Wie Afghanistan ein zweites Mal in die Hände der Taliban fiel

Seit dem 15. August 2021 kontrollieren die radikalen Taliban wieder ganz Afghanistan. Die Dokumentation "Die letzten Tage von Kabul" zeigt die Schrecken der finalen Wochen der Demokratie im Land und versucht zu verstehen, warum der Frieden scheiterte.
von  Friederike Hilz
Am 15. August 2021 übernahmen die Taliban nach dem Abzug der US-Truppen erneut die Macht in Afghanistan.
Am 15. August 2021 übernahmen die Taliban nach dem Abzug der US-Truppen erneut die Macht in Afghanistan. © ARTE/Jordan Bryon

Tausende Menschen drängen sich auf einer Startbahn, laufen neben einem großen Militärflugzeug her oder versuchen sogar, sich auf dem Flugzeug festzuhalten - alles, um aus der afghanischen Hauptstadt Kabul und vor den Taliban zu entkommen. Die Bilder der verzweifelten Bevölkerung gingen am 15. August 2021, als die radikale Terrorgruppe das Land einmal mehr einnahm, um die Welt. Die dreiteilige Dokumentation "Die letzten Tage von Kabul" (bereits ab Samstag, 15. August, in der Mediathek) aus dem Jahr 2025, die nun erstmals bei ARTE zu sehen ist, zeigt eindrücklich, wie es so weit kommen konnte. Zeitzeuginnen und -zeugen sowie auch der geflohene Ex-Präsident Ashraf Ghani erzählen von den angsterfüllten Tagen vor, während und nach der Machtübernahme - und von den vorangegangenen Jahrzehnten zwischen Terror, Krieg und Hoffnung.

Ein Blick in die Vergangenheit

In den 90er-Jahren hatten die Taliban schon einmal die Kontrolle über Afghanistan in einem blutigen Bürgerkrieg an sich gerissen. Die Frauenrechtsaktivistin Asila Wardak erinnert sich in der Dokumentation von Bence Máté und Lucio Mollica an den Horror, den sie damals auf ihrer Flucht mit ansehen musste. Das Land wurde zu einem Zufluchtsort für radikale Islamisten wie Osama bin Laden, der hier die Pläne für die Anschläge vom 11. September schmiedet.

Das anschließende Eingreifen der USA lässt, wie im Dreiteiler erklärt wird, zunächst Hoffnung auf eine demokratische Zukunft aufkommen. Doch die folgenden Jahre sind geprägt von Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Und die Taliban haben längst nicht aufgegeben, sondern nutzen die Schwächen des neuen Staates aus, wie ein Gründungsmitglied der Terrororganisation in der zweiten Folge der Dokumentation erzählt. Der Rückzug der US-amerikanischen Truppen macht es ihnen schließlich leicht, das Land erneut zu erobern und ihr brutales Regime fortzuführen. Wieso scheiterte der Frieden? Und: Wie sieht die Zukunft Afghanistans aus?

Die letzten Tage von Kabul - Di. 25.08. - ARTE: 20.15 Uhr

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