Stefan Gubser: Eher keine Gefängnisstrafe für Uli Hoeneß

Im "Tatort: Verfolgt" knöpften sich die Schweizer Sonntagskrimi-Macher ein finanzpolitisch und gesellschaftlich heißes Eisen vor: die Schweiz als Steueroase. Im Interview erklärt Stefan Gubser auch, was er vom Fall Uli Hoeneß hält.
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Ermittelt am schönen Vierwaldstättersee: Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger
SRF/Daniel Winkler Ermittelt am schönen Vierwaldstättersee: Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger

Im "Tatort: Verfolgt" knöpften sich die Schweizer Sonntagskrimi-Macher mal wieder ein finanzpolitisch und gesellschaftlich heißes Eisen vor: die Schweiz als Steueroase für Steuerflüchtige aus Deutschland. Im Interview erklärt Kommissar Reto Flückiger alias Schauspieler Stefan Gubser auch, was er vom Fall Uli Hoeneß hält.

München - Im Luzern-"Tatort" spielt Stefan Gubser (57) seit 2011 den leidenschaftlichen Segler, Kommissar Reto Flückiger, doch auch privat verbringt er seine Zeit gerne auf dem Wasser, zuletzt während einer Weltreise in der Südsee - mit dem Frachter. Im Interview erzählt der Schauspieler aber nicht nur davon, er erklärt auch, was es mit der Steueroase Schweiz und anderen Klischees über das kleine Land in den Alpen auf sich hat.

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Wie war Ihre Weltreise, Herr Gubser?

Stefan Gubser: Super! Meine Frau, ein Freund von uns und ich waren zwei Monate in der Südsee. Einen Monat lang sind wir mit einem Katamaran im Königreich Tonga, einem Inselstaat im südpazifischen Polynesien, gesegelt. Danach sind wir von Tahiti aus mit einem Frachtschiff nach Marquesas, Französisch-Polynesien, gefahren. Das hat auch einen Monat gedauert.

Klingt nicht nach Luxus-Kreuzfahrt.

Gubser: Das stimmt, eine Luxus-Kreuzfahrt wäre aber auch absolut nicht meins. Auf dem Frachtschiff war es toll. Während die Besatzung ihre Fracht auf den verschiedenen Inseln gelöscht hat, sind wir an Land gegangen und haben die Umgebung auf eigenen Faust erkundet.

Was ist schiefgegangen?

Gubser: Ein rostiger Nagel hat sich in meinen Arm gebohrt, was mir fast eine Blutvergiftung beschert hätte. Aber das ist längst wieder verheilt.

Wie sind Sie zum Segeln gekommen?

Gubser: Durch meine "Tatort"-Rolle Reto Flückiger. Ich fand es komisch, eine Figur zu spielen, die ein leidenschaftlicher Segler ist, ohne selbst segeln zu können. Dann habe ich auf dem Zürichsee segeln gelernt und weil es mir so gut gefallen hat, habe ich gleich noch den Hochseeschein gemacht. Mittlerweile bin ich der gleiche leidenschaftliche Segler wie Reto.

Teilen Sie auch Retos Aversion gegen Hunde?

Gubser: Sicher nicht. Im Gegensatz zu Reto bin ich ein großer Fan von Hunden und hätte auch gern einen. Am besten gefallen mir sehr lebendige Hunde wie der Irische Border Collie. Momentan habe ich aber leider nicht genug Zeit dafür.

Was halten Sie von der "Hunde sind Todesboten"-Theorie?

Gubser: Davon halte ich gar nichts, das ist ein schwachsinniger Aberglaube.

Sehr ungewöhnlich ist auch die Villa, in der einige Szenen des "Tatort" spielen. Anstelle einer Treppe führt eine Schräge ins Obergeschoss. Wie gefällt Ihnen das?

Gubser: Das hat mir sehr gut gefallen, auch weil ich mich privat sehr für Architektur interessiere. Es war ein echter Glücksfall, dass wir in so einer Villa drehen durften. Der Architekt hat dieses Gebäude für sich selbst gebaut. Ich träume auch davon, mir mal ein Holzhaus nach meinen Vorstellungen zu bauen.

