Philipp Kohlschreiber: Mr. Bodenständig

Keiner ist erfolgreicher am Aumeister als der Deutsche, der die BMW Open bereits zwei Mal gewinnen konnte. Unvergessen ist das Finale 2015 gegen Murray: „An Dramatik nicht zu überbieten“.
| Thomas Becker
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Bereits zwei Mal gewann er bei den BMW Open: Philipp Kohlschreiber.
dpa Bereits zwei Mal gewann er bei den BMW Open: Philipp Kohlschreiber.

Patrik Kühnen kann sich noch genau an das Drama erinnern: „Philipp führt 4:3 im entscheidenden Tiebreak des dritten Satzes. Dann spielt er einen richtig guten Angriffsball, doch der Andy kriegt die Rückhand irgendwie noch so cross hin, dass sie über Philipps Rückhandvolley segelt. Das war der Punkt, der den Tiebreak und damit das Match nochmal gedreht hat.“

Die Rede ist vom Vorjahresfinale der BMW Open: Philipp Kohlschreiber gegen Andy Murray, den Wimbledon-, US Open- und Olympiasieger. „Eins der besten Finals hier überhaupt“, schwärmt Kühnen, „an Dramatik nicht zu überbieten.“ Aus Kohlschreibers Sicht endet die epische Regenschlacht nach mehr als drei Stunden mit 6:7, 7:5, 6:7. Knapper geht’s kaum.

 

Kohlschreiber: "München ist mein Turnier"

 

Aber wie so oft in den Spielen gegen die ganz Großen fehlten nur ein paar Bälle. Die Bälle, die den Unterschied machen zwischen Weltklasse und absoluter Weltklasse. Philipp Kohlschreiber ist der erfolgreichste Spieler der BMW Open, die am Samstag beginnen. Zehn Mal angetreten, zweimal gewonnen, zweimal erst im Endspiel verloren. 24 Siege in 33 Matches. „München ist mein Turnier“, sagte der Local Hero im Vorjahr.

Lesen Sie hier: Aufschlag am Aumeister: Die Favoriten im AZ-Check

Am 30. April 2002 hatte er am Aumeisterweg seinen ersten Auftritt. Als 18-Jähriger spielte er in der 1. Herrenmannschaft des MTTC Iphitos, war Nummer 439 der Welt und bekam für die BMW Open eine Wildcard: seine erste Teilnahme einem großen ATP-Turnier. Es ging gegen Nicolas Lapentti, damals die Nummer 21. Kohlschreiber spielte grandios – und verlor 6:4, 4:6, 5:7.

Sensation verpasst. Schon mit 14 war er von Augsburg nach Oberhaching gezogen: als Gründungsmitglied der neu geschaffenen Tennis-Base des Bayerischen Tennisverbandes. Sehr viele Jahre sollte er dort zubringen, zwischendrin mal einen anderen, eigenen Weg gehen, wieder zurückkommen. Ein Musterschüler war er in den frühen Jahren nicht, eher ein schlampiges Talent. Doch mit dem Alter kommt ja die Weisheit. Heute ist Kohlschreiber einer der fittesten Spieler auf der Tour. Seit zwei Jahren ist er mit dem Ex-Regionalligaspieler Stefan Fehske unterwegs, der für Iphitos in der Herren-30-Bundesliga aufschlägt und für Kohlschreiber sowohl Trainer als auch Manager ist.

 

Kohlschreiber ist dran an der Weltspitze

 

Die Verbundenheit zu dem Turnier am Aumeisterweg rührt auch von seinem ersten ATP-Turniersieg her: 2007 empfing er auf dem Platz M – so heißt beim Iphitos der Centre Court – den Siegerpokal aus der Hand von Ministerpräsident Edmund Stoiber, als erster Deutscher seit Michael Stich, anno domini 1994. Überglücklich meinte er: „Es gibt keinen besseren Ort, um all die in mich gesteckten Investitionen zurückzuzahlen.“ Gefeiert wurde nicht im P1, sondern im Forsthaus Wörnbrunn.

Schön bodenständig. So ist er, der Philipp. In der Oberhachinger Tennis-Base gab’s dafür einen eigenen Parkplatz direkt vorm Eingang – ein Geschenk genau nach dem Geschmack des bekennenden Auto-Fans Kohlschreiber.

Fast neun Millionen Dollar Preisgeld hat er bislang schon verdient, er war im Juli 2012 mal die Nummer 16 der Welt. Für die Top Ten hat es nicht gelangt – bis jetzt. Patrik Kühnen sagt: „Philipp hatte bei den großen Turnieren zuletzt Pech in den Auslosungen, hatte oft Top-Ten-Gegner. Aber seine Zeit kommt ja jetzt erst: auf Sand. In Rom, Madrid und Paris kann er Punkte gut und in der Weltrangliste noch mal einen Satz machen.“ Dran an der Weltspitze ist er: In Indian Wells bot er Novak Djokovic einen fantastischen Kampf – und verlor am Ende knapp mit 5:7, 5:7.

„Wenn einer das Turnier richtig gut kennt, dann der Philipp“, sagt Kühnen, „er hat hier immer gut gespielt, fühlt sich wohl, weil ihm auch die Verhältnisse liegen. Er spielt ja mit extrem viel Spin, und durch die Höhenlage hier springt der Ball noch schneller weg. Philipp ist den großen Spielern immer gefährlich, weil er sehr solide und schnell ist und mit seinen Grundschlägen viel Druck machen kann. Der Kohli gehört hier immer zum Favoritenkreis.“

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