Micky Beisenherz: Fußball ist wie Sex

Samstagabend ist es soweit, in der Bundesliga trifft der FC Bayern München auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Einer der diesem Spiel entgegen fiebert, ist TV-Moderator Micky Beisenherz.
| Thomas Becker
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Kicker aus Leidenschaft: Micky Beisenherz (l.) mit Songwriter und Moderator Olli Schulz.
imago/Michael Wigglesworth Kicker aus Leidenschaft: Micky Beisenherz (l.) mit Songwriter und Moderator Olli Schulz.

München - Der 42-jährige Beisenherz ist TV- und Hörfunkmoderator. Er arbeitet unter anderem als Autor für die RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Beisenherz ist Borussia-Dortmund-Anhänger. Im Gespräch mit der AZ spricht er über den "German clásico", die Meisterfrage und eigene Fußballkünste.

AZ: Herr Beisenherz, erst mal die wichtigen Dinge: Wo, mit wem und bei welchem Bier werden Sie am Samstagabend das Spiel verfolgen?
MICKY BEISENHERZ: Mit bayerischem Bier! In der Arena, in der Telekom-Lounge. Ich mach’ das wie Reinhard Grindel: Lass mich einfach einladen.

Mit Fanschal um den Hals?
Wohl nicht. Aber man weiß ja um meine Gesinnung. Und die mich nicht kennen: Alles an mir schreit Ruhrgebiet. Deswegen wissen die gleich, mit wem sie’s zu tun haben.

Beisenherz: "Nach dem 0:6 war meine Stimmung eher mäßig"

Was war der letzte "German clásico", der bleibenden Eindruck hinterlassen hat?
Vor einem Jahr ist meine Borussia 0:6 untergegangen – danach war meine Stimmung dann eher so mäßig. Aber jetzt gehen wir ja unter anderen Vorzeichen in dieses Spiel, unter anderem als Tabellenführer.

Das führt uns unmittelbar zur nächsten Kernfrage: Wie geht’s aus am Samstag?
Das lässt sich seriös nicht voraussagen – aber für Seriosität bin ich eh nicht bekannt. Insofern sage ich 3:1 für Dortmund.

Hossa.
Naja, es ist für Dortmund sicher nicht ganz unvorteilhaft, dass die Bayern qua Tabellensituation kommen müssen. Der BVB hat sich grundsätzlich immer leichter getan gegen Teams, die offensiv gespielt haben. Von daher stimmt mich das hoffnungsvoll. Andererseits: Die individuelle Klasse der Offensivabteilungen lässt grundsätzlich jedes Ergebnis zu.

Beisenherz: "Es bleibt bis zum letzten Spieltag spannend"

Was schon beim 5:4 der Bayern im Pokal gegen Heidenheim zu sehen war...
Absolut. Wobei das wieder eine Sache der Defensivabteilungen war. Auch die sorgen ja immer wieder für Überraschungen.

Nun die Meisterfrage: Wenn Dortmund gewinnt, wird der BVB auch Meister, korrekt?
Würde ich so nicht sagen. Ich bin nicht der Auffassung, dass das Spiel am Samstag den Titelkampf entscheidet. Die Meisterschaften entscheiden dann eher so Partien wie gegen Mainz. Es waren letzten Endes sowohl für Bayern als auch für Dortmund eher die Partien gegen kleine Teams, bei denen sie Punkte gelassen haben. Um es kurz zu sagen: Die Defensive der Bayern ist tendenziell ein bisschen zu alt und unmotiviert, während die Defensive der Dortmunder ein bisschen zu jung und übermotiviert ist. Deshalb bleibt es bis zum letzten Spieltag spannend.

Aber am Ende rechnet der BVB-Fan doch mit einem schwarzgelben Meister?
Klar, ein letztes Mal für die nächsten zig Jahre steht dann mal ein anderes Team als die Bayern ganz oben.

