Moderatorinnen kassieren gnadenlose TV-Rauswürfe: Experte enthüllt Hintergründe

Die Situation in der TV-Branche ist angespannt, viele Mitarbeiter – darunter auch bekannte Moderatorinnen – haben ihre Jobs verloren. Wie fragil das Business tatsächlich ist und wie austauschbar die bekannten Gesichter sind: Ein Medien-Experte verrät der AZ die Hintergründe.
von  Sven Geißelhardt
Jobs in der TV-Branche sind aktuell nicht sicher, wie prominente Beispiele wie Annett Möller, Laura Knöll und Annika Lau aktuell zeigen.
Jobs in der TV-Branche sind aktuell nicht sicher, wie prominente Beispiele wie Annett Möller, Laura Knöll und Annika Lau aktuell zeigen. © imago; SWR

Es ist eine harte Zeit, der sich das TV-Business aktuell stellen muss. Der Privatsender RTL strich zuletzt 600 Stellen – davon waren selbst bekannte Moderatorinnen wie Annett Möller und Annika Lau betroffen. Auch der Kinderkanal KiKa trennte sich vor wenigen Tagen von TV-Gesicht Laura Knöll, die für den "Tigerenten Club" vor der Kamera stand. Wie läuft das knallharte Moderationsgeschäft und wie unersetzlich oder austauschbar sind die bekannten Stars der Branche wirklich?

Trotz Promi-Status: Moderatorinnen sind stark von Sender-Entscheidungen abhängig

"Die Unsicherheit im Moderationsjob ist grundsätzlich hoch und sie nimmt weiter zu", erklärt Medien-Experte und PR-Profi Ferris Bühler der AZ. Vor allem die Unberechenbarkeit der Branche und die Abhängigkeit von Sendern sei dabei ein großes Problem. "Viele arbeiten freiberuflich, hangeln sich von Projekt zu Projekt und sind stark von strategischen Entscheidungen der Sender abhängig."

Hinzu kommen diverse Veränderungen, die rasant voranschreiten, wie etwa "Sparprogramme, wachsender Konkurrenzdruck durch Streaming-Plattformen und eine Flut neuer Gesichter über Social Media".

Medien- und PR-Profi Ferris Bühler.
Medien- und PR-Profi Ferris Bühler. © Thomas Buchwalder

PR-Profi betont: TV-Stars sind heute "nicht mehr automatisch gesetzt"

Selbst Stars der Branche sind vor einem Rauswurf längst nicht mehr gefeit. Ferris Bühler betont, dass "etablierte Moderatorinnen und Moderatoren heute nicht mehr automatisch gesetzt" sind. Für den PR-Profi gilt folgende Regel: "Wer vor der Kamera arbeitet, ist längst Unternehmer in eigener Sache mit allen Chancen, aber eben auch mit allen Risiken." Das bedeutet, dass man im bunten Universum der TV-Landschaft durchaus noch Karriere machen kann, aber unter Umständen auch schnell wieder aus dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden ist.

An den Entscheidungen der Sender haben selbst bekannte Moderatorinnen und Moderatoren als Freiberufler kaum Mitspracherecht, da sie oft projektbasiert arbeiten. "Zwar spüren viele im Vorfeld, dass sich etwas verändert, beispielsweise durch weniger Einsätze oder eine andere Tonalität im Umgang, aber die eigentliche Entscheidung fällt meist hinter verschlossenen Türen und ist dann nicht mehr verhandelbar", sagt Ferris Bühler.

"Sichtbarkeit, die wichtigste Währung"

Im seriösen TV gilt dem Medien-Profi eine ähnliche Devise wie in Trash-Formaten: "Sichtbarkeit, die wichtigste Währung." Das haben die meisten Reality-Sternchen bereits verstanden und pochen daher lautstark auf die berühmt-berüchtigte "Sendezeit". In Unterhaltungsmagazinen und Talkshows passiert das zwar weniger krawallig, ist aber deshalb nicht weniger wertvoll.

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