Ruder-Sensation zwischen Ratzeburg und Rom: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Karl Adam, der Name ist heute nur noch wenigen Menschen ein Begriff, immerhin ist der Mann auch schon seit 50 Jahren tot. Dieser Karl Adam allerdings hatte entscheidenden Anteil an einem der größten Erfolge der deutschen Rudergeschichte und genoss in der Szene über Jahrzehnte ein enorm hohes Ansehen. Ein neues Biopic mit Oliver Masucci in der Hauptrolle erinnert nun an den Trainer mit dem vielsagenden Spitznamen "Ruderprofessor".
Außerdem neu in dieser Woche: "Pressure" erzählt die Geschehnisse rund um den D-Day 1944 aus der Perspektive eines Meteorologen, und in "Coyote vs. ACME" treffen sich diverse Größen aus dem "Looney Tunes"-Franchise vor Gericht.
Adams Acht
"Ruderprofessor", der Beiname kam durchaus nicht von ungefähr. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Karl Adam als Oberstudienrat für Mathematik, Physik sowie für Leibeserziehung in Ratzeburg tätig. Er befasste sich intensiv mit sporttheoretischen Fragen (von ihm stammt etwa das Konzept eines "mündigen Athleten", der selbst über den Einsatz von Hilfsmitteln wie Anabolika entscheiden solle) und verfasste Schriften wie "Leistungssport - Sinn und Unsinn". Sein Ruhm ging aber vor allem auf seine konkreten Verdienste für den deutschen Rudersport zurück.
Die Filmbiografie "Adams Acht" von Regisseur Hannu Salonen ("Die Toten vom Bodensee", "Oktoberfest 1900") konzentriert sich vor allem auf die Olympischen Spiele 1960 in Rom und den Weg dorthin. In Ratzeburg, nahe der Grenze zur DDR, formt Karl Adam (Oliver Masucci) ab den späten 50er-Jahren ein neues Team für den Ruderachter. Die jungen Sportler, Nachkommen einer schwer geschädigten Weltkriegsgeneration, bringen alle viel persönlichen Ballast mit. Zudem eckt Karl Adam mit seinen unkonventionellen Trainingsmethoden immer wieder an. Trotzdem gelingt die Qualifikation für Olympia - das alleine ist schon eine kleine Sensation ...
Das Drehbuch zu "Adams Acht" verfassten Domenik Pockberger und Stephan Falk. Neben Hauptdarsteller Oliver Masucci standen für das prominent besetzte Biopic-Projekt unter anderem Felix Kammerer, Svenja Jung, Heino Ferch und Axel Milberg vor der Kamera. Beim Festival des deutschen Films wurde "Adams Acht" zuletzt bereits mit dem Rheingold Publikumspreis ausgezeichnet.
Karl Adam starb 1976 im Alter von 64 Jahren. Dass seine Geschichte - zumindest in Teilen - gerade jetzt in einem Kinofilm erzählt wird, ist womöglich kein Zufall. Nachdem vor ein paar Jahren bereits Adams Aktivitäten im Dritten Reich öffentlich ausgeleuchtet worden waren (er arbeitete als Lehrer in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Napola), beschäftigte sich zuletzt auch der Deutsche Ruderverband DRV konkret mit Karl Adam. Im Zuge der Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit beschloss der Verband 2025, den bis 2024 jährlich verliehenen "Karl-Adam-Preis" bei deutschen Meisterschaften nicht mehr zu vergeben.
Pressure
Schon viele Filme und Serien befassten sich mit den Ereignissen des D-Day, die Figur des James Stagg spielte dabei aber bislang nie eine Rolle. James Stagg war kein führender Politiker oder General, und er war auch keiner der 160.000 alliierten Soldaten, die am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten. Stagg war der Mann fürs Wetter, ein Meteorologe, und als solcher durchlebte er rund um den D-Day ein paar Tage, die unfassbar stressig und belastend gewesen sein müssen. Genau davon erzählt der neue Kinofilm "Pressure" (deutsch: "Druck").
