Interview

Wolfgang Fierek wird 70: So hat Corona sein Privatleben verändert

TV-Star und Sänger Wolfgang Fierek im AZ- Gespräch über die Liebe, Selbstzweifel und Kaviar zum 70. Geburtstag.
| Kimberly Hagen
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Große Liebe: Wolfgang Fierek mit Frau Djamila (seit 30 Jahren happy).
Große Liebe: Wolfgang Fierek mit Frau Djamila (seit 30 Jahren happy). © imago/Spöttel Picture

AZ: Servus, Herr Fierek, ist der Champagner schon gekühlt?
WOLFGANG FIEREK: Freilich. Dazu der Wodka und der Kaviar. Alles schon im Kühlschrank.

Oh, là là, Sie lassen's zum morgigen 70. also richtig krachen.
An meinem Geburtstag: ja. Da gibt's einmal im Jahr Kaviar, das hat Tradition. 150 bis 200 Gramm löffel ich alleine weg - und genieß jeden Happen.

Wolfgang Fierek: Sushi statt Schweinshaxn

Entspricht gar nicht Ihrem Klischee als Parade-Bayer.
Ich bin nicht so der Schweinshaxn-Typ, Schwein ess ich eh nimmer. Ich bin mehr der Hühnchen-Sushi-Fisch-Kerl. Als ich das erste Mal in meinem Leben nach Amerika geflogen bin, hatte ich Glück, weil die Stewardess aus München eine frühere Liebschaft von mir war. Die hat mich freundlicherweise in die erste Klasse befördert und mich mit Kaviar versorgt. Das hat so ein unglaubliches Glücksgefühl in mir ausgelöst, dazu die Vorfreude auf Amerika - deshalb zelebriere ich das seitdem immer an meinem Geburtstag. 1979 im Münchner Lokal Windrose hab ich mal einen Russen kennengelernt, der da mit lauter Models gefeiert hat und der erklärte mir, wie man richtig Kaviar isst.

Und wie?
Mit Blinis, gehackten Zwiebeln, gehacktes Ei, natürlich Champagner und Wodka.

Sind Sie ein Luxus-Liebhaber?
Null! Ich brauch keine Rolex, keinen Lamborghini. Ich hab meine Frau Djamila, bin extrem glücklich und zufrieden.

Was macht die 70 mit Ihnen?
Mit dem Alter ist das so eine Sache. Ich hab ja Augen im Kopf, beobachte meine Freunde. Die es besonders haben krachen lassen, mei, denen sieht man's halt mehr an. Ich hab keine Angst vorm Sterben, kann sein, dass ich noch zehn, 15 Jahre hab, aber dann ist das halt so. Ich genieße den Moment und versuche, altersbewusst zu leben.

Wie lebt man altersbewusst?
Ich nehme mir jetzt für alles ein bisserl mehr Zeit, achte auf meine Figur, trinke auch mal nur ein Glaserl Wein und nicht drei. Meine Frau liebt das ganze Bio-Gesund-Zeug, da mach ich gerne mit. Seit Corona wütet, hab ich meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio gekündigt - jetzt hab ich lauter Geräte daheim. Fünf Mal die Woche steige ich auf den Crosstrainer, verfluche und beschimpfe ihn am Anfang, aber danach fühl ich mich besser.

Wolfgang Fierek und Klaus Lemke

Filmreifes Quartett: Wolfgang Fierek (r.) mit Klaus Lemke, Dolly Dollar (l.) und Cleo Kretschmer Anfang der 80er in München.
Filmreifes Quartett: Wolfgang Fierek (r.) mit Klaus Lemke, Dolly Dollar (l.) und Cleo Kretschmer Anfang der 80er in München. © imago/Lindenthaler

Stimmt es, dass Sie dem Regisseur Klaus Lemke alles zu verdanken haben?
Ja.

