vor dem Fußball - wer hätte das vor sieben Jahren gedacht?

Der deutsche Star Leon Draisaitl ist also eine Wahlhilfe.
100 Prozent ist Leon eine Wahlhilfe! Er hat mich auch mit einem Statement unterstützt. Das hat mich vom Hocker gehauen. Auch Marco Sturm. Da wurde ich sogar emotional. Aber: Gefühl ist gut, Gefühl wählt halt nicht.

Reindl: "Ich kann meine Expertise einbringen und kulturelle Voraussetzungen zusammenbringen"

Warum kandidieren Sie?
Ich bin schon lange im Eishockeygeschäft. Ich bin praktisch mit Schlittschuhen geboren. Als Spieler hatte ich das Glück gehabt, gute Teams zu haben, ob nun bei der Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 1976 oder in der Liga. Als Coach habe ich in meinem Heimatort Garmisch gearbeitet. Ich habe mich immer mehr als Manager weniger als Trainer gesehen. Ob nun bei der Deutschen Eishockey Liga oder dem Deutschen Eishockey-Bund. Das Eishockey hat mir wahnsinnig viel gegeben. Das Amt als IIHF-Präsident ist reizvoll, aber das ist auch ein Service, den ich dem Sport geben will. Ich kann meine Expertise einbringen und kulturelle Voraussetzungen zusammenbringen.

Sie gelten unter den fünf Kandidaten als der Bewahrer des bisherigen Weges - zurecht?
Ich bin ein loyaler Mensch, bedacht auf Stabilität und Kontinuität. Was gut ist, soll man behalten, wenn etwas geändert werden muss, soll man es ändern.

Die IIHF stand in der Kritik, weil sie die WM im Mai in Belarus lange durchziehen wollte. Die Position der IIHF: Politik aus dem Sport heraushalten. Kann man denn Sport und Politik wirklich trennen?
Man kann den Sport bei so großen Veranstaltungen nicht mehr isoliert sehen. Natürlich muss man auch die politische Lage berücksichtigen. Wenn die Verträge gemacht sind, wird's schwierig.

Und teuer, da raus zu kommen, wie im Fall Belarus.
Ja, das war teuer. Wobei Herr Lukaschenko (Belarus' Staatschef; die Red.) ja auch schon im Amt war, als über den WM-Standort 2021 abgestimmt wurde. Lettland (das später den WM-Abzug aus Belarus forderte; die Red.) war auch für die gemeinsame WM gewesen, auch die dortige Politik. Darum muss man die Grundlagen für Bewerbungen erweitern, zum Beispiel um die Menschenrechtsfrage.

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Reindl: IHF-Wahl ist kein Kampf gegen Konkurrenten

Ist der Wahlkampf um die IIHF-Spitze mit der Bundestagswahl zu vergleichen?
Ich glaube nicht. Ich kämpfe nicht gegen jemand, sondern um die Position. Ich würde auch nichts Schlechtes über einen Konkurrenten sagen oder meinen Weg verlassen, um Stimmen zu bekommen. Das ist nicht gut. Man soll zu seiner Meinung stehen - wenn ich dann gewählt werde, freut es mich. Wenn nicht, werde ich mich weiter einbringen, in welcher Rolle auch immer. Ich sehe viele Wachstumsmöglichkeiten fürs Eishockey, besonders in Europa.

Dabei gilt China als Wintersportland der Zukunft.
Bei China könnte ich mit Zahlen um mich werfen. 300 Millionen Wintersportler sollen dort geschaffen werden, die Infrastruktur dazu. Das wäre super, das ist klar - und es ist für die Spiele 2022 schon manches auf den Weg gebracht worden. Doch warum nur in die Ferne schweifen? Auf dem Balkan sind Möglichkeiten da. Auch im Frauen-Sport steckt Potenzial. Wir haben gerade eine großartige WM in Kanada erlebt. Respekt vor den Leistungen.

Was steht dem Eishockey beim Klimawandel bevor?
Er trifft den Eissport und besonders das Eishockey hart. Eishockey braucht Eis. Doch mit den neuen Möglichkeiten wie Solar auf dem Dach und energetische Technik werden wir gute Indoor-Möglichkeiten finden. Es ist wichtig, dass sich die Menschen bewegen, gerade die Kinder. Die kleinere Eisfläche im Eishockey hilft - das sind 240 Quadratmeter weniger.

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