„Für so wenig Geld habe ich noch nie gespielt!“

Wie Niki Pilic einst Becker, Agassi, Edberg, McEnroe und Borg zu den BMW Open lotste - und warum er im Finale gegen Ion Tiriac verlor  
| Thomas Becker
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1998: Für Pilic trägt Welt-Star André Agassi sogar Tracht - und hat auch noch Spaß dabei.
imago 1998: Für Pilic trägt Welt-Star André Agassi sogar Tracht - und hat auch noch Spaß dabei.

Wie Niki Pilic einst Becker, Agassi, Edberg, McEnroe und Borg zu den BMW Open lotste - und warum er im Finale gegen Ion Tiriac verlor.

AZ: Herr Pilic, vor einem Jahr sind Sie nach Kroatien zurückgekehrt und stehen dort in Opatija mit 75 immer noch auf dem Platz. Wie oft sind Sie noch in Deutschland?

NIKI PILIC: Ich habe noch ein bisschen Kontakt mit dem Deutschen Tennisbund, war beim Davis-Cup-Match gegen Frankreich dabei und werde auch im September da sein, wenn es gegen den Abstieg aus der Weltgruppe geht. In Opatija habe ich ein paar talentierte Leute, mit denen ich trainiere. Ich bin zufrieden. Opatija ist eine schöne Stadt, mit großer Tradition, erbaut von der K.und.k-Monarchie, am Meer, und meiner Frau gefällt’s auch.

Am Wochenende beginnen die 100. Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern, die BMW Open – ein Turnier, das Sie sehr gut kennen. Erinner Sie sich an Ihr erstes Spiel?

Das ist bestimmt schon 50 Jahre. Das Stadion samt Center Court war noch nicht fertig, eine Halle gab’s noch nicht. Es war aber immer ein sehr schönes, familiäres Turnier.

Wie erfolgreich waren Sie?

Im Doppel habe ich mal gewonnen. 1973 musste ich fünf Sätze gegen Ilie Nastase spielen: samstags vier Stunden und am Sonntag den fünften Satz, nochmal eineinhalb Stunden. Nach einer halben Stunde Pause hab’ ich dann Finale gegen Ion Tiriac gespielt. Den ersten Satz noch gewonnen, dann aber in vier Sätzen verloren.

Drei Gewinnsätze?

Ja, das Fernsehen war da, zum ersten Mal! Ich musste unbedingt spielen, war aber todmüde. Sonst verliere ich nicht gegen Tiriac.

Von 1991 bis 2001 waren Sie Turnierdirektor.

Ich habe viele gute Leute verpflichten können – was damals leichter war. In den letzten Jahren war das Feld auch gut, aber einen Top-5-Spieler zu bekommen, ist heute für so ein Turnier fast unmöglich. Da geht’s um zu viel Geld, selbst mit einer Firma wie BMW im Rücken.

Wen haben Sie zum Iphitos gelotst?

Becker, Stich, Agassi, McEnroe, Edberg, Noah, Lendl, auch Björn Borg. Sehr viele.

Wie teuer waren die Herren?

Ich nenne keine Summe, aber Agassi sagte zu mir: „Niki, für so wenig Geld habe ich seit zwei Jahren nicht gespielt.“ Ich habe für alle Top-Spieler immer für sehr gute Preise bekommen – weil ich jede Woche in den Umkleidekabinen mit ihnen gesprochen habe. Oft habe ich ein paar Hunderttausend Dollar von meinem Etat wieder an BMW zurück gegeben. Damals ging das noch.

1992, zum 100-jährigen Bestehen des MTTC Iphitos, hatten Sie Björn Borg verpflichtet...

Er war nicht in guter Form, aber es kamen über 6000 Leute! Das war eine Attraktion! Die Polizei musste den Zugang zur Anlage sperren. Borg verlor glatt gegen Goran Prpic, spielte noch mit seinem Holzschläger. Ein paar Jahre später hat er viel besser gespielt – da hatte er endlich mal den Schläger gewechselt.

Mit Andy Murray, Gael Monfils, Roberto Bautista Agut, David Goffin, Fabio Fognini, Ivo Karlovic ist das Turnier heuer gut besetzt. Ihr Favorit?

Monfils.

Werden Sie zuschauen?

Ich bin ja Ehrenmitglied von Iphitos, weiß aber nicht, ob ich kommen kann. Derzeit trainiert Djordie, der jüngste Bruder von Novak Djokovic, bei mir. Mit ihm bin ich in der Woche auf einem Turnier.

Sie würden Tommy Haas treffen. Nach der vierten Schulter-OP arbeitet er am Comeback. Wird das nochmal was?

Er ist ein sehr guter Spieler. Ich muss ihm gratulieren, dass er mit 37 nach all den Operationen immer wieder zurückkommt. Er ist einfach ein richtiger Sportler. Ich habe ihm mal erzählt, dass ich mit fast 35 in Paris noch ein Grand-Slam-Finale gespielt habe und dass er so lange spielen soll, wie er kann: Es gibt nichts Besseres, was du tun kannst. Nach so einer Verletzung ist das nicht einfach. Er hat viele Weltranglistenpunkte verloren, dürfte aber überall eine Wildcard bekommen. Er muss selbst wissen, ob das nochmal klappt.

Auch Philipp Kohlschreiber geht an den Start. Mit ihm arbeiten Sie im Davis-Cup-Team zusammen.

Ich muss ihm ein Kompliment machen. Am Montag vor dem Match gegen Frankreich war er krank. Ich habe ihm gesagt, dass er wichtig für uns ist, dass er alles tun soll, dass er am Freitag und Sonntag spielen kann – und er hat gespielt. Ich weiß nicht, warum manche ihn für schwierig halten. Ich habe null Schwierigkeiten mit ihm und Michael Kohlmann auch nicht. Als zweifacher Sieger und Lokalmatador ist er sehr wichtig für das Turnier.

Auch bei Boris Becker läuft es sehr gut. Viele waren skeptisch, ob er der richtige Coach für Novak Djokovic ist...

Warum skeptisch? Das ist doch wieder so eine Mediengeschichte! Boris hat mir gesagt: ‘Ich will, dass Novak die Nummer eins ist und Wimbledon gewinnt.’ Genau das hat er geschafft. Ich denke, dass das ein sehr guter Job für Boris ist. Für Novak ist es auch gut, denn mit Boris hat das Ganze etwas mehr Gewicht.

Wird Djokovic noch besser als er sowieso schon ist?

Zwei Leute wissen mehr als einer. Boris war immer ein sehr cleverer Spieler – das wird er an Novak weitergeben.

Als Davis-Cup-Chef Carsten Arriens abgelöst wurde, fiel auch der Name Becker als möglicher Nachfolger...

Nein, er hatte keinen richtigen Willen, diese Aufgabe zu übernehmen. Er hat das vor ein paar Jahren mal kurz gemacht, aber jetzt hat er seinen Job mit Djokovic. Das reicht.

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