Wenn der Rivale wie Magdalena Neuner schießt...

Neue AZ-Serie: Olympia für alle! Unser Autor hat Biathlon selbst ausprobiert – und sein Rennen gewonnen.  
| Jupp Suttner
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Magdalena Neuner während ihrer aktiven Karriere als Biathletin.
dpa Magdalena Neuner während ihrer aktiven Karriere als Biathletin.

Neue AZ-Serie: Olympia für alle! Unser Autor hat Biathlon selbst ausprobiert – und sein Rennen gewonnen.

 Der Kursaal von Ruhpoding war gerammelt voll. Es war schließlich Heimat- und Urlaubsabschluss-Abend. Die Leute klatschten begeistert, als der Name des Siegers verkündet wurde. Es war mein Name. Er sagte ihnen zwar nichts, niemand kannte mich dort. Aber in Ruhpolding brechen die Menschen grundsätzlich in tosenden Beifall aus – sobald das Wort „Biathlon“ ertönt. Und immerhin war ich der Sieger des „Gäste-Biathlons“ im Wintersportort geworden.

Was die applaudierende Menge allerdings nicht wusste: Es war ein falscher Sieg. Ein mir zugefallener. Ein im Grunde unfairer Triumph. Doch was sollte ich machen? Die Jury hatte so entschieden. Und nun badete ich in der Menge. The winner takes it all. Der Verlierer ertrank sich an jenem Abend in Alkohol. Ich stand ihm fest zur Seite. Die Sache war und ist nämlich die: Es gibt keinen phantastischeren Moment im nordischen Metier als jenen, in dem gerade die Scheibe fällt. Die Biathlonscheibe.

Du liegst auf der Matte, visierst pumpenden Herzens und rasenden Atems, drückst ab – und sie fällt! Um es klarzustellen: Ich bin Pazifist. Aber nach ein paar Oktoberfestmaß auf der Wiesn noch eine Rose für die Liebste zu schießen, gehört einfach dazu. Und die sportliche Steigerung des knallenden Liebesbeweises schließlich ist: die Biathlonscheibe zu treffen. Ich traf sie also. Doch ehe ich ein zweites Mal abdrücken konnte – fiel sie von selbst. Ebenso die dritte, vierte und fünfte: der neben mir liegende große Favorit des Rennens (er hatte mich als später Startender bereits eingeholt) hatte meinen Schieß-Job übernommen!

Bis er es bemerkte, musste er vier Mal in die Strafrunde. Während ich von dannen zog... Selbstverständlich hatte ich einen der Kampfrichter auf das Malheur hingewiesen. Doch er zuckte nur mit den Schultern, konstatierte „Der is selba schuid – laaf einfach weida!“ – und ich tat es. Keine Ahnung, ob dies rechtens war. Doch es war ja kein Weltcuprennen, sondern ein Gäste-Wettbewerb und da nahm man es vielleicht nicht ganz so genau. Sieger eines Biathlon-Rennens! Unglaublich. Die Getränke für den Verlierer zahlte natürlich ich.

Infos u.a. bei www.biathloncamp.de

 

 

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