Senta Berger über den Tod geliebter Menschen: "Es wird nie besser"

Senta Berger hat ihren Mann Michael Verhoeven und zuletzt mehrere Weggefährten verloren. In einem neuen Interview spricht die Schauspielerin schonungslos über Trauer - und über eine Filmszene, die ihr besonders naheging.
(ili/spot) |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Schauspielerin Senta Berger war von 1966 bis zu seinem Tod im April 2024 mit Regisseur Michael Verhoeven verheiratet.
Schauspielerin Senta Berger war von 1966 bis zu seinem Tod im April 2024 mit Regisseur Michael Verhoeven verheiratet. © imago/APress / A-way! / Frederic Kern

Senta Berger, die vor einer Woche ihren 85. Geburtstag gefeiert hat, zeigt sich in einem neuen Interview mit dem Magazin "stern" gewohnt meinungsstark. Anlass ist der Deutsche Filmpreis: Berger ist für ihre Rolle in "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" nominiert. Regie führte ihr Sohn Simon Verhoeven (53).

Trauer, Verlust - und eine Szene, die schmerzt

Der Film setzt sich auch mit dem Tod auseinander - ein Thema, das Berger unmittelbar betrifft. Ihr Mann, der Regisseur Michael Verhoeven, starb 2024. Eine Szene, in der ein Sarg aus dem Haus getragen wird, habe ihr Sohn Simon Verhoeven entsprechend mit großer Vorsicht gedreht. Er habe sie an der Hand genommen und gesagt: "Wir müssen da jetzt durch, auch wenn es schwer wird." Es habe die Szenen gegeben, in denen sie Traurigkeit spielen musste, unbewusst sei vielleicht mein wirkliches Traurigsein eingeflossen.

Viele Menschen, die ins Kino gehen, könnten mit dem Thema Verlust etwas anfangen, sagt Berger - weil sie selbst schon jemanden verloren hätten. Über ihre eigenen Erfahrungen spricht sie schonungslos: "Machen Sie sich keine Hoffnung, es wird nie besser. Jeder Tod eines geliebten Menschen ist aufs Neue grausam." Unlängst sind Bergers langjähriger Freund und Filmpartner Mario Adorf sowie Günther Maria Halmer, mit dem sie im Januar 2025 im TV-Film "Weißt du noch" zu sehen war, gestorben. In ihrem Alter kämen diese Nachrichten leider ständig, "das ist sehr schwer".

"Furchtbarer, nervenaufreibender, demütigender" Schauspielerberuf

Die Tragikomödie erzählt auch von der "furchtbaren, nervenaufreibenden, demütigenden" Seite des Schauspielerberufs. "Als Taxifahrer steht man nicht am Strand und zerfleischt sich mit dem Gedanken, wieso ein Gast bei einem anderen einstieg", erklärt Berger. "Diese Gelassenheit können Schauspieler nicht haben." Jede Probeaufnahme, die nicht in einem Engagement mündet, "schmerzt". Man fühle sich hilflos.

Feminismus ja - aber mit Augenmaß

Auch über Machtverhältnisse und Emanzipation spricht Berger in dem Interview - Themen, die sie aus eigener Erfahrung kennt. Auf ihrem Weg von Wien über Hollywood nach München sei sie bereits als Teenagerin immer wieder von Männern an ihre Grenzen gebracht worden. Extreme Szenen beschrieb sie in ihrer Autobiografie. Vielleicht gerade deshalb blickt Berger heute sehr entschieden auf die Debatte. "Emanzipation kann nur mit den Männern funktionieren", sagt sie. Sie halte es für falsch, ein ganzes Geschlecht zu kriminalisieren. "Wieso sollten sich alle Männer dafür entschuldigen, weil ein Christian Ulmen oder sonst jemand seine Frau gedemütigt hat?"

Die AfD und die Mechanismen der Angst

Auch politisch bleibt Berger klar in der Haltung. Direkte Vergleiche zwischen der AfD und den Nationalsozialisten lehnt sie ab - interessanter findet sie die Frage nach den Motiven der Wählerinnen und Wähler: "Was vergleichbar ist, sind eher die Motive der Menschen, solche Parteien zu wählen: Ängste, Enttäuschung, Unsicherheiten. Überall herrscht Wohnungsnot, dann kommen Geflüchtete und haben einen Anspruch auf Unterkunft." Das liefere der AfD vermeintlich einfache Antworten.

Nominierung für den Deutschen Filmpreis

Ein nächstes berufliches - und zugleich sehr persönliches - Highlight könnte für Senta Berger beim Deutschen Filmpreis folgen. Die 76. Verleihung findet am 29. Mai im Palais am Funkturm auf dem Gelände der Messe Berlin statt. Berger ist für ihre Rolle im Film ihres Sohnes Simon Verhoeven, "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke", in der Kategorie Beste weibliche Hauptrolle nominiert. Ihre Konkurrentinnen sind Özgü Namal ("Gelbe Briefe") und Luna Wedler ("22 Bahnen").

Auch der Film selbst geht mit mehreren Nominierungen ins Rennen: "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ist außerdem in den Kategorien Bester Spielfilm, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste männliche Hauptrolle, Beste männliche Nebenrolle und Beste Tongestaltung nominiert.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.