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Royale Skandale am Fließband: Queen Elizabeth II. konnten sie (fast) nichts anhaben

Tintenfischchen und Tampons, Naziuniform, Zehennuckler und Rittmeister – Elizabeth blieb cool. Leider auch im falschen Moment.
| Martina Scheffler
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Wo ist unsere Queen?
Wo ist unsere Queen? © picture-alliance / dpa

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Das mag auch die Queen manchmal gedacht haben, wenn ihre Kinder die Schlagzeilen in aller Welt beherrschten, mit Dingen, mit denen man nicht mal innerhalb der Familie hausieren gehen möchte. Ob sie sich dann gefragt hat, ob sie eine gute Mutter war?

Hinter den Kulissen war es wohl nicht so idyllisch

Nach ihrem Tod bedankte sich Sohn Charles für ihre Liebe und Hingabe, doch so idyllisch war es hinter den Kulissen wohl nicht immer: Kindermädchen erzogen wie damals üblich den königlichen Nachwuchs. Angeblich wurde little Charles nach der Rückkehr der Mutter von Auslandsreisen für ein Wiedersehensfoto herbeigeholt und dann wieder der Nanny in die Arme gedrückt.

Und auch dem liebenden Gatten Prinz Philip wurde nachgesagt, dass seine Liebe noch für viel mehr Damen reichte. Die Queen besitze Toleranz im Überfluss, lobte der Prinz vielsagend am Ende seines Lebens.

Prinz Philip 1946 in seiner Marine-Uniform.
Prinz Philip 1946 in seiner Marine-Uniform. © imago/United Archives International

Richtig schlimm wurde es erst, als die Kinder groß waren - und die Schwester. In den 50er Jahren war es ein Skandal, dass Prinzessin Margaret, die kleine Schwester der Queen, einen geschiedenen Kriegshelden liebte. Peter Townsend hieß der Mann ihres Lebens. Er war nicht standesgemäß.

Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester der Queen, mit ihrem heimlichen Geliebten Peter Townsend.
Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester der Queen, mit ihrem heimlichen Geliebten Peter Townsend. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Ein Skandal nach dem anderen

Und da Margaret auf ihren Platz in der Thronfolge und eine stattliche Apanage nicht verzichten wollte, heiratete sie einen anderen, ließ sich scheiden, wurde depressiv und trank. Und starb 20 Jahre vor der Queen.

Charles und Diana? Eine Tragödie vor den Augen der Welt. Di allein vor dem Liebessymbol Taj Mahal, das berühmte TV-Interview der Prinzessin von Wales ("Wir waren zu dritt in der Ehe, es war ein bisschen überfüllt"), die Gerüchte um "Rittmeister" James Hewitt als Vater von Prinz Harry (das rote Haar!), der Autohändler, der Diana "Tintenfischchen" nannte, Charles' Wunsch, ein Tampon von Camilla zu sein - es ging immer noch unappetitlicher.

Diana im Februar 1992 allein vor dem Taj Mahal in Indien - Charles fehlt sichtlich.
Diana im Februar 1992 allein vor dem Taj Mahal in Indien - Charles fehlt sichtlich. © picture alliance / Martin Keene/PA Wire/dpa

Die Queen blieb ruhig – vielleicht zu ruhig?

1992 war das "annus horribilis" der Queen: die Trennung des Kronprinzenpaares, der Brand auf Schloss Windsor und dann noch die wilde Fergie, Frau von Elizabeths zweitältestem Sohn Andrew, die von Paparazzi erwischt wurde, wie sie sich von einem Anderen an den Zehen nuckeln ließ. Doch die Queen blieb cool.

Diese Haltung, die ihr durch alle anderen Skandale half, brachte im falschen Moment allerdings die Monarchie ernsthaft in Gefahr. Als Diana 1997 mit ihrem Geliebten Dodi Al-Fayed in einem Pariser Tunnel starb und das britische Volk in eine nationale Hysterie taumelte, war Coolness fehl am Platz.

Vor dem Palast haben Trauernde nach Dianas Tod Tausende Blumen abgelegt.
Vor dem Palast haben Trauernde nach Dianas Tod Tausende Blumen abgelegt. © picture alliance / John Stillwell/PA/epa/dpa

Wo ist unsere Königin?

Dass die Queen auf ihrer Sommerresidenz Balmoral blieb, die Fahne auf dem Buckingham-Palast nicht auf halbmast wehte und das Staatsoberhaupt eisern schwieg, verursachte beinahe eine Staatskrise. Zeitungen titelten: "Wo ist unsere Königin? Wo ist ihre Fahne?", "Zeigen Sie uns, dass Sie Anteil nehmen" oder "Sprechen Sie zu uns, Ma'am!"

Premier Tony Blair musste die Queen fast zwingen, sich an die trauernde Nation in einer TV-Ansprache zu wenden. "Was ich Ihnen jetzt sage, als Königin und als Großmutter, sage ich von Herzen: Zuerst möchte ich selbst Diana Anerkennung zollen..." Gerade noch rechtzeitig bekam Elizabeth die Kurve. Sie neigte ihr Haupt vor Dianas Sarg - da war das Volk wieder versöhnt.

September 1997: Fernsehansprache der Queen zum Tode von Diana.
September 1997: Fernsehansprache der Queen zum Tode von Diana. © picture-alliance / dpa

Trotz Naziuniform und Vergewaltigungsvorwurf – die Queen blieb cool

In den kommenden Jahren kehrte weitgehend Ruhe ein. Ärger machte Elizabeths Lieblingsenkel Harry, der 2005 als aufgabenloser Dritter in der Thronfolge häufig über die Stränge schlug und in Naziuniform auf einer Party auftauchte.

2005: Harry mit Hakenkreuz-Armbinde.
2005: Harry mit Hakenkreuz-Armbinde. © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Und der Lieblingssohn der Queen, Prinz Andrew, "Randy Andy" genannt, geiler Andy, spielte jüngst eine Hauptrolle im Missbrauchskandal um Jeffrey Epstein, sah sich mit dem Vorwurf der Vergewaltigung einer Minderjährigen konfrontiert. Er einigte sich außergerichtlich - mit Geld. Militärischer Rang, Königliche Hoheit, das erkannte die Queen ihm ab. Doch fallen ließ sie ihn nicht. Sie blieb wie immer cool.

Londoner Bus mit Andrew-Foto: Wer ihn sieht, solle ihm sagen, er solle das FBI anrufen und Fragen beantworten.
Londoner Bus mit Andrew-Foto: Wer ihn sieht, solle ihm sagen, er solle das FBI anrufen und Fragen beantworten. © picture alliance/dpa/PA Wire

Im nächsten Teil lesen Sie: Die Schlösser der Queen – von Windsor bis Balmoral

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