"Brauchen Frauen, die aus ihren Komfortzonen herauskommen"

AZ-Kolumnistin Martina Ertl-Renz über das Mental-Monster Marcel Hirscher und das Abschneiden der deutschen Athleten im Ski-Alpin-Rennsport. Was kann man besser machen?
| Martina Ertl-Renz
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
"Wir stehen sozusagen am Fuße des Olymp und sollten die nächsten vier Jahre bis Peking nutzen, um an diesen Dingen zu arbeiten", findet Martina Ertl-Renz.
dpa/Privat "Wir stehen sozusagen am Fuße des Olymp und sollten die nächsten vier Jahre bis Peking nutzen, um an diesen Dingen zu arbeiten", findet Martina Ertl-Renz.

Marcel Hirscher zuzuschauen ist maximaler olympischer Genuss. Dieser Mann fährt Skirennen in einer anderen Liga als der Rest der Welt. Wieder einmal beeindruckte der österreichische Seriensieger durch perfekte Läufe im Riesenslalom, als er vor dem Zweitplatzierten Kristoffersen eine Sekunde Abstand hatte. Sah es vor den olympischen Spielen mal kurzzeitig so aus, als ob Kristoffersen doch für Spannung bei den Technikdisziplinen sorgen könnte, desillusionierte Hirscher seine Konkurrenten in der ihm eigenen Art.

Es gibt keinen Superlativ, der nicht auf Hirscher und seine Fahrweise passen könnte. Er ist technisch überragend, physisch topfit und mental ein Monster. Hirscher ist die Blaupause für den perfekten Skifahrer zwischen den Stangen. Verdient hat er sich die zweite Goldmedaille und ich habe keinen Zweifel daran, dass er auch den olympischen Slalom für sich entscheiden wird. Kristoffersen konnte nach einer wilden Aufholjagd im zweiten Durchgang Silber holen und Alexis Pinterault wiederholte seinen dritten Platz aus der Kombination und war bei dieser starken Konkurrenz über seinen zweiten Medaillengewinn äußerst glücklich.

Die deutschen Jungs hatten das Nachsehen, viele Fahrfehler bedeuteten schlechte Zeiten oder sogar Ausfall.

Es soll mit einem Coup der Alpinen bei den olympischen Spielen einfach nicht klappen und das ist für das Team ausgesprochen schade - bei den Herren haben die Speed-Fahrer im Grunde die guten Weltcupleistungen bestätigt und nur nicht das Quäntchen Glück gehabt, das man an olympischen Tagen einfach braucht, die Technik-Fahrer erlebten ein Desaster und die deutschen Damen mit unserer Vorzeigefrau hatten auch wenig Fortune.

Man wir jetzt schon sagen dürfen, dass im deutschen Ski-Alpin-Rennsport die richtigen Wege eingeschlagen worden sind, dass man aber im Hinblick auf andere Nationen weiter hart arbeiten muss, um Abstände zu verringern. Das gilt vor allem für die Damen. Die Phase, in der Deutschland über lange Zeiten mehrere Siegfahrerinnen hatte, ist vorbei und wenn dann der einzige Trumpf - in persona Viktoria Rebensburg - nicht sticht, dann wird es eng. Die Trainer in Deutschland geben eine gute Richtung vor, doch wir brauchen die Frauen, die aus ihren Komfortzonen herauskommen und an ihre Leistungsgrenzen gehen wollen. Wir brauchen an den Hängen wieder eine andere Mentalität.

Wir stehen sozusagen am Fuße des Olymp und sollten die nächsten vier Jahre bis Peking nutzen, um an diesen Dingen zu arbeiten. Solche Athleten wie Hirscher taugen dabei als echtes Vorbild in allen Belangen. Sie stehen auf dem Olymp, da sollten wir hin wollen.

Herzlichst,

Martina Ertl-Renz

Lesen Sie auch: Martina Ertl-Renz - Zwischen Fleischpflanzerl und Algensalat

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren