Christian Neureuther: Dreßen kann dem Sport mehr geben als Erfolge

Garmisch-Partenkirchen bewirbt sich um die Ski-WM 2025. In der AZ spricht Christian Neureuther über die Bedeutung für den Ort, die "Hammer-Abfahrt" Kandahar und Deutschlands besten Alpinen Thomas Dreßen.
| Interview: Thomas Becker
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Christian Neureuther: "Die Menschen wollen einen Ort, der nicht komplett im Disney-Stil verbaut ist."
imago images/Future Image Christian Neureuther: "Die Menschen wollen einen Ort, der nicht komplett im Disney-Stil verbaut ist."

Der ehemalige Slalom-Spezialist Christian Neureuther (70) wurde 1978 bei seiner Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen Sechster. Später war der Gatte von Rosi Mittermaier für die ARD als Kommentator tätig.

AZ: Herr Neureuther, Garmisch-Partenkirchen hat sich für die Austragung der Ski-WM 2025 beworben. Es wäre Ihre dritte Heim-Weltmeisterschaft: 1978 wurden Sie Sechster im Slalom, 2011 tat sich Ihr Sohn Felix eher schwer, und für die Enkel kommt 2025 noch zu früh. Was halten Sie von der Bewerbung?
CHRISTIAN NEUREUTHER: Das ist eine Bewerbung des Ski-Clubs Garmisch. Ich kann dazu nur sagen, dass wir hoffen, die WM zu bekommen. Ich weiß allerdings nicht, wie die Chancen stehen und wer sich noch bewirbt (Saalbach-Hinterglemm in Österreich und Crans Montana in der Schweiz, d.Red.). Ich bin in keinem Gremium vertreten. Es geht ja auch nicht um uns, aber was mich schon wundert: dass man den Felix als einen auch international so beliebten Sportler nicht einbindet.

Wie nötig hat Garmisch diese WM?
2011 hatte ja für einen gewaltigen Schub gesorgt. Das war ein Meilenstein für Garmisch-Partenkirchen, allein was den Ausbau der Skipisten betrifft. Die ganze Bevölkerung stand dahinter. Wir hatten zudem das Glück, dass gleichzeitig eine Olympia-Bewerbung lief, wodurch auch der politische Fokus extrem war. Wir hatten eine grandiose Eröffnungsfeier, die mit das Schönste war: olympisches Flair und ein kulturelles Rahmenprogramm, was so ein Event einfach auch braucht. Rosi und ich hatten dafür eine Münze bei Finanzminister Peer Steinbrück besorgt.

Christian Neureuther: "Die Menschen wollen einen Ort, der nicht komplett im Disney-Stil verbaut ist."
Christian Neureuther: "Die Menschen wollen einen Ort, der nicht komplett im Disney-Stil verbaut ist." © imago images/Future Image

Christian Neureuther: "Man muss niemandem etwas überstülpen"

Von der Modernisierung der Ski-Anlagen zehrt der Ort noch heute.
Wir konnten eine zweite Kandahar bauen, den Kandahar-Express, das ganze Skigebiet aufhübschen und auf den neuesten Stand bringen. Ohne eine WM wäre es nie möglich gewesen, die Genehmigungen zu bekommen. Eine WM ist auch ein Großereignis, das der Ort aushält, bei dem die Leute dahinter stehen – das war bei Olympia nicht der Fall, wie wir erlebt haben. Man muss niemandem etwas überstülpen. Es ist auch so viel vorhanden, Stichwort Nachhaltigkeit. Wir können auf so viel zurückgreifen, ohne groß in die Fläche gehen zu müssen. Insofern wünscht sich unsere Familie nichts mehr als so eine WM im Ort. In Deutschland gibt es keinen anderen Ort, der den alpinen Skisport so geprägt hat wie Garmisch-Partenkirchen mit seiner Hammer-Abfahrt, der einzigen weltcuptauglichen Abfahrt in Deutschland.

Der touristischen Infrastruktur des Ortes würde die WM auch nicht schaden...
Wir haben jetzt einige Hotels dazubekommen. Speziell der Sommer-Tourismus hat einen Boom erlebt – weil die Menschen hier noch eine unverfälschte Natur erleben. Das ist der Trend der Zukunft: Die Menschen wollen einen Ort, der nicht komplett im Disney-Stil verbaut ist.

Christian Neureuther über die Nachwuchsrekrutierung 

Für den Ski-Nachwuchs wäre eine WM im eigenen Land auch ein Ansporn.
Natürlich wird auch von Seiten eines Verbandes in die Nachwuchsarbeit eines WM-Modells mehr investiert als sonst, weil man bei einer Heim-WM gut da stehen will. Insofern brauchen wir das gerade dringend, weil wir merken, dass eine Viktoria Rebensburg dann nicht mehr dabei sein wird. Alpiner Skirennsport ist in Sachen Nachwuchsrekrutierung extrem schwierig geworden. Die Aktiven fahren mit 36, 37 Jahren immer noch und machen gerade in den Speed-Disziplinen vorne alles dicht. Aber wenn man sieht, was in den Technik-Disziplinen an jungen Leuten nachkommt! Norweger, Schweizer, Franzosen: Die haben eine Dichte – da haben wir Nachholbedarf! Richtige Kapazunder haben wir außer dem Thomas Dreßen, der Vicky und der Kira Weidle nicht am Werk.

Gerade der in Mittenwald aufgewachsene Dreßen, der zuletzt ja in Garmisch gewonnen hat, tut dem DSV aktuell sehr gut...
Das ist in Deutschland derzeit die Figur des Rennsports! Vom Typ her ist der einer, der dem Skisport mehr geben kann als bloß Erfolge. Der fährt mit so viel Gefühl – das kann man nicht lernen! Aber mit dem Thema Kreuzbandriss muss er halt auch erst mal fertig werden.

Wobei es eher der malade Knorpel ist, der ihn ärgert.
Damit ist Felix zehn Jahre Rennen gefahren. Der hatte mit 16 seine erste Arthroskopie. Dreßen muss halt schauen, dass er das im Griff behält, dass der Knorpel erhalten bleibt.

Lesen Sie auch: Die AZ zu Besuch bei der Mama von Skistar Thomas Dreßen

 

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