Warum?
Ich hab 1977 meinen Spezl Eric Moss zum Set begleitet, stand da mit großer Klappe rum und Klaus Lemke trat arrogant-schnodderig auf, blickte zu mir, fragte: "Wer is'n das?" Da antwortete ich: "Pass auf, was du sagst." Er fand das irgendwie gut, so cool und halbstark. Ich hatte mit Schauspielerei nichts am Hut und bekam die Hauptrolle. Abends nach dem ersten Drehtag saßen wir in der Sauna, ich kämpfte gegen Kreislaufprobleme und Klaus meinte: "Du kannst machen, was du willst - die Kamera liebt dich. Du wirst ein Star."

Und genau so kam's.
Ich selbst hab das aber ewig nicht so sehen können.

Wieso nicht?
Ich fand mich immer schlecht, hab immer an mir gezweifelt und konnte mich selbst nie anschauen. Erst durch "Ein Bayer auf Rügen" änderte sich das.

Über 20 Jahre später. Was war dann anders? Ihr Selbstbewusstsein?
Keine Ahnung, vielleicht, aber ich merkte: Du bist ja doch ganz gut. Vielleicht war diese lange Zeit des Selbstzweifels dem Laiendarsteller-Titel geschuldet, der mir anhaftete. Auf der Premierenparty von "Arabische Nächte" spielte Helmut Berger für uns Klavier und an einem Tisch saß Barbara Sukowa, die ich gut fand. Also bin ich zu ihr, fragte, ob sie mit uns Champagner trinken will. Sie entgegnete: "Ich trinke mit keinen Laiendarstellern." Mei, haben wir den Schampus halt allein gesoffen. Aber es hat doch mehr an einem gekratzt, als man zugeben wollte.

Wie ist das heute: Werden Sie mehr wegen der Resi und dem Traktor angesprochen - oder wegen "Bayer auf Rügen"?
Alles zusammen, "Arabische Nächte", "Monaco Franze", dazu das Harley-Image. Wenn ich im Flugzeug hocke, kommt immer irgendwann eine Stimme von hinten: "Na, der Fierek, wo ist die Harley?" "Unten im Kofferraum", antworte ich meist. Dann wird gelacht.

Harley-Fan: Auch nach seinem schlimmen Unfall 2003 cruist Fierek noch heute gern herum.
Harley-Fan: Auch nach seinem schlimmen Unfall 2003 cruist Fierek noch heute gern herum. © imago/teutopress

Wolfgang Fierek: Motorradunfall mit der Harley

Wobei Ihre Harley-Liebe Sie fast das Leben gekostet hätte.
Ich wusste, dass es immer ein Risiko geben wird. Ich war nie ein Raser. Aber der von mir unverschuldete Unfall 2003 war schon heftig.

Wie viele Schrauben haben Sie noch im Körper?
Moment. . . (zählt laut) 9. Wenn das Wetter umschlägt, spüre ich's im Bein vorher. Sonst bin ich wieder fit, meiner Frau und den Schutzengeln sei Dank.

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Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Mei, Weltfrieden. Ich hab alles. Eine Frau, mit der ich viel lachen kann, Rollenangebote - selbst zu Corona-Zeiten, das freut mich besonders. Wobei, als es davor mal ruhiger war, hab ich halt mehr gesungen. Ich will die Zeit, die ich hab, einfach genießen und nutzen. Jetzt bleib ich grad mehr daheim, aber das passt wunderbar - ich wünschte, es gäbe nicht so viele Unvernünftige. Meine Frau hatte Ende Januar Corona, als man das noch gar nicht so kannte. Sie war auf einer Steinmesse in Arizona, ich schon in Deutschland. Drei Tage hatte sie schlimme Atemnot, danach war's vorbei. Wobei sie gerade Tinnitus hat, der Akupunkteur meint, das könnte von Corona kommen.

Sie waren fast ein Jahr nicht in Ihrer Zweitheimat Arizona, fühlen Sie sich in der Krise in München besser aufgehoben?
Und wie! München und Deutschland insgesamt stehen im Vergleich echt gut da. Dazu das Kasperltheater mit der US-Wahl, da ist mir die Lust vergangen. Aber ich bleibe optimistisch. Das ganze Leben ist ein Kampf und ich kämpfe gerne. Corona pack ma auch noch.

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