Uli Hoeneß vergisst seine letzte Nacht im Gefängnis nie

Zehn Jahre nach seiner Haftentlassung blickt Uli Hoeneß so offen wie nie auf die Zeit im Gefängnis zurück. In einem Interview spricht die Manager-Legende über Demut, den Tod von Weggefährten - und verrät, was das Wertvollste war, das seine Frau Susi je zu ihm sagte.
(dr/spot) |
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Uli Hoeneß saß vor zehn Jahren wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis.
Uli Hoeneß saß vor zehn Jahren wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. © imago/Ulrich Wagner

Uli Hoeneß (74) ist für seine offenen Worte bekannt - kein anderer Fußball-Funktionär polarisiert so sehr, keiner teilt so leidenschaftlich aus. Doch so persönlich wie jetzt hat die Manager-Legende des FC Bayern noch nie gesprochen. In der "Bild"-Serie "Hoeneß packt aus" blickt er anlässlich des zehnten Jahrestags seiner Haftentlassung am 29. Februar 2016 zurück - auf die Nächte im Gefängnis, auf Freundschaften, die ihn durch die schwerste Zeit trugen, auf den Tod enger Weggefährten und auf die Frau, die seit über 50 Jahren an seiner Seite steht.

Die letzte Nacht hinter Gittern hat sich bei Hoeneß eingebrannt. Während Journalisten auf seine Entlassung gegen Mittag warteten, wurde er bereits kurz nach Mitternacht freigelassen. Ehefrau Susi und Sohn holten ihn ab. "Als wir nachts um 1 Uhr zu Hause in Bad Wiessee am Tegernsee ankamen, war das Haus voller Freunde, sogar eine Blaskapelle hat vier, fünf Lieder gespielt", erinnert sich Hoeneß. Bis morgens um fünf wurde Schafkopf gespielt. "Unvergesslich", sagt er schlicht.

Im Gefängnis lernte Uli Hoeneß Demut

Dass er die Zeit nicht missen wolle, das könne er nicht behaupten, räumt Hoeneß ein. Doch sie habe ihn geprägt. "Ich habe mich nicht groß vorbereitet auf die Zeit im Gefängnis, aber ich habe immer gesagt, ich muss mit offenen Augen und Ohren durch die Welt laufen - auch dort", erzählt er der "Bild". Was er mitgenommen habe? "Demut. Soziale Verantwortung." Beides sei ihm immer wichtig gewesen, doch die Haft habe dieses Bewusstsein noch verstärkt.

Auch unter den Mithäftlingen machte sich Hoeneß offenbar einen Namen. Die Leiterin der JVA habe ihm bei seiner Entlassung gesagt, er sei der Einzige gewesen, der je einen "Fanclub" sowohl bei Häftlingen als auch beim Personal gehabt habe. Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen pflege er heute allerdings nicht mehr - man habe ihm davon abgeraten. "Wenn man morgens aufwacht, und ein Mörder sitzt vor deinem Bett und erzählt dir seine Lebensgeschichte, weiß man nicht, ob man das unbedingt erleben will", schildert er nüchtern.

Sein größtes Glück sei, dass in der Familie alle gesund seien. "Das wäre vielleicht das Einzige, was mich total umhauen würde. Ich glaube, das würde ich nicht aushalten können", gesteht er mit Blick auf den Gedanken an einen Verlust im engsten Kreis. Gefragt nach dem Wertvollsten, das seine Frau Susi je zu ihm gesagt habe, antwortet Hoeneß ohne Zögern: "Das 'Ja!' auf unserer Hochzeit." Mehr als 50 Jahre kennen sich die beiden, ihre Diskussionen seien "nicht nur herzlich", aber stets ehrlich. "Meine Frau hat eine sehr, sehr gute Menschenkenntnis. Wer bei ihr durchkommt, hat schon gewonnen", sagt er.

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