Angelique Kerber mit dem Mut der Verzweiflung im Achtelfinale von Wimbledon

Der nächste sportliche Tiefpunkt nahm bedrohliche Formen an, da packte Angelique Kerber der Mut der Verzweiflung. 4:6, 2:4 und 30:40 lag die Weltranglistenerste gegen Shelby Rogers zurück - dann leitete sie die Wende ein.  
| sid/dpa
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Die weinerliche Angelique Kerber der ersten zwei Matches wandelte sich zur Kämpferin.
dpa Die weinerliche Angelique Kerber der ersten zwei Matches wandelte sich zur Kämpferin.

Der nächste sportliche Tiefpunkt nahm bedrohliche Formen an, da packte Angelique Kerber der Mut der Verzweiflung. 4:6, 2:4 und 30:40 lag die Weltranglistenerste gegen Shelby Rogers zurück - dann leitete sie die Wende ein.

London - Nach einem Kraftakt über drei Sätze und einer beeindruckenden Aufholjagd ist Angelique Kerber in Wimbledon in das Achtelfinale eingezogen. Die Weltranglisten-Erste gewann am Samstag gegen die Amerikanerin Shelby Rogers 4:6, 7:6 (7:2), 6:4 und erreichte als einzige deutsche Tennisspielerin die Runde der besten 16.

Die 29 Jahre alte Kielerin drehte die Partie nach einem 0:1-Satzrückstand und einem Zwischenstand von 2:4, 0:30 im zweiten Durchgang und verwandelte nach 2:17 Stunden ihren zweiten Matchball. Als der Return ihrer Gegnerin im Aus landete, feierte sich Kerber mit einem lauten "Come on" und schickte eine Kusshand in Richtung Zuschauertribüne.

Im Achtelfinale des Grand-Slam-Turniers in London wartet nun allerdings eine äußerst heikle Aufgabe auf die Vorjahresfinalistin. Kerber trifft auf die Spanierin Garbiñe Muguruza. Gegen die French-Open-Siegerin von 2016 und Wimbledon-Finalistin von 2015 hat Kerber die vergangenen vier Partien allesamt verloren.

Geduldsprobe vor Beginn

Im direkten Vergleich liegt sie 3:4 zurück. Doch nach ihrer bislang so enttäuschenden Saison mit dem French-Open-Aus in Runde eins als Tiefpunkt vor sechs Wochen kann schon der Achtelfinal-Einzug beim bedeutendsten Turnier im Tennis-Zirkus als kleiner Erfolg und Hoffnung auf eine Wende zum Besseren gewertet werden.

"Es ist wichtig, dass die Handbremse, die immer noch sitzt, sich doch mal hier und da löst", hatte Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Match gegen Rogers gesagt. Dabei war Kerbers Vorbereitung auf die Partie alles andere als ideal. Das Spiel zwischen dem Franzosen Jo-Wilfried Tsonga und Sam Querrey aus den USA war am späten Freitagabend wegen Dunkelheit abgebrochen worden und wurde am Samstag auf Court 2 beim Stand von 6:5 im vierten Satz für Querrey und Aufschlag Tsonga fortgesetzt.

Kerber musste sich also bereithalten - in dem Wissen, dass es in wenigen Minuten oder auch erst in einer Stunde losgehen könnte. Es wurden vier Minuten, dann gelang Querrey das Break und der Einzug in das Achtelfinale. Als "gefährliche junge Amerikanerin" hatte Rittner die 24-Jährige aus Mount Pleasant im US-Bundesstaat South Carolina bezeichnet.

Rogers ohne Respekt

"Der Schlüssel war, dass ich nach jedem Ball gerannt bin und nie aufgegeben habe", sagte Kerber nach dem hart erkämpftenErfolg. "Vielleicht", fügte die Vorjahresfinalistin hinzu, "ist das der Wendepunkt. Wir werden sehen. Auf jeden Fall war das ein wirklich wichtiger Sieg."

4:6, 2:4 und 30:40 hatte Kerber im Duell mit der Weltranglisten-70. bereits in Rückstand gelegen, es drohte der nächste Tiefpunkt in einem Jahr voller sportlicher Rückschläge. Doch Kerber ließ nicht locker, sie packte der Trotz, hielt ihren Aufschlag und erkämpfte sich im Spiel darauf mit einer Energieleistung, die an bessere Tage erinnerte, einen Breakball.

"Das war der Punkt, der das Match gedreht hat", sagte Kerber später, auch wenn sie sich im entscheidenden Satz erneut durch ein Wellental kämpfen musste. Taktisch hatte sie zwar eine Menge Fehlentscheidungen getroffen, die nicht austrainierte Rogers zu selten in Bewegung gebracht, doch immerhin stimmten Einstellung, Körpersprache und Nervenstärke.

Beim 5:4 im dritten Durchgang ließ sie Rogers nicht mehr zurückkommen. Mit dem Rücken zur Wand hatte Kerber in der Vergangenheit oft ihre besten Matches absolviert, im letzten Jahr schaffte sie es mehr und mehr, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden.

So triumphierte sie bei den Grand-Slam-Turnieren in Melbourne und New York, lieferte im Rasenmekka an der Londoner Church Road der großen Serena Williams ein Match auf Augenhöhe und gewann in Rio die olympische Silbermedaille.

Von solchen Erfolgen ist sie in dieser Saison weit entfernt, aber immerhin hat sie in Wimbledon nun drei Matches nacheinander für sich entschieden. Das war ihr zuletzt beim Turnier im mexikanischen Monterrey vor drei Monaten gelungen. Es war Kerbers bislang einziger Finaleinzug im Jahr 2017.

Lesen Sie hier: Auch Murray schimpft auf Wimbledon-Rasen

Ganz in Weiß - Oh wie schön ist Wimbledon!

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