"Das Wetter kann uns vernichten", heißt es im Trailer zu "Pressure". Das bezieht sich hier nicht nur auf Naturkatastrophen wie Stürme und Fluten, sondern ganz konkret auf die Durchführung der "größten amphibischen Landungsoperation der Geschichte". Um Hitler zu stoppen, sollen im Rahmen einer Geheimoperation Hunderttausende Soldaten in der Normandie landen. Eine extrem heikle Operation, bei der alles minutiös geplant ist und nichts schiefgehen darf. Nur auf das Wetter hat man eben keinen Einfluss.
Um möglichst "perfekte" Bedingungen für die Landung an der Atlantikküste zu gewährleisten, zieht der amerikanische General Dwight D. Eisenhower ("The Whale"-Star Brendan Fraser mit Halbglatze) den britischen Chefmeteorologen James Stagg (Andrew Scott) als Berater hinzu. Er soll den Politikern und Militärs präzise vorhersagen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um die "Operation Overlord" zu starten, und er sollte sich möglichst nicht verschätzen. "Der Ausgang des Krieges, Tausende Menschenleben hängen davon ab."
Bei "Pressure" handelt es sich um eine französisch-britische Co-Produktion unter Regie von Anthony Maras. Als Vorlage diente ein gleichnamiges Theaterstück von David Haig, der gemeinsam mit Maras auch das Drehbuch zum Film erarbeitete. Obwohl gewisse historische Ungenauigkeiten bemängelt wurden, erntete das Drama nach der Premiere im Mai überwiegend positive Kritiken - eine ebenso spannende wie originelle neue Perspektive auf einen der wichtigsten und dramatischsten Tage der neuzeitlichen Geschichte.
Coyote vs. ACME
Kleister, Bomben, Raketen, Ambosse, Katapulte, Sprungfedern ... Was hat der arme Wile E. Coyote nicht alles versucht, um den Road Runner endlich einzufangen. Immer neue Vorrichten und Gerätschaften zog er aus den berühmten großen ACME-Transportkisten, immer in der Hoffnung, dass es diesmal klappen würde. Am Ende stürzte er dann aber doch immer wieder selbst in irgendein Loch oder landete unter einem tonnenschweren Felsbrocken, weil der Roadrunner stets etwas schlauer war - "meep, meep!". Jetzt, nach all den Jahren, hat Wile endgültig genug davon und zieht vor Gericht - gegen ACME!
"Coyote vs. ACME", die Idee ist schon einigermaßen genial, ging aber anders als die vielen ikonischen Jagden zwischen Coyote und Road Runner nicht aus der berühmten "Looney Tunes"-Trickfilmreihe hervor. Als Vorlage diente ein satirischer Artikel, den US-Journalist Ian Frazier schon 1990 im "New Yorker"-Magazin veröffentlichte. 2018 begann schließlich, auch mit manchen Raketen-Fehlzündungen und Abstürzen in tiefe Gruben, die Arbeit an einer Mischung aus Real- und Animationsfilm, die zwischendurch mehrfach wieder eingestampft werden sollte, aber nun doch noch den Weg auf die Leinwand findet.
Wrestling-Star John Cena, Lana Condor und Will Forte wirken vor der Kamera mit, Dave Green führte Regie. Zum Autoren- und Produzententeam hinter "Coyote vs. ACME" gehört unter anderem DC-Kreativchef James Gunn, der sich jenseits von Superman und Batman mal ein charmantes kleines Nebenprojekt gegönnt hat.
Wile E. Coyote hat nach all den Misserfolgen also genug von seiner Jagd auf den Road Runner und klagt jetzt gegen ACME, also die Firma, die ihm von Dynamit bis Raketenauto all diesen letztlich nutzlosen Schrott zuschickte. Als Anwalt engagiert er den Loser-Typen Kevin Avery (Will Forte), die Gegenseite wird vertreten von dem selbstbewussten Buddy Crane (John Cena). Im Zeugenstand und daneben - erwartungsgemäß geht es in dieser Komödie ziemlich drunter und drüber - tauchen derweil viele alte Bekannte auf, zum Beispiel Schweinchen Dick, Elmer Fudd, Yosemite Sam, Sylvester und Tweety sowie Daffy Duck und Bugs Bunny. Viele große Namen, eigentlich alles gegeben für einen echten Jahrhundertprozess!