Zähne daheim bleachen: Ist der Promi-Trend unverantwortlich?

Home-Bleaching ist in den sozialen Netzwerken in fast aller Promi-Munde. TV-Sternchen bewerben gern auf Instagram, wie man mit schwarzer Kohlepaste, Bleaching-Gel und einem LED-Lighter (schließt man ans Smartphone an) innerhalb weniger Minuten pro Tag hellere Zähne bekommen soll. Doch bringt das was? Ist das gefährlich? Ist der Preis zu teuer? 
| Steffen Trunk
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Dr. Diana Svoboda kann Home-Bleaching nur bedingt empfehlen.
diPura Zahnklinik Dr. Diana Svoboda kann Home-Bleaching nur bedingt empfehlen.

Promis wie Laura Müller, Ex-Bachelor Christian Tews oder Ex-Bachelorette Gerda Lewis warben in der Vergangenheit für Home-Bleaching-Produkte und verdienen damit am Trend selbst mit. Aber was können die Bleaching Kits wirklich? Worauf müssen Patienten achten? Und birgt die Anwendung eventuell auch Risiken? Die AZ hat bei Dr. medic. stom. (RO) Diana Svoboda, der ärztliche Leiterin der diPura Fachklinik für Zahnästhetik und Implantologie in Essen nachgefragt.

AZ: Warum gibt es derzeit einen Bleaching-Hype in den sozialen Netzwerken?
SVOBODA: Man sieht momentan viele Influencer und Prominente, die verstärkt auf Instagram ihre weißen Zähne präsentieren. Meist geht es dabei um bezahlte Partnerschaften mit Anbietern von Home-Bleaching-Sets. Dass diese Möglichkeit der Zahnaufhellung aktuell ein Trend ist, wird sicherlich dadurch begünstigt, dass viele Menschen aufgrund der Corona-Restriktionen seltener das Haus verlassen. Das betrifft auch die regelmäßigen Zahnarztbesuche und ganz besonders solche, bei denen es vorrangig um ästhetische Behandlungen geht. Daher sind Home-Bleachings gerade jetzt sehr gefragt.

Weißere Zähne: Promis versprechen Bleaching-Ergebnis

Funktioniert das Bleaching-Verfahren via Smartphone überhaupt, das die Promis bewerben?
Ich habe das System noch nicht selbst getestet. Solche Bleaching-Methoden können durchaus funktionieren – sie sind aber mit sehr viel Vorsicht zu genießen: Oft sind keine genauen Angaben zu den Inhalts- und Wirkungsstoffen zu finden. Die meisten Produkte verwenden kein klassisches Peroxid, was zum Bleichen der Zähne in Zahnarztpraxen genutzt oder von Zahnärzten zum Home-Bleaching empfohlen wird. Stattdessen finden sich darin oft andere Substanzen – vor allem Säuren, wie beispielsweise Zitronensäure oder Backpulver, bei dem die Carbonate zu Säuren werden. Diese greifen den Zahnschmelz stark an und die Zahnoberflächenstruktur wird rau. Dadurch wird zwar das Gefühl des Bleachings erzeugt, aber die Zähne verfärben sich oberflächlich anschließend wieder recht schnell durch den Genuss von Kaffee, Tee, Rotwein oder Zigaretten. Die Verfärbungen sollen dann wiederum mit aggressiven abrasiven Zahnpasten entfernt werden, was nicht sehr empfehlenswert ist. Diese Sets für Zuhause sollten daher nur unter Vorbehalt genutzt werden. Letztendlich sind die Kosten für das Home-Bleaching aus dem Internet sowie die Folgekosten für zusätzliches Bleaching-Gel, um ein relativ zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten, nicht unbedingt günstiger als die professionelle Behandlung beim Zahnarzt.

Welche Risiken und Gefahren sehen Sie?
Mit diesen Methoden schadet man eher den Zähnen, als dass man ein ästhetisches Ergebnis erhält. Sicherer ist es, das Bleaching beim Zahnarzt durchführen zu lassen. Dort hat man die Gewissheit, dass die Zähne die Behandlung gut vertragen. Im Vorfeld wird eine professionelle Zahnreinigung vorgenommen, bei der die Oberflächenbeläge schonend entfernt werden und das Bleichen mittels Peroxide stattfindet. Außerdem passen sich die individuell angefertigten Bleachingschienen optimal dem Verlauf des Zahnfleisches an, sodass nur minimale Mengen des Bleaching-Gels benötigt werden, was sehr schonend für Zähne und Zahnfleisch ist.

Expertin rät zum Bleaching beim Zahnarzt

Sollten Promis Ihrer Meinung nach fürs Bleaching werben oder ist das unverantwortlich?
Wenn es sich dabei um geprüfte und von Zahnärzten empfohlene Methoden handelt, sehe ich kein Problem damit, über eigene Erfahrungen zu sprechen und diese mit den Fans zu teilen. Unverantwortlich wäre es jedoch, Werbung für Produkte zu machen, die nicht geprüft sind und evtl. negative Folgen für die Zähne haben können. Wünschenswert wäre es, darauf hinzuweisen, sich im Vorfeld beim Zahnarzt zu erkundigen und die geplante Anwendung zu besprechen. Viele Zahnärzte bieten hierfür ja mittlerweile Video-Beratungen an, die man nutzen kann, wenn Praxisbesuche nicht möglich oder aus gesundheitlichen Gründen nicht gewünscht sind.

Welches Verfahren empfehlen Sie aus medizinischer Sicht?
Das klassische, professionelle Bleaching beim Zahnarzt, das eine schonende, aber sehr effektive Aufhellung der Zähne gewährleistet. Vor der Behandlung untersucht ein seriöser Zahnarzt immer die Zähne des Patienten und entscheidet dann, ob die Behandlung überhaupt möglich ist. Wenn ja, bespricht er gemeinsam mit dem Patienten dessen Wünsche mit Hilfe einer Farbskala und berät ihn eingehend, damit das Ergebnis auch natürlich und typgerecht wird. Auch die Behandlung wird natürlich vom Profi selbst durchgeführt und dauert, je nach Verfahren, zwischen 30 und 60 Minuten. Manchmal ist die Investition vergleichbar mit den Home-Bleaching-Methoden mit Aktivkohle oder per Smartphone. Diese sind nicht deutlich günstiger als ein professionelles Bleaching beim Zahnarzt. Daher sollte überlegt werden, ob die fachmännische Behandlung nicht von vornherein die bessere Option ist. Zahlreiche individuelle Pflegetipps für besonders lange Freude am neuen strahlenden Lächeln gibt es dazu noch kostenlos.

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