Interview

Was macht eigentlich Marijke Amado?

TV-Star Marijke Amado über ihren Traummann, die Fernsehentwicklung und ihre witzige Zeit in München (in einem Puff).
| Daniela Schwan
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Noch alle Tassen im Schrank: Marijke Amado daheim.
Noch alle Tassen im Schrank: Marijke Amado daheim. © KTomlow

Am 31. Dezember 1990 startete die "Mini Playback Show" in Deutschland - und brachte nicht nur die singenden Kleinen groß raus, sondern auch RTL-Moderatorin Marijke Amado.

Wie geht es der 66-Jährigen heute, 30 Jahre später? Die AZ hat mit der Holländerin in ihrem Haus bei Maastricht videotelefoniert.

AZ: Goedendag, Frau Amado, was machen Sie im Schrank?
MARIJKE AMADO: Sitzen. Und Talken! Ich bin mit meiner Show "Noch alle Tassen im Schrank!?" bei YouTube. Ich hatte überlegt, was kann man tun, wenn man daheim eingeschlossen ist? Alles nicht so einfach, wenn man alleine lebt. Man ist abhängig von den Dingen, die herumstehen. Weil ich zuletzt oft dachte: Mensch, haben die noch alle Tassen im Schrank? - bin ich meine Küchenschränke durchgegangen und habe sämtliche Tassen in einen wunderbaren Schrank gestellt. Daraus habe ich mit Hilfe meines Sohnes Kay ein Studio gebaut. Ich sitze also im Schrank, spreche via Computer mit interessanten Gästen.

Marijke Amado: "Ich will die Leute aufbauen"

Wie lautet Ihre Botschaft?
Ich will weitergeben, dass ich aus meinen allerschwersten Zeiten im Leben das Allerbeste gelernt habe. Ich will die Leute aufbauen - und bin mir sicher, dass wir jetzt lernen müssen, was wir vergessen haben.

Dankbarkeit?
Zum Beispiel. Und wieder füreinander da zu sein, wir leben viel zu lange in einer ego-konzentrierten Welt, jedem ging es nur sich, um Geld und Macht. Wir müssen lernen, ohne Hintergedanken füreinander da zu sein, gemeinschaftlich etwas aufzubauen. Ich hoffe, dass das die Quintessenz der Pandemie ist. Da in diesem Jahr jeder auf einiges verzichten musste, lernen wir wieder wertzuschätzen, was es bedeutet, Menschen zu haben, die da sind, wenn es einem nicht gut geht!

Ihr Sohn steht Ihnen zur Seite?
Er ist 33 und eine große Stütze. Er wohnt in meiner Nähe, ein besseres freundschaftliches Mutter-Sohn-Verhältnis kann man nicht haben. Darüber bin ich glücklich, und dass ich die Möglichkeit bekommen habe, ein Kind in die Welt setzen.

Wie waren Sie als Kind?
Sehr fröhlich! Ich war eine kleine Alleinunterhalterin. Nach dem Abitur wollte ich auf die Schauspielschule. Mein Vater hat es verboten, Amsterdam war ein heißes Pflaster, er hatte Angst, dass ich ins Drogenmilieu rutsche. Also lernte ich Goldschmiedin. Das war mir aber zu einsam. Ich arbeitete fünf Jahre lang als Reiseleiterin, baute den Club Aldiana im Senegal auf, sah die Welt. Ich sagte mir: Wenn ich entdeckt werde, höre ich auf. An Weihnachten 1977 in der Antarktis kam der Anruf auf dem Schiff, per Morsezeichen angekündigt, der mein Leben veränderte.

Doch nicht etwa von Showmaster Rudi Carrell?
Doch! Ein Fotojournalist hatte mich ihm empfohlen, Rudi wollte mich als Assistentin für seine Show. Er war Perfektionist, wusste genau, was man machen soll, was nicht. Dann kam die "Mini Playback Show", acht Jahre lang sechs bis neun Millionen Zuschauer jede Woche, die Idee für RTL Deutschland habe ich mitentwickelt, alle Castings selbst organisiert.

 Marijke Amado lebte in München

In den Neunzigern lebten Sie zwei Jahre in München.
Das war wirklich witzig. Ich habe mit Jürgen Marcus eine Platte aufgenommen und bin dafür nach München gezogen. Ich hatte eine kleine Wohnung im Schwabylon auf der Leopoldstraße. Nach einer Woche wunderte ich mich, wieso nachts Hektik herrschte. Ich war in einem Puff gelandet! Ich hatte aber viel Spaß mit meiner Nachbarin. Ich bin nach ein paar Wochen umgezogen und 1995 hierher, um mich um meine Eltern zu kümmern, leider sind sie schon im Himmel.

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Was wünschen Sie sich?
Dass wir eine Fernsehentwicklung haben, in der wir Ältere wieder stattfinden! Heute ist man mit 60, 65 nicht wie unsere Urgroßmütter im schwarzen Kleidchen mit einem Knötchen am Kopf, sondern eine Frau mitten im Leben! Die jetzige Zeit lehrt uns, der älteren Generation wieder mit Respekt zu begegnen, diese Generation war lange vergessen und ins Heim gesteckt worden.

Sie haben zwei Ehen hinter sich, unter anderem mit einem Hochstapler. Gibt es wieder einen Mann in Ihrem Leben?
Zurzeit nicht. Ich möchte keinen Mann, der meine Probleme löst - aber auch keinen, der ein Problem ist, das hatte ich schon. Ich möchte einen auf Augenhöhe mit viel Humor! Meine Mutter, sie ist mit 86 gestorben, hat nach dem Tod meines Vaters, da war sie 82, noch jemanden kennengelernt und nochmal eine große Liebe erlebt. Das ist ein tolles Vorbild. Für die Liebe ist man nie zu alt.

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