Interview

Sabine Sauer: "Ich liebe richtig - oder gar nicht"

BR-Legende Sabine Sauer im großen AZ-Gespräch über ihr bewegtes Leben, intensive Liebe und ihr frühes Leid.
| Kimberly Hagen
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Intensität und Leichtigkeit, dazwischen bewegt sie sich hin und her: Moderatorin Sabine Sauer.
Intensität und Leichtigkeit, dazwischen bewegt sie sich hin und her: Moderatorin Sabine Sauer. © Ulrich Späth

Fast ein Jahr ist es her, dass sich BR-Legende Sabine Sauer nach 43 TV-Jahren in den (Un)Ruhestand verabschiedet hat. Seitdem: Sendepause.

Doch jetzt können sich ihre vielen Fans freuen - denn die beliebte Moderatorin meldet sich gleich doppelt zurück. Am Freitag ist sie in "Wir in Bayern" zu sehen, der Sendung, deren Aushängeschild sie so lange gewesen ist. Und am 6. Dezember läuft "Lebenslinien: Sabine Sauer - die Frau hinter dem Lächeln".

Die AZ sprach mit der Wahl-Münchnerin über ihr bewegtes Leben, intensive Liebe und frühes Leid.

AZ: Liebe Frau Sauer, "Die Frau hinter dem Lächeln" ist der "Lebenslinien"-Titel zu der Folge mit Ihnen. Wie ist die Frau hinter dem Lächeln?
SABINE SAUER: Ich finde, der ehemalige BR-Intendant Ulrich Wilhelm hat es zu meinem Abschied sehr treffend formuliert: "Intensität und Leichtigkeit." Dazwischen bewege ich mich hin und her. Ich bin ein sehr intensiver Mensch, tiefgründig interessiert, sehr offen, kann mich in Menschen und Themen gut reinfühlen - und gleichzeitig versuche ich, heiter zu sein und selbstironisch. Ich bin froh, mir die Fähigkeit erarbeitet zu haben, auch über mich selbst lachen zu können. Ich bin also intensiv, empfindsam, aber auch leichtfüßig. Das muss sich nicht ausschließen.

Auch empfindlich?
Nein. Im Gegenteil: Ich bin sehr leidensfähig.

Sabine Sauer: "Es ging vor allem um die Optik"

Braucht es ein dickes Fell, um 43 Jahre im Scheinwerferlicht zu stehen?
Ich habe es mir oft gewünscht, aber nie ein dickes Fell bekommen. Stattdessen habe ich gelernt, mit den Mechanismen, die dieser Beruf mit sich bringt, umzugehen. Es gehört halt dazu, ständig beobachtet und bewertet zu werden. Aber: Solange ich selber das Gefühl hatte, einen guten Job gemacht zu haben, war das okay für mich. Dann konnte ich auch gut damit leben, dass nach einer dreieinhalbstündigen Sternstunden-Live-Gala viele nur gesagt haben: Boah, tolles Kleid. Es ging selten um ein besonders gut geführtes Interview oder Ähnliches, sondern vor allem um die Optik.

Hat Sie das auch mal geärgert?
Nein, es hat mich nur amüsiert. Es ist einfach menschlich. Das Publikum springt als Erstes auf das Aussehen an. Das ist im Fernsehen so, darüber muss man sich klar sein.

"Das Zurechtmachen war mein Ritual. Ich war weniger verletzlich"

Wie eitel macht einen dieses Wissen?
Ich habe vor jeder Sendung genau überlegt, was ich anziehe, auf das richtige Licht geachtet und dass ich gut geschminkt bin. Aber dieses ganze Zurechtmachen war keine übertriebene Eitelkeit, sondern mein Ritual - wie ein Ritter, der vor einem Kampf eine Ritterrüstung als Schutzschild überzieht, habe ich mich schön gemacht, um ein gutes Gefühl zu haben. So wusste ich, dass ich weniger verletzlich bin und den Drachen töten kann - meinen inneren Drachen.

Dabei mussten Sie schon früh stark wie eine Ritterin sein - auch ohne Schutzschild. Sie waren zum ersten Mal als Säugling in einem Kinderheim.
Ja, das war ganz schrecklich. Mein Vater war als Theaterregisseur ständig unterwegs, am Arbeiten, selten daheim. Wir sind mit ihm gereist, was aber zur Folge hatte, dass meine Mutter auf meine zweieinhalb Jahre ältere Schwester Gabi und mich alleine aufpassen musste und in jeder neuen Stadt keine Freunde und somit auch keine Hilfe hatte. Dazu erlitt sie einen schweren Autounfall, der ihr noch lange Zeit starke Schmerzen in der Halswirbelsäule bereitete. Sie war phasenweise sehr krank und sehr leidend. Immer, wenn sie länger stationär behandelt werden musste, kamen meine Schwester und ich ins Kinderheim. Mit drei, vier Jahren - da kann ich mich noch daran erinnern, das war eine prägende, unangenehme Zeit.

