Buschmann: "Bauermann hat einen Mutterinstinkt wie Hoeneß"

Reporter-Legende Frank Buschmann schwärmt von Bayern – und erklärt, warum dem Basketball das Charisma fehlt.
| Julian Galinski
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Präsident Uli Hoeneß, Trainer Dirk Bauermann und Thorsten Fischer (v.l.), Geschäftsführer von Hauptsponsor "Flyeralarm", präsentieren das aktuelle Basketball-Trikot.
Präsident Uli Hoeneß, Trainer Dirk Bauermann und Thorsten Fischer (v.l.), Geschäftsführer von Hauptsponsor "Flyeralarm", präsentieren das aktuelle Basketball-Trikot.


AZ: Herr Buschmann, Sie sind mit Ihrer Euphorie als Kommentator in Deutschland so etwas wie die Stimme des Basketballs. Aber mal ehrlich: Wieviel Show steckt da drin?
FRANK BUSCHMANN: Das ist absolut echte Begeisterung. Basketball ist meine große Liebe.

Während eines Spiels der vergangenen Basketball-EM haben Sie den Zuschauern geraten, anstelle eines Spiels der Fußball-Nationalmannschaft lieber das zeitgleiche der Basketballer anzuschauen.
Das ist auch sehr kontrovers diskutiert worden. Weil man ja eigentlich als jemand, der auch in der Fußball-Bundesliga unterwegs ist, so etwas nicht sagen sollte.
Aber warum eigentlich nicht? Die Fußballer waren zu dem Zeitpunkt in der Qualifikation für ihre EM schon durch. Und sie müssen auch nicht um Zuschauer kämpfen.

Wie kam das dann bei den Fußballern an?

Ich bin durch die Berichterstattung bei der Basketball-EM bei den Fußballern nicht weniger anerkannt. Im Gegenteil: Die würden sich auch manchmal einen wünschen, der so mitfiebert wie ich.

Sie haben in der Zweiten Basketball-Liga gespielt. Wie hat Ihre Karriere begonnen?
Ich habe in Hagen mit sechs Jahren angefangen Basketball zu spielen. Ich habe dort alle Jugendmannschaften durchlaufen. Der Sport war aber damals noch nicht meine Liebe. Als ich dann mit 17, 18 in der 2. Liga gespielt habe, fand ich das vor allem toll, weil man super damit angeben konnte.

Um Aufmerksamkeit für Basketball zu erregen, haben Sie für den sport1-Vorgängersender DSF auch mal auf einem Fischmarkt bei Hochbetrieb und vom Pferdesattel aus moderiert.
Das war allerdings letztendlich gar nicht so lustig. Das Tier hat mich später abgeschmissen, als es über einen 1,20 Meter hohen Zaun gesprungen ist. Wobei wir damals auch ein ganz anderes Budget und ganz andere Möglichkeiten hatten, als das heute der Fall wäre. Für eine Magazinsendung waren wir 12 Tage unterwegs. Es war paradiesisch. Denn über die Sendung sind wir an die ganz großen Stars herangekommen.

Zum Beispiel?
Einmal habe ich bei Michael Jordan im Haus Billard gespielt und über Basketball gefachsimpelt.

Wer sind in Deutschland derzeit die echten Typen?
Das ist momentan ein ganz großes Problem. Ich sehe einen Spieler, der großes Potential in der Außendarstellung hat, das ist Heiko Schaffartzik aus Berlin. Das ist einer, der hat Strahlkraft. Sonst fällt mir kein wirklich charismatischer Basketballer in Deutschland ein.

Dirk Nowitzki schaut ja immerhin im Sommer immer wieder vorbei.
Wobei da vor zehn Jahren auch keiner behauptet hätte, dass er Charisma hat. Das hat er jetzt, weil er ein Weltstar ist und aus seiner geerdeten Art eben auch Charisma gemacht worden ist. Dirk Nowitzki, ist ein lieber, netter Kerl und – das wird er auch selbst bestätigen –, was seinen Verkaufswert für die Medien betrifft, eher langweilig. Für jeden Interviewer ist er im Grunde eine Katastrophe. Ich hatte aber tolle Gespräche mit ihm.

