Verfluchter Vorname: Sissy Böhm will mit Vergangenheit abschließen

Als Marie-Theres Böhm möchte die Münchnerin mit ihrer schlimmen Vergangenheit und der berühmten Familie abschließen. Wie es zum Neu-Start kommt.
| Kimberly Hagen
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Blick nach vorn: Marie-Theres Böhm (hier in Griechenland bei einer Freundin). Sissy heißt sie nicht mehr.
Blick nach vorn: Marie-Theres Böhm (hier in Griechenland bei einer Freundin). Sissy heißt sie nicht mehr. © Erwin Schneider/Schneider-Press

München - Es gibt Geschichten, selbst aus der Welt der Schönen und vermeintlich Sorglosen, die sind härter, unglaublicher und verstörender als viele Horrorfilm-Drehbücher.

Hauptdarstellerin in dieser leider alles andere als fiktionalen Geschichte ist: Sissy Böhm (wird am Sonntag 65).

Sissy Böhm ändert ihren Vornamen: So heißt sie jetzt

Die älteste Tochter von Film-Legende Karlheinz Böhm († 86) gehörte nicht zu den Promi-Kindern, die mit dem Silberlöffel aufwachsen und fröhlich das Geld des Papas verpulvern. Im Gegenteil: Ihre schlimme Vergangenheit hat sie zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst.

Die damalige Sissy Böhm mit ihrem berühmten Vater Karlheinz Böhm.
Die damalige Sissy Böhm mit ihrem berühmten Vater Karlheinz Böhm. © Erwin Schneider/Schneider-Press

Jetzt, endlich, hat sie sich von ihrer Familie gelöst und dem langen Leiden ein Ende gesetzt, indem sie ihren Vornamen ändern ließ.

Sie wollte nicht mehr Sissy heißen - zu viele dunkle Erinnerungen hängen für sie an dem ungeliebten Vornamen.

"Als Marie-Theres Böhm werde ich ein neues Leben beginnen"

Die gebürtige Münchnerin, die heute in Bayern an einem geheimen Ort (dazu gleich mehr) wohnt, hält die neue Geburtsurkunde in den Händen und sagt, warum sie die Reihenfolge ihrer Vornamen getauscht hat: "Sissy Böhm gibt es nicht mehr.

Als Marie-Theres Böhm werde ich mit 65 Jahren nun ein neues Leben beginnen. Ich habe mich ohnehin schon immer mehr als Marie-Theres gefühlt denn als Sissy. Den Namen hatten mir meine Eltern nach dem großen Erfolg der ‚Sissi'-Filme gegeben, in denen mein Vater neben Romy Schneider ja die Hauptrolle spielte. Ein großer Name, der einerseits Türen öffnen, andererseits auch Fluch und Bürde sein kann. Damit ist jetzt Schluss."

Als Sissy Böhm war sie lange als erfolgreiche Netzwerkerin unterwegs, hat berufliche Kontakte zusammengebracht. Als Marie-Theres Böhm wagt sie den Neuanfang. Warum?

Böhm-Tochter will mit traumatischer Vergangenheit abschließen

Sie möchte mit den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit abschließen. Mit fünf Jahren wurde sie von ihrer eigenen Mutter, Flugbegleiterin Elisabeth Zonewa, sexuell missbraucht, später im Teenager-Alter durch "Freunde" der Familie, darunter auch viele mit großen Namen.

Sie wuchs in Internaten und bei der Großmutter am Tegernsee auf: "Meine Mutter hat sich nur für ihre Zwecke für mich interessiert, meinen Vater sah ich selten und traute mich über die Ereignisse mit der Mutter nicht zu sprechen, da ich mich schämte und Angst hatte, dass er mir nicht glaubt."

In ihrem Buch "Im Schatten des Lichts" hat sie versucht, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.

Dann der nächste Schicksalsschlag: Am 21. Dezember 2016 wurde die damalige Sissy Böhm Opfer eines "Mordanschlags", wie sie es nennt. Heute sagt sie: "Sissy Böhm ist bei dem Anschlag gestorben."

Was war passiert?

In Tirol wurde sie in einer Tiefgarage von einem Kroaten, der später zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt wurde, brutal überfallen, entführt und misshandelt. Der Täter schnitt ihr die Wangen auf, die Unterlippe weg, brach ihr das Jochbein, zertrümmerte ihre Nase und versuchte, sie zu erdrosseln. Nebenbei brachte er ihren geliebten Dackel Schnurpsi um. Weil er mit dem Fluchtauto einen Unfall baute, ist Böhm, sein Zufallsopfer, noch am Leben.

In der Klinik wurde sie ins künstliche Koma versetzt, ihr Gesicht musste in Operationen wieder aufgebaut werden. Neun Monate war Böhm in Klinik und Reha. In der Zwischenzeit starb auch noch ihr Lebensgefährte an Krebs.

Böhm hat große Angst, Menschen zu begegnen

Heute sagt Marie-Theres Böhm: "Der Täter hat mich zu 'lebenslänglich' verdonnert. Ich werde mit den Folgen seiner Tat mein Leben lang kämpfen müssen."

Ihr Geschmacks- und Geruchssinn sind durch die Schläge zerstört worden, die Nervenbahnen leiten die Impulse vom Gehirn nicht mehr schnell genug in die Beine, weshalb sie dort kaum Gefühl hat. Böhm hat große Angst, Menschen zu begegnen, traut sich kaum aus ihrer Wohnung, umgibt sich nur mit Vertrauten.

Enge Freundinnen haben ihr seitdem geholfen - und die Organisation Weißer Ring. Außerdem machte sie eine Trauma-Therapie. Die Namensänderung ist ein weiterer wichtiger Schritt für Marie-Theres Böhm: in ein besseres Leben.

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