Interview

ARD-Moderatorin Julia Scharf: "Neureuther hat Spaß dran, vor die Kamera zu treten"

Julia Scharf spricht in der AZ über die Berichterstattung im Corona-Winter, TV-Talent Felix Neureuther und das Starpotenzial seiner Nachfolger - sowie ihre Faszination für die Berge.
| Simon Stuhlfelner
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Die gebürtige Thüringerin moderiert für die ARD Skispringen und Ski Alpin, außerdem gehört die 39-Jährige zum Moderatoren-Team von Blickpunkt Sport im BR.
Die gebürtige Thüringerin moderiert für die ARD Skispringen und Ski Alpin, außerdem gehört die 39-Jährige zum Moderatoren-Team von Blickpunkt Sport im BR. © BrauerPhotos

AZ: Frau Scharf, wir leben in ungewöhnlichen Zeiten, auch der Weltcup der Wintersportler ist massiv von der Corona-Pandemie betroffen. Was für einen Weltcup-Winter erwarten Sie?
JULIA SCHARF: (lacht) Oh ja, das ist eine Frage, die kann momentan keiner richtig beantworten. Alle, mit denen ich spreche, Athleten, Trainer und Funktionäre, fahren auf Sicht, die können nicht wirklich planen. In Sölden ist ja der Weltcup-Auftakt der Skifahrer zumindest mal ganz gut über die Bühne gegangen. Dass keine Zuschauer dabei sind, ist wahnsinnig schade, das verändert den Sport, aber die Alternative wäre, dass es gar keine Rennen gibt - also muss man das annehmen. Bei den großen Rennen, in Kitzbühel, Schladming oder Wengen, wird das nochmal gravierender werden. Aber es hilft halt nichts. Derzeit wird die Lage in Italien wieder schlimmer, wo ja im Februar in Cortina d'Ampezzo die Ski-WM ausgetragen werden soll. Es ist für alle ein großes Fragezeichen.

Fehlende Zuschauer: Weniger Druck, aber auch weniger Flair

Befürchten Sie, dass durch die fehlenden Zuschauer der Flair verloren geht, die Atmosphäre, von der der Wintersport ja auch lebt?
Das kann man nicht wegdiskutieren, aber gerade die Wintersportler haben ja eine positive Art, damit umzugehen. Nach dem Motto: "Das ist halt so, da müssen wir jetzt durch, und hoffentlich ist es nur der eine Winter." Für die Athleten, glaube ich, ist das gar nicht so schlimm, der ein oder andere spürt vielleicht sogar weniger Druck. Aber wissen Sie, was viel schlimmer ist?

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Das sind die fehlenden Einnahmen für die Veranstalter. Da können ganze Organisationskomitees, Vereine, Veranstalter wegbrechen. Wir müssen hoffen, dass dort nicht zu viel kaputt geht.

Ex-Skifahrer Felix Neureuther als TV-Experte

Im vergangenen Jahr hat Felix Neureuther sein Debüt als TV-Experte an Ihrer Seite gegeben. Wie hat er sich gemacht?
Als Ex-Fahrer, der gerade erst seine Karriere beendet hat, ist er natürlich noch sehr nahe dran an den Athleten und Teams. Und dass er als Typ gut ankommt, das wussten wir ja. Nicht nur aus Bayern, auch aus dem restlichen Deutschland haben uns sehr positive Reaktionen erreicht. Und er hat ja Spaß dran, vor die Kamera zu treten.

Deutschlands Ski-Hoffnungen nach Rücktritt von Rebensburg und co.

Mit Neureuther, Laura Dahlmeier und Viktoria Rebensburg sind drei der bekanntesten deutschen Wintersportler in den vergangenen Jahren zurückgetreten. Wen sehen Sie, der aufgrund seines sportlichen Könnens, aber auch aufgrund seiner charakterlichen Eigenschaften und seiner medialen Fähigkeiten, diese Rolle einnehmen könnte?
Thomas Dreßen, der sich leider verletzt hat, sehe ich ganz weit vorne, mit all seinen Erfolgen, die er jetzt schon hat, dem Kitzbühel-Sieg zum Beispiel. Und er ist jemand, der die Kamera mag und der immer seine Meinung sagt. Er kommt gut an bei den Leuten und wird uns noch viele Jahre Freude machen. Bei den Frauen muss man mal schauen, aber auch da gibt es die Kira Weidle, die auch schon auf dem Podest stand. Das ist eine Gute, die sehr ehrgeizig, aber nicht zu verbissen ist. Und vergessen Sie nicht Andreas Wellinger bei den Skispringern. Für ihn war das vergangene Jahr nach seinem Kreuzbandriss schwierig, aber er ist Olympiasieger, er ist jung, und er ist ein Typ, der super ankommt.

Was macht für Sie persönlich die Faszination der Berge aus?
Da könnte ich jetzt ein ganzes Buch drüber schreiben. Die Ruhe, die Natur, die Aussicht und der Weitblick. Man sagt ja zu Recht, dass die Probleme und der Stress, die man im Alltag hat, auf dem Gipfel ganz weit weg sind. Wenn ich in den Bergen bin, kann ich einfach prima abschalten.

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Ist das auch eine Zeit, die Sie für die Familie reservieren?
Definitiv. Das ist auch ein Thema das mir sehr am Herzen liegt - Kinder haben generell immer weniger Bewegungsmöglichkeiten in ihrem Alltag. In dem Moment, wo Lockdown ist und der Schulsport gestrichen wird, wird es schwierig. Für uns als Familie ist es dann umso schöner, etwas gemeinsam zu machen. Wir sind dann immer draußen unterwegs und auf dem Berg, egal zu welcher Jahreszeit.

Wie sehen Sie das Thema Kinder und Sport: Befürchten Sie, dass die Kinder immer unbeweglicher und träger werden, weil die Sportvereine pausieren müssen?
Leider ja. Gerade kam der Kinder- und Jugensportbericht der Uni Köln heraus: 80 Prozent der Kinder bewegen sich nicht so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen, das heißt 45 Minuten am Tag. Hier reden wir noch nicht mal von Sport, sondern von Bewegung, das heißt Treppe rauf und runter gehen, zur Schule radeln. Dass man jetzt im Lockdown, bei allem Verständnis für die Maßnahmen, den Kindern noch die Sportstunden und damit die Bewegung streicht, finde ich extrem bedenklich. Und in den Sportvereinen brechen natürlich ganze Generationen weg, das ist schade.

 

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