Interview

Axel Schulz: "Fury hat die Beklopptheit wieder salonfähig gemacht"

In Las Vegas kommt es zum dritten WM-Fight zwischen dem britischen Weltmeister und dem amerikanischen Ex-Champion Deontay Wilder. Die AZ sprach mit Box-Experte Axel Schulz über das Duell.
| Matthias Kerber
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Immer für denkwürdige Auftritte gut: Der britische Box-Weltmeister Tyson Fury kommt mal im US-Kostüm, mal als König, mit Sombrero zum Ring.
Immer für denkwürdige Auftritte gut: Der britische Box-Weltmeister Tyson Fury kommt mal im US-Kostüm, mal als König, mit Sombrero zum Ring. © imago images / MB Media Solutions

AZ-Interview mit Axel Schulz: Der jetzt 52-Jährige kämpfte in seiner Karriere drei Mal um die WM im Schwergewicht - unter anderem gegen Box-Ikone Georg Foreman - verlor aber jeweils.

AZ: Herr Schulz, in der Nacht auf Sonntag kommt es in Las Vegas zum dritten Aufeinandertreffen der beiden Schwergewichtler Tyson Fury und Deontay Wilder. Können Sie sich überhaupt vorstellen, dass Wilder nach seinem schweren Knockout im zweiten Duell Fury schlagen kann und den WM-Titel zurückholt?
AXEL SCHULZ: Eigentlich nicht. Fury ist der viel bessere Boxer, Wilder lebt nur von seiner Schlagkraft. Er braucht nur einmal richtig zu treffen, dann liegt jeder Gegner. Das hat Fury ja selber im ersten Kampf erfahren müssen, der ja am Ende Unentschieden gewertet wurde. Und das Letzte, was ein Boxer verliert, ist seine Schlagkraft. Aber das ist auch Wilders einzige Chance. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Niederschläge und die Lehrstunde, die er davor im Ring erhalten hat, weggesteckt hat. Kaum ein Boxer ist doch der Gleiche nach so einer Niederlage. Das macht was mit dir. Mit deinem Kopf, deinem Selbstvertrauen, deinem Selbstverständnis. Die Art, wie er jetzt nach Entschuldigungen und Ausreden sucht. . .

Axel Schulz.
Axel Schulz. © picture alliance/dpa

Wilder behauptet, Fury hätte die Boxhandschuhe manipuliert, er wäre verletzt gewesen, der Trainer hätte seinen Job nicht gemacht, das Kostüm, mit dem er zum Ring kam, sei zu schwer gewesen. . .
Und, und, und. Ja, ja. All das beweist doch nur, dass er die Niederlage nicht verkraftet hat. Und wissen Sie was?

Was?
Ich hoffe - und wünsche mir auch -, dass Fury gewinnt.

Schulz: "Ich finde den Typ einfach geil"

Warum?
Ich habe ihn ja ein paar Mal persönlich getroffen. Ich finde den Typ einfach geil, er hat das Entertainment, den Spaß in den Boxsport zurückgebracht, lange Zeit war es ja eher langweilig. Aber Fury ist ein perfekter Showman, man spricht wieder über das Boxen. Ich will ihn nicht mit Muhammad Ali vergleichen, denn Ali war einzigartig, und Fury ist auch einzigartig, daher verbieten sich Vergleiche. Aber Fury sorgt dafür, dass man wieder über das Boxen spricht. Was er da für Sprüche raushaut, das ist der Wahnsinn. Aber anders als Wilder, der dabei teils geschmacklos ist, hat Fury immer dieses Augenzwinkern, dass es eben nicht so ernst gemeint ist. Fury hat die Beklopptheit wieder salonfähig gemacht. Und irgendwo bekloppt sind wir Boxer doch alle. Wer lässt sich schon freiwillig dauernd auf die Schnauze hauen - und mag das teilweise auch noch? Nur Bekloppte (lacht).

Bei Pressekonferenzen überrascht Fury auch gern mal als Batman, mit Wrestling-Maske, als Spaßvogel - oder präsentiert seine Wampe.
Bei Pressekonferenzen überrascht Fury auch gern mal als Batman, mit Wrestling-Maske, als Spaßvogel - oder präsentiert seine Wampe. © picture alliance / dpa

Hätte es für Sie nach dieser Vorführung im zweiten Fight ein drittes Duell eigentlich überhaupt gebraucht?
Warum nicht? Es ist immer noch einer der interessantesten Kämpfe, die es da draußen gibt, Geld wird auch viel damit gemacht, alles okay. Und man muss ja sagen, wenn man in die Box-Geschichte schaut, so Trilogien haben ja immer einen besonderen Reiz, davon reden die Leute ewig.

Etwa Muhammad Ali gegen Joe Frazier oder Ali gegen Ken Norton oder Evander Holyfield gegen Riddick Bowe.
Sehen Sie, man redet immer noch drüber. (lacht)

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Viel geredet wurde über einen Kampf der Weltmeister Fury und Anthony Joshua, der Fight wurde schon als "Battle of Britain" aufgebaut. Doch dann entthronte der Ukrainer Oleksandr Usyk eben diesen Joshua vor zwei Wochen.
So schnell kann es gehen. Es war eine ganz schwache Vorstellung von Joshua. Klar, Usyk ist ein hervorragender Techniker, aber Joshua hatte ihm wirklich fast nichts entgegenzusetzen. Joshua hat seine K.o.-Niederlage gegen Andy Ruiz im Jahr 2019 nie aus dem Kopf gekriegt. Er hat zwar den Körper eines griechischen Gottes, aber er hat jetzt einfach Angst, getroffen zu werden, weil er weiß, was passieren kann. Das weiß er, das wissen alle anderen. Alle Boxer haben gesehen, wie er gegen Ruiz am Boden war und hilfesuchend Richtung Ecke geblickt hat. Keiner hat mehr Angst vor ihm, er ist entmystifiziert. Und wenn man ehrlich ist: Es war nur Glück, dass er 2017 Wladimir Klitschko, der sicher schon etwas über seinen Zenit hinaus war, besiegt hat. Joshua war in der sechsten Runde am Boden und hätte Klitschko richtig nachgesetzt, dann hätte man nie über Fury gegen Joshua nie reden müssen, dann wäre es schon da vorbei gewesen mit Joshua.

Boxlehrstunde: Fury gegen Wilder (l.) im zweiten Kampf.
Boxlehrstunde: Fury gegen Wilder (l.) im zweiten Kampf. © picture alliance/dpa/PA Wire

"Ich kann mir gut vorstellen, dass Joshua seine Karriere beendet"

Man muss Joshua zugutehalten, dass er den Rückkampf gegen Ruiz aber gewonnen hat, sich die WM-Titel zurückgeholt hat und auch jetzt hat er schon die Rematch-Klausel gegen Usyk gezogen.
Ich glaube nicht, dass es zum Rückkampf kommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Joshua seine Karriere noch beendet und mit dem Boxen abschließt. Ich glaube eher, dass es dann zum Fight Fury gegen Usyk kommt. Das wäre ein toller Fight, die beiden besten Boxer im Schwergewicht und dazu zwei sehr ausgefallene Typen.

Bekloppte eben.
Genau. (lacht)

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