Beisenherz: "Was in Frankfurt passiert, finde ich toll"

Seit wann sind Sie BVB-Fan?
Seitdem ich mich richtig für Fußball interessiere. Es gibt noch zwei, drei Vereine, mit denen ich sympathisiere: Mönchengladbach zum Beispiel, weil man Vater und mein Bruder immer Erz-Gladbach-Fans gewesen sind – bevor mein Vater Anfang der 90er rübergemacht hat zu Dortmund.

Ui. Sowas geht?
Irgendwie schon.

Ist ja auch Borussia.
Eben. Die Vereine vertragen sich ganz gut miteinander. Ich kann auch die Entwicklung anderer Vereine sehr genießen. Was in Frankfurt passiert, finde ich toll, auch Werder Bremen mag ich sehr. Und wenn ich auch wirklich alles andere als ein Fan der Bayern bin, kann ich das, was der Verein richtig macht, auch neidlos anerkennen und die strategisch guten Dinge, die sie machen, ebenfalls sehen. Andererseits sehe ich auch so Dinge wie diese Pressekonferenz und komme dann auch nicht umhin, den Kopf zu schütteln. Aber wenn der FC Bayern doch Meister werden sollte, bin ich der Letzte, der ihnen deshalb einen Vorwurf machen würde.

Beisenherz: "Fußball ist wie Sex: Man muss es nicht gut können, um Spaß dran zu haben"

Wie oft sind Sie im Stadion?
Selten, im Schnitt zwei, drei Mal pro Saison. Ich wohne in Hamburg fast gegenüber vom St.-Pauli-Stadion, meine dreijährige Tochter kann schon "St.Pauli, St. Pauli" singen – das ist aber auch okay. Diese Vereine passen ganz gut zusammen. Das ist in Ordnung. Ich glaube, HSV-Fan wird sie nicht. Das muss wirklich nicht sein. Misswirtschaft erlebt sie im eigenen Hause schon genug.

Wie steht’s ums selber Kicken?
Gerne und nach Möglichkeit viel. Bis vor ein paar Jahren habe ich fünf Mal die Woche gespielt, aber das kriege ich zeitlich nicht mehr hin. Aber so zwei Mal ist noch zu schaffen.

Haben Sie im Verein gespielt?
Auf allerallerunterstem Level, Kreisliga, als Jugendlicher und in meinen Zwanzigern. Aber ich spiele nach wie vor leidenschaftlich gerne. Fußball ist wie Sex: Man muss es nicht gut können, um Spaß dran zu haben. Jeder, der mich spielen gesehen hat, wird das bestätigen.

Beisenherz: "Mich hätte der HSV für zehn Millionen gekauft!"

Welche Position?
Ich habe mich irgendwann mit mir selbst darauf verständigt, in den meisten Mannschaften hinten rechts zu spielen, weil das den Vorteil hat, dass man sich immer noch in die Offensive einschalten kann – man muss sich nur ranhalten, dass man rechtzeitig zurück ist. Aber das kriege ich hin, ich bin noch einigermaßen schnell und habe eine ganz gute Kondition. Verteidigung will ja niemand spielen.

Wie hieß denn nun Ihr Verein?
Adler Rauxel, bei mir daheim in Castrop-Rauxel – und so ist der Verein auch aufgetreten: ganz mies. Der Verein ist mittlerweile aufgelöst worden, was allerdings nichts mit mir zu tun hat. Ich bin sehr spät ins Vereinsleben eingestiegen, mit 19 oder 20, und habe dadurch geglänzt, dass ich in den ersten vier Spielen je ein Tor gemacht habe und dadurch schnell in die erste Mannschaft aufgestiegen bin – danach habe ich allerdings nie wieder getroffen. Zum Thema Überschätzung nur so viel: Mich hätte der HSV für zehn Millionen gekauft!

Lesen Sie hier: FC Bayern gegen Dortmund - Da scheppert's gerne mal

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