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Sie mussten also sehr früh sehr erwachsen sein?
Als wir etwas älter waren, haben wir schon früh den Haushalt geschmissen, Essen gekocht, selbst bestimmt, wann wir Hausaufgaben machen. Nicht immer leicht, aber auch ein Privileg, das wir gleichaltrigen Kindern voraushatten. Wir schmissen unser Leben wie kleine Erwachsene. Das war auch ein Gefühl der Überlegenheit. Es gab Zeiten, da haben wir unseren Tagesablauf selbst bestimmt, dazwischen versucht, unsere Mutter aufzumuntern - kurzum: Es hat uns stärker gemacht. Kann auch sein, dass meine Fähigkeit zur Empathie daher rührt.

"Die Ärzte hatten Sorge, dass ich daran sterben könnte"

Mit acht Jahren wurden Sie dann selbst sehr krank.
Ich wurde wegen Rheuma ein Jahr lang ins Bett gesteckt, die Ärzte hatten Sorge, dass sich die Entzündung auf den Herzmuskel ausweitet und ich daran sterben könnte. Aber ich habe mich mit der Situation schnell abgefunden. So wie ich das immer mache, wenn ich etwas nicht ändern kann - ich versuche, die Lage anzunehmen. Blöd fand ich damals eher, dass ich deshalb die vierte Klasse wiederholen musste. Zu der Zeit, als ich Abitur machte, war das Rheuma nach zehn Jahren endlich vorbei.

Ihr Privatleben schirmen Sie bis heute ab - liegt das auch an der ständigen Beobachtung?
Ich glaube, es kostet zusätzlich viel Energie, wenn das Privatleben auch noch in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Außerdem hatte ich immer Männer, die da keinen Wert darauf gelegt haben. Im Gegenteil. Natürlich habe ich Trennungen erlebt, auch sehr schmerzhafte - ich bin froh, dass ich es immer nur mit mir oder meiner Familie ausmachen konnte.

"Ich liebe nicht ein bisschen. Auch da bin ich intensiv"

Verlieben Sie sich leicht?
Ich kenne den berühmten Blitz, der einschlägt, aber auch ein langsames vorsichtiges Anbandeln. Was aber meine Beziehungen eint: Ich liebe nicht ein bisschen. Ich liebe entweder richtig - oder gar nicht. Auch da bin ich also intensiv. Was ich gar nicht mag: zu sehr eingeengt zu werden. Ich bin Sternzeichen Fische, brauche meinen Freiraum und liebe es auch sehr, mit mir allein zu sein.

Wie ist das Leben im - jetzt kommt wieder dieses uncharmante Wort - Ruhestand?
Unruhig, zum Glück. Ich muss mir nicht jeden Tag überlegen, was ich anziehe, schminke mich weniger - und war in diesem Jahr gleich drei Mal im Urlaub. Das gab es zu BR-Zeiten so nie. Mit dem Yoga wollte ich anfangen, das habe ich bis heute noch nicht geschafft, weil doch immer was zu tun ist. Ich konzipiere wieder eigene Bühnenprogramme, habe einige True-Crime-Podcasts aufgenommen und eben die "Lebenslinien" gedreht.

Schauen Sie jetzt mehr oder weniger fern als früher?
Etwas mehr und anders - vor allem länger. Die besten Sachen wie spannende Dokus oder Spielfilme kommen sehr spät. Deshalb gehe ich jetzt auch mal um halb eins ins Bett, das war früher nicht der Fall.

Schalten Sie auch bei "Wir in Bayern" rein?
Wenn ich nachmittags Zeit habe, mache ich das tatsächlich. Ohne Wehmut, mit großer Freude. Ich kann die Sendung genießen, ohne arbeiten zu müssen. Genuss ohne Leistung - ein Traum. Die Kollegen machen das toll, ich habe zur richtigen Zeit aufgehört. Wenn ich heute zurückblicke, habe ich vielleicht nicht immer nur Glück gehabt, kein Mensch hat das, aber ich bin doch ein Glückskind. Das ist ein sehr gutes Gefühl.


Sabine Sauer ist am Freitag, 3.12. zu Gast bei "Wir in Bayern" (Bayerisches Fernsehen, 16.15 Uhr) und in "Lebenslinien" (6.12., Bayerisches Fernsehen, 22 Uhr)

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