Hier in München hat sich bisher Darius Hall als Charakterkopf etabliert und wird entsprechend vermarktet.
Aber der Mann ist 38 und ihm tut morgens beim Aufstehen vermutlich jeder einzelne Knochen weh. Natürlich ist das einer, der in der Liga beliebt und anerkannt ist. Aber: Er kann nicht die Figur beim FC Bayern sein, um Basketball über Personalien groß zu machen. Er ist ein wunderbares Maskottchen, aber Darius Hall kann nicht für die Zukunft der aktuellen Mannschaft stehen.

Sie sind gut mit Bayern-Trainer Dirk Bauermann befreundet. Man nimmt ihn als meistens sehr ernsten Menschen wahr, der immer auf Professionalität bedacht ist.
Meiner Meinung nach ist er der beste Verkäufer für Basketball in Deutschland – und der derzeit größte Charismatiker in diesem Sport.

Haben Sie ihn auch schon locker und entspannt erlebt?

Ja – aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Da ist er dann auch tiefenentspannt und was er sagt ist auch nicht immer medienkonform geschliffen. Ich schätze ihn sehr, aber ich denke, er ist nicht immer einfach.

Inwiefern?
Wenn man ihn oder vor allem seine Mannschaft kritisch beäugt, dann ist er wie Uli Hoeneß. Dann kommt sein Mutterinstinkt raus und er schmeißt sich schützend vor seine Spieler.

Hoeneß ist gerade auch dabei, seine Leidenschaft für Basketball zu entdecken.
Viele unterstellen ihm ja, dass er nur noch einmal allen zeigen will: Hier kann ich auch noch etwas aufbauen. Das mag eine Rolle spielen, weil er ein sehr ehrgeiziger Mensch ist. Aber ich kaufe ihm absolut ab, dass er sich für die Sportart begeistert.

Es gibt bei jedem Heimspiel sensationelle Bilder aus der ersten Reihe mit den Bayern-Größen.
Absolut. Ein Edmund Stoiber schmeißt sich jedes Mal weg vor lauter Jubeln.

Jetzt sind Sie mittlerweile nicht nur Basketball- und Fußball-Kommentator, sondern auch bei „Schlag den Raab” zu hören.
Wenn mir vor fünf oder sechs Jahren einer gesagt hätte, dass ich mal Bauklötzchen stapeln kommentieren würde, hätte ich gesagt: ,Du hast sie nicht mehr alle, so einen Unsinn würde ich nie machen.’ Deshalb habe ich das ursprünglich auch erst einmal abgelehnt. Sie haben mich dann aber entsprechend bearbeitet.

Was ist dort die Herausforderung für Sie?
Man muss Sackhüpfen, Kirschkern-Weitspucken oder Brieftauben-Schmeißen kommentieren, als ginge es um die Fußball-WM. Mich reizt die Dramaturgie der Sendung. Ich finde es unglaublich spannend, wenn in einem Spiel, in dem man zwei Flummies auffangen muss, über 1,5 Millionen Euro entschieden wird.

Bei Stefan Raab schauen Millionen zu. Beim Basketball sind es niedrige sechsstellige Zahlen.
Dieses Jahr deutet sich aber an, dass die Quoten nach oben gehen. Und da sind wir beim Phänomen Bayern München. In der Spitze haben wir bei den bisherigen Übertragungen bis zu 300 000 Zuschauer gehabt. Ich wünsche mir, dass auch die Spiele ohne Bayern-Beteiligung davon profitieren.

Drücken Sie in dieser Saison einer Mannschaft die Daumen? Ihnen wird ja Bayern-Nähe unterstellt.

Ach was. Das ist mir sowas von schnuppe, wer Deutscher Basketballmeister wird, das kann sich niemand vorstellen. Das kann meinetwegen Tübingen werden – wunderbar!

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