Papa Petkovic leidet und klagt: "Die reinste Hölle"

Andrea Petkovic spielt trotz Knieverletzung bei den US Open und gegen den Rat ihres Vaters. Der sagt: „Ich bete dauernd, dass nichts passiert”
| Jörg Allmeroth
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Andrea spielt gegen den Rat ihres Vaters. Der sagt: „Ich bete dauernd, dass nichts passiert”

AZ: Herr Petkovic, beschreiben Sie doch einmal, wie Sie die US-Open-Mission Ihrer Tochter erleben, hier in New York 2011.

ZORAN PETKOVIC: Sagen wir es so: Am liebsten wäre es mir, wenn wir alle gar nicht mehr hier wären. Andrea, meine Frau und ich. Ich hatte eine klare Meinung: Dieser Start hier ist wegen der Verletzung am Meniskus einfach gefährlich. Und riskant.

Und warum hört Ihre Tochter nicht mehr auf den wichtigsten Ratgeber, den Vater und langjährigen Trainer?

Sie ist eine erwachsene junge Frau. Sie hat eine eigene Sicht der Dinge. Und das muss ich akzeptieren. Es ist ganz klar: Sie will ihren Willen durchsetzen, und zwar gegen alle aus ihrem Umfeld. Auch Barbara Rittner war ja dagegen, dass sie hier weitermacht. Speziell, nachdem sie im Spiel gegen Zheng klagte und auch mal jammerte – und dann trotzdem nicht aufgab. Wir haben ihr signalisiert: Mach’ Schluss. Aber sie machte weiter.

Auf der Zuschauertribüne wirken Sie dieser Tage wie ein Häuflein Elend.

Ich bin schon das ein oder andere Mal geflüchtet, weil meine Nerven das nicht mehr aushielten. Aber auch, weil ich Andrea nicht mit meiner grimmigen Ausstrahlung belasten wollte. Ich habe einige Spiele minutenlang nur mit geschlossenen Augen verfolgt, da kann nichts passieren. Da muss ich weniger leiden. Zuletzt ging es etwas besser, auch weil Andrea weniger Probleme hatte mit dem Meniskus.

Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie nun die Spiele beobachten?

Ich kann nicht viel denken. Ich bete nur dauernd, dass nichts passiert. Man geht durch die reinste Hölle. Ein Tennisturnier wie das hier, das habe ich noch nie erlebt. Und das möchte ich auch nicht noch mal erleben. Da bleibe ich dann besser zu Hause.

Sie haben in Wimbledon schon einmal beklagt, dass Andrea sich unter einen zu großen Erfolgsdruck setzt. Hat dieser Start – sozusagen gegen den Willen der Restwelt – auch damit zu tun?

Ich befürchte es schon ein wenig. Dabei ist dieses Turnier hier und jetzt im Grunde unwichtig – wenn man sich einmal die ganze Karriere eines Profis anschaut. Sie kann hier noch viele, viele Jahre spielen und Siege feiern. Aber eben nur, wenn sie sich ihren Körper nicht ruiniert und ein vernünftiges Maß findet.
Ihre Tochter sagte, sie wolle sich eben auch unbedingt für das Masters-Turnier qualifizieren, das Saisonfinale der besten Acht.

Geht die Welt unter, wenn sie nicht dabei ist? Doch sicher nicht. Dann fährt sie eben nächstes Jahr zur WM. Sie hat ja das Potenzial und die Klasse, um sich für Jahre in der Spitze festzusetzen und dort zu stabilisieren.
Hier in New York begann im vorigen Jahr der Aufstieg von Andrea. Wie ist die Entwicklung seitdem verlaufen, aus Ihrer Nahsicht?

Wir haben nicht mit dieser enormen Beschleunigung gerechnet, und damit meine ich Andrea und mich. Aber der Zug hat irgendwann so richtig Fahrt aufgenommen, wurde zu einem Express und war nicht mehr zu stoppen. Jetzt strahlt sie wirklich schon das Selbstbewusstsein einer Spielerin aus, die zu den Besten gehört, die sich sicher fühlt in diesem Spitzenrevier. So richtig böse Ausrutscher gegen Spielerinnen, die hinter ihr stehen in der Weltrangliste, leistet sie sich nicht mehr. Da ist schon ein großes Maß an Stabilität und Solidität drin.

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