Radsport-Legende Gustav-Adolf Schur verharmlost DDR-Dopinggeschichte

Er soll in die Hall of Fame des des deutschen Sports. Die Frage sei, "was wir denn noch vom Westdoping in Erfahrung bringen können", sagt Radsportidol Gustav-Adolf Schur - und lenkt von der DDR-Dopinggeschichte ab.
| sid
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Es ist der zweite Versuch, Täve Schur in die Hall of Fame aufzunehmen, nachdem ein erster Vorstoß im Mai 2011 gescheitert war. Damals hatte Schur von der Jury nicht die erforderliche Mehrheit bekommen.
dpa Es ist der zweite Versuch, Täve Schur in die Hall of Fame aufzunehmen, nachdem ein erster Vorstoß im Mai 2011 gescheitert war. Damals hatte Schur von der Jury nicht die erforderliche Mehrheit bekommen.

Köln - Radsportidol Gustav-Adolf Schur hat mitten in der Diskussion über seine Nominierung für die Hall of Fame des deutschen Sports die Doping-Geschichte der DDR verharmlost.

"Der DDR-Sport war nicht kriminell, sondern vorzüglich aufgebaut: Der Aufbau der sportlichen Gesundheit der Bevölkerung aus den Kindergärten heraus über den Schulsport bis hin zu den Leistungssporteinrichtungen war einmalig", sagte "Täve" Schur der Zeitung Neues Deutschland (Donnerstagausgabe). Den DDR-Sport als kriminell zu bezeichnen, sei "völliger Quatsch".

Der Sport in der DDR sei "gut" gewesen, sagte der 86-Jährige, weil er "beispielhaft den Aufbau der Gesundheit vorantrieb und dabei auch noch international erfolgreich war". Er kenne "diese Berichte" über Minderjährigendoping in der DDR, ergänzte Schur, ging aber nicht weiter darauf ein.

"Gezielte Provokation"

Stattdessen verwies er auf die Wurzeln der Dopingforschung in Westdeutschland Anfang der 50er Jahre. Die Frage sei, "was wir denn noch vom Westdoping in Erfahrung bringen können", sagte Schur. Er ergänzte: "Nur soviel: Wir hatten in der DDR keine Dopingtoten, anders als im Westen."

Er erwähnte in diesem Zusammenhang den Tod der Leichtathletin Birgit Dressel vor 30 Jahren. Die Kritik von Doping-Gegnern wie Ines Geipel, der Vorsitzenden der Doping-Opfer-Hilfe (DOH), oder Hall-of-Fame-Mitglied Henner Misersky, der als Langlauftrainer in der DDR Dopinggaben verweigert hat, an ihm und seiner Nominierung für die virtuelle Ruhmeshalle bezeichnete der einst populärste DDR-Sportler als "gezielte Provokation".

"Nominierung untragbar"

Geipel reagierte mit Fassungslosigkeit auf die Aussagen. "Schur erklärt sich für anständig, ignoriert aber ein Leben lang den Schmerz politisch Andersdenkender. Er blendet historische Wahrheiten nicht einfach aus, sondern lügt besseren Wissens. Das hat was Scheußliches, ist aber seit langem bekannt. Seine Nominierung für die Hall of Fame ist mehr denn je untragbar", sagte die DOH-Vorsitzende.

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestages und selbst Jury-Mitglied, kündigte an, Schur nicht zu wählen. "Wer keinerlei Distanz zu den erwiesenen Machenschaften des damaligen Sportsystems erkennen lässt, gehört aus meiner Sicht nicht in die Hall of Fame", sagte Freitag.

"Unangenehme Wahrheiten"

Es ist der zweite Versuch, Schur in die Hall of Fame aufzunehmen, nachdem ein erster Vorstoß im Mai 2011 gescheitert war. Damals hatte Schur von der Jury nicht die erforderliche Mehrheit bekommen. Die drei Träger der virtuellen Ruhmeshalle, die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), hatten Schur auf Initiative des DOSB zuletzt einstimmig erneut auf die Kandidatenliste gesetzt.

Die Sporthilfe begründete dies mit der Tatsache, dass "mit der Einrichtung und Weiterentwicklung der Ruhmeshalle ein Erinnerungs- und Aufklärungsprozess" in Gang gekommen sei, "der auch unangenehme Wahrheiten nicht verschweigen soll."

Die Vorschläge für die diesjährige Wahl, für die außerdem die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler sowie Sven Hannawald, Franz Keller und Lothar Matthäus nominiert wurden, seien "mit der nötigen Sorgfalt analysiert und auf Unbedenklichkeit überprüft" worden.

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