Biathletinnen am Tiefpunkt – nur Neuner denkt positiv

Olympia in Sotschi war für die deutschen Biathletinnen bislang eine einzige Enttäuschung. Nach zwei Einzelrennen reichte es nicht mal für eine Top-10-Platzierung. Alleine Magdalena Neuner verbreitet Optimismus.
| SID
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Olympia in Sotschi war für die deutschen Biathletinnen bislang eine einzige Enttäuschung. Nach zwei Einzelrennen reichte es nicht mal für eine Platzierung unter den Top 10. Alleine Magdalena Neuner verbreitet noch Optimismus.

Sotschi – Am Tag nach dem schlimmsten Olympia-Debakel in der Geschichte der deutschen Biathletinnen verbreitete immerhin Magdalena Neuner Hoffnung. "Die Karten werden ja neu gemischt, jetzt steht ein Einzel an, dann kommen der Massenstart und vor allem die Staffeln", zählte die einstige Strahlefrau der deutschen Skijägerinnen im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk auf, "und ich denke, da haben die Mädels und auch die Jungs gute Chancen. Wir können uns schon noch auf eine gute und schöne zweite Olympiahälfte freuen."

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Es ist schon erstaunlich, woher Neuner immer wieder ihren Optimismus nimmt. Ihre unbeschwerte Natur zeichnete die Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver bereits während ihrer aktiven Laufbahn aus, selbst nach bitteren Fehlschüssen riss sich Neuner in der Loipe zusammen und setzte ihren Frust in Geschwindigkeit um. Die Unbekümmertheit der werdenden Mutter fehlt den deutschen Biathleten bei den Winterspielen in Sotschi, das war auch Gerald Hönig nach dem Tiefpunkt in der Verfolgung klar.

"So eine Packung haben wir noch nie bekommen. Darüber müssen wir dringend sprechen", sagte der Frauen-Bundestrainer und sprach von "großen Erwartungen", mit denen die Biathletinnen angereist waren. Seit der olympischen Premiere 1992 hatten sie immer Medaillen mit nach Hause genommen, in Zeiten von Uschi Disl, Kati Wilhelm und Magdalena Neuner dominierten die DSV-Athletinnen teilweise nach Belieben. Da auch die Männer in Sotschi ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt sind, drohen sogar die ersten Winterspiele ohne deutsche Biathlon-Medaille.

Für zusätzliche Aufregung sorgte am Mittwoch die Ankündigung von Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang, nach dem Olympiawinter von seinem Amt zurückzutreten. "Ich denke, in dieser Funktion werde ich in keinem Fall mehr sein, es wird sich auch bei mir eine Veränderung einstellen", sagte Müssiggang im Interview mit der Zeitung "Die Welt": "Wir haben uns im Verband noch nicht darüber unterhalten, wollten erst die Winterspiele und dann das Saisonende abwarten, danach zusammenkommen und weitersehen."

Als Reaktion auf die Leistungen in Sotschi will Müssiggang sein Vorhaben nicht verstanden wissen, Gedanken zum Rücktritt habe es bereits 2010 gegeben. Und immerhin hatte nach einer schwachen Saison gerade die Generalprobe in Antholz mit Siegen von Andrea Henkel und Simon Schempp zuletzt Mut für erfolgreiche Spiele gemacht. Doch nach einem halbwegs ordentlichen Sprint mit Rang elf für Evi Sachenbacher-Stehle waren die Frauen in der Verfolgung schlicht nicht konkurrenzfähig. "Die Anderen waren einfach besser", meinte Henkel lapidar.

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Kein besonders tiefschürfender Erklärungsansatz für die schwachen Auftritte am Schießstand und die langsamen Laufzeiten. Es scheint eher so, als käme die 36 Jahre alte Henkel, immerhin bereits zweimal Olympiasiegerin, mit der Rolle als Frontfrau nicht in jeder Situation zurecht. Von einer Erkältung geplagt, landete sie im Sprint und der Verfolgung abgeschlagen auf den Plätzen 22 und 29.

Die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin Sachenbacher-Stehle ist nach ihrem Umstieg froh, sich überhaupt für Sotschi qualifiziert zu haben: "Ich mache das ja noch nicht so lange, da kann so etwas am Schießstand schon einmal passieren", sagte die 33-Jährige, nachdem sie in der Verfolgung mit sechs Fehlern alle Chancen vergeben hatte. Für den Nachwuchs Laura Dahlmeier und Franziska Preuß kommen die Spiele am Schwarzen Meer noch zu früh. "Beide haben gemerkt, dass Olympia doch etwas anderes ist als der Weltcup. Sie haben Lehrgeld bezahlt", hatte Hönig bereits nach dem Sprint erklärt.

Vielleicht würde ein Überraschungscoup die Anspannung und damit den Knoten im deutschen Team lösen, doch wer außer Magdalena Neuner mag daran so recht daran glauben. "Ich glaube, es gibt jeden Grund, um optimistisch zu sein", sagte Neuner. Die nächste Außenseiterchance besitzen die Männer im Einzel über 20 Kilometer am Donnerstag (15.00/18.00 Uhr MEZ/OZ).

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