„Glücksfall Katarina“

Die Münchner Charmeoffensive in Vancouver: Willy Bogner wirft sich in Schale, OB Ude leistet sich einen Fauxpas – und Ex-Eiskunstläuferin Witt erobert die Herzen beim Werben um die Spiele 2018
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Florian Kinast
Mike Schmalz Florian Kinast

Die Münchner Charmeoffensive in Vancouver: Willy Bogner wirft sich in Schale, OB Ude leistet sich einen Fauxpas – und Ex-Eiskunstläuferin Witt erobert die Herzen beim Werben um die Spiele 2018

VANCOUVER Willy Bogner trug nicht einen seiner bunten Anoraks, sondern einen schwarzen Anzug, ein hellblaues Hemd und eine silberne Krawatte. Denn im Raum „Quadra“ des Pressezentrums von Vancouver sprach Bogner diesmal als Bewerbungschef für Münchens Olympia-Traum. „Hello“, sagte er zur Begrüßung Begrüßung, „I am Willy Bogner, CEO of the bidding comittee for Munich 2018.“

Was folgte, war eine halbstündige Charmeoffensive, und das lag nicht nur an Bogner, dem Chief Executive Officer, sondern vor allem an Katarina Witt, der einzigen Frau neben den fünf Männern am Podium.

Schon seit Freitag hatte sich das bayerische 2018-Komitee im Deutschen Hauses präsentiert, nun ging es an die Weltöffentlichkeit. Um den internationalen Journalisten zu sagen, was München plant für Olympia in acht Jahren.

Zehn Minuten sprach Bogner, dass er „the olympic flame“, das Feuer, schon das ganze Leben in seinem Herzen trage und den Olympischen Spielen „something back“, etwas zurückgeben möchte. Dann, nachdem er vom Blatt vor sich referiert hatte, verwies er auf Katarina Witt zu seiner Linken, die Kuratoriumschefin für 2018. „Ihre Ausführungen werden Ihnen sicher mehr Spaß machen als meine“, sagte er launig – und er hatte Recht. Mit strengem Seitenscheitel, aber bestens gestylt, sprach Katarina Witt frei in perfektem Englisch. Und sie wusste, was die überwiegend kanadischen Reporter hören wollten. Sie dankte höflich für die Gastfreundschaft, gratulierte zur gelungenen Eröffnungsfeier und zur ersten kanadischen Goldmedaille tags zuvor durch Alexandre Bilodeau auf der Buckelpiste. Dass Wintersport in den Genen, „in the DNA“, der Deutschen sei, sagte sie, und wie sie sich vorstelle, dass jetzt „many boys and girls“, viele Jugendliche zu Hause am Bildschirm die Spiele von Vancouver verfolgen und davon träumen, 2018 auch dabei zu sein. Am besten in München.

Deren Leidenschaft gelte es nun zu entzünden. „Let's fire up their passion!“ Witt sprach viel kürzer als Bogner, aber sie traf den Nerv der Reporter. Auch den von Arpad Szoczi, einem Journalisten aus Toronto. „Katarina ist ein Glücksfall“, sagte er bei der Pressekonferenz zur AZ, „hier in Kanada hat sie ein Heimspiel. Seit sie 1988 in Calgary Gold gewann, gehört sie zu den drei bekanntesten Deutschen: Franz Beckenbauer, Boris Becker, Katarina Witt, das ist alles ein Niveau.“ Mit einem Unterschied zu Beckenbauer und Becker: „Jeder zweite Mann in Kanada würde sie sofort vom Fleck weg heiraten – auch heute noch“, meinte der Reporter.

Vor allem unter deutschen Reportern gab es dann ein Raunen, als Christian Ude sprach. Nicht weil er den Olympiapark mit seinen „big events“ als einen der erfolgreichsten Sportparks „on this planet“ nannte. Sondern beim Hinweis auf das „famous Oktoberfest“, bei dem es noch nie einen „major security incident“ gegeben habe, einen größeren Zwischenfall. Dabei hat die Wiesn in diesem Jahr nicht nur 200. Geburtstag, sondern es jährt sich auch das Attentat mit 13 Toten zum 30. Mal. Fragen zu einem anderen Attentat gab es dann auch von einem US-Reporter. Zum Olympia-Attentat von 1972, worauf Innenminister Thomas de Maiziére klarmachte: „Geschichte wiederholt sich nicht.“ Hoffentlich.

Und am Schluss, nachdem Kultusminister Siegfried Schneider noch „Bavarias strong economy“ pries, gab es doch noch Heiterkeit. Ein Journalist der „Vancouver Sun“ wollte wissen, ob Garmisch nicht zu weit weg sei von München. Da kam er bei DOSB-Boss Thomas Bach an den Richtigen. Das sei nur eine Stunde weg, meinte Bach, und bei der „German Autobahn without speedlimit“ sogar noch schneller zu erreichen. Aber einen "Fast Train“, einen Schnellzug gebe es auch, sagte Willy Bogner noch. Schließlich sollen es ja grüne Spiele werden.

Nach einer halben Stunde war der Termin dann vorbei, dann machten sich Bogner, Witt & Co. auf zu den nächsten Gesprächen mit IOC-Mitgliedern. Denn jetzt müssen sie in der Bewerbung so unterwegs sein wie Bach auf der A95. Mit Vollgas.

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