Die AZ zu Besuch bei der Mama von Skistar Thomas Dreßen

Thomas Dreßens Mutter Martina Monath betreibt in Garmisch das Bistro "ToMa's". Vor dem Rennen auf der Kandahar hat die AZ sie besucht: Eine Geschichte über die Anfänge im Sport und die Angst der Mama.
| Thomas Becker
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Skistar Thomas Dreßen in Aktion: Die Mama fiebert am liebsten an der Strecke mit.
Alessandro Trovati/AP/dpa 2 Skistar Thomas Dreßen in Aktion: Die Mama fiebert am liebsten an der Strecke mit.
Lebt mit seiner Freundin in Oberösterreich: Thomas Dreßen.
Stephan Jansen/dpa 2 Lebt mit seiner Freundin in Oberösterreich: Thomas Dreßen.

Garmisch-Partenkirchen - Martina Monath kann nichts dafür, aber als der Besucher ihr Bistro betritt, läuft tatsächlich "Skifoan" von Wolfgang Ambros im Radio – wie bestellt. Was soll auch sonst laufen in einem Laden, der von der Mama des besten deutschen Skifahrers geführt wird?

Aber wie gesagt: Zufall, das mit dem Skifoan. Ein mit Memorabilien ihres berühmten Sohnes vollgestopftes Museum ist das "ToMa's" in der Garmischer Schmiedstraße jedenfalls nicht, auch wenn an den Wänden neben den in dieser Region handelsüblichen alten Holzskiern auch ein paar Startnummern samt Fotos vom Filius hängen: Thomas Dreßen.

Wenn am Samstag ab halb zwölf die 67. Kandahar-Abfahrt ausgetragen wird, ist das "ToMa's" geschlossen, ausnahmsweise. Wenn der Junior schon mal in der Stadt auf Arbeit ist, kann die Frau Mama ja nicht einfach hinterm Tresen stehen und Cappuccino ausschenken, als ob nichts wäre. Natürlich wird sie wieder im Ziel stehen, wenn ihr Thomas mit erhöhter Geschwindigkeit talwärts saust – auch wenn ihr die Raserei immer noch ein Graus ist.

Skistar Thomas Dreßen in Aktion: Die Mama fiebert am liebsten an der Strecke mit.
Skistar Thomas Dreßen in Aktion: Die Mama fiebert am liebsten an der Strecke mit. © Alessandro Trovati/AP/dpa

Thomas Dreßen: Mutter verliert ihn früh an den Skisport

"Am schlimmsten ist es vorm Fernseher", sagt sie, "das geht gar nicht. Lieber bin ich live dabei." Alle Weltcup-Abfahrten, die mit dem Auto einigermaßen gut zu erreichen sind, verfolgt sie vor Ort: Mitte Dezember in Gröden, vergangene Woche in Kitzbühel, Wengen hat heuer nicht geklappt, steht aber fest auf der Wunschliste für kommendes Jahr. Und wahrscheinlich wird sie auch zum Weltcup-Finale im März nach Cortina d'Ampezzo fahren – auch um schon mal ihr Quartier zu buchen für nächstes Jahr, zur Ski-WM.

Dass die Mutter der größte Fan des Sohnes ist, ist keine Überraschung. Dabei hat sie ihn schon früh an den Skisport verloren – eigentlich begann die Abnabelung schon mit acht. Dazu später mehr. Skifahren hat er gelernt wie jeder in Mittenwald: am Kranzberg mit seiner Handvoll Liften.

Thomas Dreßen: Alles begann beim Kinderskitag in Mösern

Die Eltern hatten einen Edeka-Laden im Ort, von wo eine Skilehrerin namens Monika den Burschen nach dem Kindergarten immer mit zum Skifahren nahm, samstags auch in die Gruppe mit den guten Skifahrern. Mit acht dann der Kinderskitag in Mösern bei Seefeld.

Martina Monath hat die Geschichte schon oft erzählt: Wie der kleine Mann seiner Mama einen Flyer vom Ski-Internat Neustift im Stubaital in die Hand drückt und energisch seinen Ausweis verlangt, um sich dort sofort anzumelden. Der Drittklässler muss noch zwei Jahre warten, besteht dann eine zweitägige Aufnahmeprüfung und zieht tatsächlich als Zehnjähriger allein nach Österreich. "Freitagnachmittags haben wir ihn immer abgeholt und Sonntagabend wieder hingefahren", erzählt Monath, "der hat sich richtig drauf gefreut."

Auch wenn es zunächst nicht einfach war als Piefke in Austria. Aber er wollte halt unbedingt. Nach vier Jahren der Wechsel aufs Ski-Gymnasium: Aufnahmeprüfungen in Saalfelden und Stams. Die Tiroler wollten ihn nicht, die Salzburger schon. Ein Glücksgriff, findet die Mutter: "In Saalfelden dauert es bis zur Matura zwar ein Jahr länger, aber von November bis März gab es dort keine Schulpflicht."

Lebt mit seiner Freundin in Oberösterreich: Thomas Dreßen.
Lebt mit seiner Freundin in Oberösterreich: Thomas Dreßen. © Stephan Jansen/dpa

Thomas Dreßen: Keine Startnummern mehr für Mama

Viel Zeit zum Skifahren also, und dass er diese Zeit gut nutzte, kann man nun wochenends auf den Weltcuppisten bestaunen. Oder wenn man ins "ToMa's" reinkommt gleich rechts. Hier hängen ein paar seiner frühen Startnummern: die 43 aus Lake Louise im Jahr 2015 – "Die ersten Weltcuppunkte...", hat die Mutter dazu geschrieben.

Daneben die 24 von Dreßens erster WM in St. Moritz, die 20 von Olympia in Pyeongchang, die 13 vom Weltcupsieg in Kvitfjell und die 53 von der ersten Streif-Sause. Aktuelle Startnummern? Fehlanzeige. "Ich krieg' ja schon lange keine mehr", sagt die Mutter und lacht.

Immerhin schaut der Thomas ab und zu mal vorbei, sagt sie: "Am Mittwoch war er kurz da." Hin und wieder besucht sie den Junior mit ihrem zweiten Mann Thomas auch in seinem Zuhause in Oberösterreich, wo er seit drei, vier Jahren mit Freundin Birgit lebt: "Aber da sind wir dann schon sieben Stunden auf der Autobahn."

Wenig Mutter-Kind-Zeit also, aber was will man machen, wenn der Nachwuchs sich für ein Leben auf Skiern entschieden hat? "Ich weiß nicht, ob ich's nochmal so unterstützen würde", sagt sie nachdenklich. Zu spät. So aber sind die Rollen verteilt: Der Sohn oben am Start, die Mutter unten im Ziel, Daumen drücken.

Und warum das alles? Der Ambros hat's auf den Punkt gebracht: "Weil Skifoan is das Leiwandste, was man sich nur vorstellen kann."

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