Im "Tatort" geht es auch um Schweiz-Klischees wie das ominöse Bankgeheimnis. In einem Interview haben Sie mal gesagt, es sei ein Problem, dass den Deutschen immer Steuerhinterziehung in den Sinn komme, wenn sie Schweiz hören. Reißt der Krimi die Wunde wieder auf?

Gubser: Ich denke nicht. Das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland ist von dem Konflikt nicht nachhaltig gestört worden. Um das aus dem Gleichgewicht zu bringen, braucht es schon mehr. Außerdem soll der "Tatort" in erster Linie unterhalten, aber auch Themen aufgreifen, die die Gesellschaft beschäftigen. In unserem nächsten Sonntagskrimi geht es beispielsweise um das Asylwesen.

Die Schweizer hegen also keinen Groll mehr gegen Deutschland?

Gubser: Ich denke nicht. Es gibt einfach einen grundsätzlichen kulturellen Unterschied. Jeder Schweizer muss am Ende des Jahres der Behörde deklarieren, wie viel er womit verdient hat, wie viele Abzüge er machen kann etc. Daraufhin bekommt er einen Rechnung über die Höhe seiner Steuern. Deutschland hat ein ganz anderes System. Da muss der Bürger von vorne herein einen gewissen Beitrag an Steuern zahlen und bekommt dann ggf. etwas zurück.

In der Schweiz wird zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung unterschieden.

Gubser: Steuerbetrug ist es, wenn man falsche Dokumente mit der Steuererklärung einreicht. Steuerhinterziehung ist, wenn man vergisst, etwas anzugeben. Das wird mit einer Buße geahndet, aber nicht strafrechtlich verfolgt. Beim Steuerbetrug macht man bewusst falsche Angaben oder reicht gefälschte Dokument ein. Das wird strafrechtlich verfolgt.

Wäre Uli Hoeneß als Schweizer Bürger auch für ein paar Jahre ins Gefängnis gewandert?

Gubser: Ich glaube, er wäre eher zu einer Geldstrafe verdonnert worden. Ich kenne allerdings keinen vergleichbaren Fall in der Schweiz.

Ein anderes Klischee ist die Ausländerfeindlichkeit der Schweizer. Wie ausgeprägt ist die denn?

Gubser: Ich glaube, dass der Schweizer nicht ausländerfeindlich ist. Wir leben hier schließlich mit einem irre hohen Prozentanteil von Ausländern und das ziemlich gut. Folglich war für mich schnell klar, dass ich diese Initiative "Gegen Masseneinwanderung", über die wir im Februar abstimmen mussten, ablehne. In gewissen Kreisen sind allerdings Ängste da, die man ernst nehmen und damit umgehen muss.

Wie steht's um die Pünktlichkeit im Land der Luxus-Uhren?

Gubser: Der Schweizer wird dazu erzogen, sehr genau zu sein. Das betrifft die Arbeit, zur Genauigkeit gehört aber auch die Pünktlichkeit. Zuspätkommen wird tatsächlich nicht so gern gesehen. Etwas überspitzt formuliert nennen wir uns selbst "Tüpflischisser", was ungefähr so etwas wie Korinthenkacker bedeutet. Wir Schweizer nehmen es schon sehr genau. Das Klischee stimmt.

Sie auch?

Gubser: Ich bin auch ein genauer und vor allem pünktlicher Mensch. Manchmal wäre ich froh, ich würde es ein bisschen lockerer nehmen und auch mal fünf Minuten zu spät kommen. Aber ich bin immer zu früh dran, damit ich ja nicht zu spät komme.

Welche Rolle spielt die berühmte Schweizer Schokolade in Ihrem Leben?

Gubser: Ich mag dunkle "Schoggi" sehr gern, aber auch sie spielt keine übergeordnete Rolle in meinem Leben.

Apropos "Schoggi", mit welchem Wort in Schwyzerdütsch ernten Sie einen Lacher bei Deutschen?

Gubser: Das Paradewort, das man nicht-Schweizer gern mal nachsprechen lässt, ist das "Kuchikastli". Das ist ein Küchenkasten.

Und was hat es mit dem Müsli auf sich?

Gubser: Das Müsli ist für uns Schweizer das alltägliche Brot. Ich schätze 95 Prozent essen zum Frühstück Müsli. Aber ein Müsli ist auch ein kleines Mäuschen...

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