So starb Romy Schneider

Ein neuer Roman enthüllt die letzten Stunden im Leben der großen und zerrissenen Schauspielerin. Was der Autor über sie sagt: Ein AZ-Interview mit Olaf Kraemer.
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Olaf Kraemer
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Ein neuer Roman enthüllt die letzten Stunden im Leben der großen und zerrissenen Schauspielerin. Was der Autor über sie sagt: Ein AZ-Interview mit Olaf Kraemer.

AZ: Herr Kraemer, Sie waren 23, als Romy Schneider starb und beschreiben ihre letzten Stunden so, als wären Sie in Paris dabei gewesen.

OLAF KRAEMER: Es ist ein Roman. Ich habe mich von Fakten inspirieren lassen und von Informationen aus ihrem früheren Umfeld, von Menschen, die mit ihr gedreht und in der Kantine gesessen haben.

Auch von Laurent Pétin, ihrem letzten Lebensgefährten?

Nein, er spricht nicht über Romys Tod, hat es nie getan.

Er hat sie an jenem Pfingstsamstag 1982 gefunden, um 6.30 Uhr, zusammengekauert in einem Sessel – tot. Herzversagen, hieß es. Aber es gibt bis heute Gerüchte, sie habe sich umgebracht aus Verzweiflung über den Tod ihres Sohnes, getrieben von Schulden, der Angst vor dem Alter.

Ihr Ende ist schon rätselhaft. Es gab keine Autopsie, man hat sich geweigert, die Todesursache festzustellen.

Warum das?

Ich weiß es nicht. Die Legende besagt, das Alain Delon sofort kam – und Laurent Pétin nicht mehr in der Wohnung gesehen wurde. Romys Tagebücher verschwanden, alle Unterlagen, die sie für ihre geplanten Memoiren gesammelt hatte, sind seitdem weg.

Was sollte vertuscht werden?

Keine Ahnung. Vielleicht findet sich das Material irgendwann, bis dahin wird der Mythos weiter leben.

Wollte sie sterben?

Sie wollte wohl nochmal anfangen, aber es war zu spät. Sie hatte keine Kraft mehr.

Obwohl sie eine vierjährige Tochter hatte, die in jener Nacht nebenan schlief.

Sie hätte eine gute Mutter sein können, hätte therapeutische Hilfe bekommen können, aber sie wollte, konnte das wohl nicht. Sie hatte hohe Ansprüche an sich, war von früh an angetrieben worden, große Leistungen zu bringen und verstrickte sich immer mehr in Versagensängste.

Die sie mit Hilfe von Alkohol und Tabletten einigermaßen bewältigt hat. In Ihrem Buch taucht ein „petit docteur“ auf, der ihr starke Beruhigungsmittel verschreibt und eine Injektion spritzt. Gab es ihn wirklich?

Fassbinder hatte so einen Arzt in den 80ern in Paris. Süchtige wie Romy Schneider landen irgendwann in der Illegalität.

Angefangen hat sie als Prinzessin der Herzen in Deutschland – als Sissi.

Sie war der Mittelpunkt einer spießigen Welt, der Blut- und Boden-Ersatz nach dem Dritten Reich. Darunter hat sie schon früh gelitten, auch unter der Nazi-Affinität ihrer Mutter, die in Hitlers Nähe am Obersalzberg wohnte. Gleichzeitig aber war sie damals mit 17 der Arche-Typ einer Prinzessin, fast ein Medium.

Und hat auf den Prinzen gewartet?

Auf den weißen, aber es kam ein schwarzer – Alain Delon.

Fing mit ihm ihre Tragödie an?

Dieser bisexuelle französische James Dean hat sie mitgenommen auf einen wilden Ritt in eine sehr dekadente Welt. Das hat ihr Spaß gemacht. Aber lebbar war’s nicht.

Als er sie verließ, hat sie einen Selbstmordversuch unternommen. Hat sie ihm bis zuletzt nachgetrauert?

Sie hat sich die Zähne an ihm ausgebissen und das hat sie immer wieder gereizt. Sie wollte einen Mann, der sie in die Knie zwang.

Das hat danach Harry Meyen versucht, ihr „Prinz Valium ohne Erektion“.

Der jüdische Intellektuelle sollte die deutsche Sissi geistig fordern, war aber damals schon tablettenabhängig – und hinterließ ihr seine Sucht.

Er erhängte sich 1979, zwei Jahre später verunglückte ihr damals 14-jähriger Sohn. Fühlte sie sich mitschuldig?

Sie hätte professionelle Unterstützung gebraucht, aber sie betäubte ihre Verzweiflung mit zu vielen Drogen. Die unbeschwerten Momente wurden seltener. Irgendwann hat der Schmerz so überwogen, dass sie sich selbst erlöst hat.

War es also doch Selbstmord?

Zumindest hat sie darauf zugearbeitet.

Interview: Renate Schramm

Bücher und Filme zum 70. Geburtstag

Der Mythos Romy Schneider lebt – in dem berührenden Roman „Ende einer Nacht“ (Verlag Blumenbar) von Olaf Kraemer. Neben seinem sensibel gezeichneten Porträt der alkohol- und tablettensüchtigen Schauspielerin, für die nüchtern zu werden zuletzt bedeutete, „dass sich das Leben in eine Operation am offenen Herzen verwandelte“, gibt’s zum 70. Geburtstag am 23. September die aktualisierte, aufwändig recherchierte Biografie „Der Fall Romy Schneider“ (Ullstein). Eine sehr persönliche Annäherung von Michael Jürgs. Außerdem werden derzeit zwei Filme über die Ex-Sissi mit der „zerfaserten Seele“ gedreht: Yvonne Catterfeld spielt sie fürs Kino in „Eine Frau wie Romy“, Jessica Schwarz im ARD-Movie „Romy“.

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