Richard David Precht jubelt bei Markus Lanz über AfD-Forderung: "Ein Skandal"

Markus Lanz und Richard David Precht haben in der neusten Folge ihres Podcasts "Lanz + Precht" über das selbst sogenannte "Regierungsprogramm" der AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gesprochen. Dabei übt das Duo viel Kritik, sieht aber auch positive Ansätze.
Gianluca Reucher |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Richard David Precht (links) und Markus Lanz haben über das Programm der AfD gesprochen.
ZDF 2 Richard David Precht (links) und Markus Lanz haben über das Programm der AfD gesprochen.
Richard David Precht (links) sieht im Podcast mit Markus Lanz auch positive Ansätze der AfD.
ZDF / Christian Bruch 2 Richard David Precht (links) sieht im Podcast mit Markus Lanz auch positive Ansätze der AfD.

"Das hat es in sich. Vor allem die Sprache hat es in sich", sagt Markus Lanz zu Beginn des Podcasts "Lanz + Precht" über das von der AfD selbst sogenannte "Regierungsprogramm" der Partei für Sachsen-Anhalt. Am 6. September wird dort ein neuer Landtag gewählt. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die AfD mit über 40 Prozent deutlich vorne. Doch was plant Spitzenkandidat Ulrich Siegmund überhaupt genau und inwiefern ist das realistisch umsetzbar? Dem wollen Markus Lanz und Richard David Precht auf den Grund gehen.

Dabei sehen die beiden Podcaster auch einige positive Ideen, die "weder rassistisch noch demokratiefeindlich sind", wie der ZDF-Moderator sagt. Beispielsweise die geplante Meister-Prämie für Handwerker, das Finanzieren des Studiums für Ärzte und der Führerschein-Zuschuss für Auszubildende. "Da siehst du, dass die nah dran sind an den Leuten. Dass die verstehen, was die Sorgen der Leute sind", meint Lanz. Aber: "Die Frage ist natürlich bei alledem, wer das bezahlen soll", merkt der Polittalker an. Denn das gehe aus dem Programm nicht hervor.

"Bis auf die AfD traut sich keiner dahinzugehen und das zu sagen"

Besonders angetan ist Richard David Precht aber von der Ambition, das europaweite Bologna-System zu beenden. "Es ist doch ein Skandal, dass wir diese völlig berechtigte Forderung der AfD überlassen. Ich wünschte mir, die käme von allen Parteien", meint der TV-Philosoph.

Die 1999 gestartete Reform habe das Studium in ganz Europa vereinheitlicht, aber auch beschleunigt, "um der Wirtschaft jüngere Arbeitskräfte zuzuführen", erklärt Precht: "Das Ergebnis ist, dass die Wirtschaft mit diesen jüngeren Arbeitskräften im Regelfall sehr, sehr unzufrieden ist, weil da ein gewisser Reifungsprozess fehlt." Die Selbstwahl und nötige Eigenverantwortung sei dem Bologna-System zum Opfer gefallen, führt er weiter aus.

Seiner Meinung nach wäre "eine ganz große Universitäts-Reform notwendig und gleichzeitig eine Abschaffung der Bologna-Reform, die sowieso nie zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat - und das Ärgerliche ist: Bis auf die AfD traut sich keiner dahinzugehen und das zu sagen",

Markus Lanz über AfD-Regierung: "Davor muss man warnen"

"Vollkommen dagegen" ist Richard David Precht wiederum bei dem Punkt, dass es mehr Geld und Vorteile für mehr Kinder in Sachsen-Anhalt geben soll. Er führt aus: "Das Problem, was Sachsen-Anhalt hat, ist nicht eine Frage der absoluten Bevölkerungszahl, sondern das Problem ist, dass sehr viele junge Leute und Frauen weggegangen sind."

Auch beim Thema Migration und den geforderten Sonderklassen für Geflüchtete äußern Lanz und Precht deutliche Skepsis. "Man will dafür sorgen, dass Kinder, die neu in dieses Land kommen, sich gar nicht so wirklich integrieren, weil man sie eigentlich bereits wieder auf ihre mögliche Abreise vorbereiten will", so Lanz.

Der ZDF-Moderator fasst mit Blick auf Sachsen-Anhalt und die AfD zusammen: "Die haben das gleiche Thema, das alle haben. Die stehen vor leeren Kassen, die haben einen Haufen Schulden, die haben ein demografisches Problem (...) und man könnte dann sagen, die werden sich entzaubern."

"Ich glaube aber, dass man davor warnen muss", sagt Lanz weiter und skizziert seine Vorstellung davon, was passieren könnte, wenn die AfD an die Macht kommt: "Du gehst am ersten Tag hin, kündigst den Rundfunk-Staatsvertrag mit dem MDR. Gehst am zweiten Tag hin und kündigst die Verträge mit den Kirchen. Du wirst am dritten Tag anfangen, Leute zu piesacken, die irgendwas mit Regenbogenfahnen zu tun haben. Und dann werden deine eigenen Anhänger erst mal jubeln, weil sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mögen, weil sie die Kirche nicht mögen, weil sie Leute mit Regenbogenfahnen auch nicht mögen. Und dann werden all diese Leute aber ihrerseits dagegen klagen und das wird das ganze Land für Wochen und für Monate und für Jahre juristisch beschäftigen."

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.