"Reißleine gezogen": Was wirklich hinter den Konzert-Absagen von Max Giesinger und Co. steckt

Wenn die Ticketkäufer ausbleiben, müssen manche Konzerttermine gestrichen werden. Eine Erfahrung, die zuletzt Künstler wie Wincent Weiss, Gabriel Kelly und Max Giesinger machen mussten. Wie steht es wirklich um die aktuelle Veranstaltungslandschaft?
Eva Meeks
Eva Meeks
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
1  Kommentar
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Max Giesinger und Wincent Weiss mussten zuletzt Konzerte absagen.
Max Giesinger und Wincent Weiss mussten zuletzt Konzerte absagen. © imago/Eventpress

Die Meldungen der vergangenen Wochen ließen auf eine Krise in der aktuellen Eventlandschaft schließen: Trotz großer Fanbase mussten Künstler wie Max Giesinger (37), Wincent Weiss (33) oder Gabriel Kelly (25) zugeben, dass ihre Ticketverkäufe teilweise nicht ausreichten – und einzelne Termine oder gar eine ganze Tournee streichen. Nachdem in der AZ bereits ein Medienexperte seine Einschätzung geäußert hat, spricht nun ein Fachmann aus der Veranstaltungsbranche.

Branchenexperte zur AZ: "Da wurde die Reißleine gezogen"

Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) versteht sich als Sprachrohr für die deutsche Eventbranche. Geschäftsführer Johannes Everke erklärt in der AZ, was wirklich hinter den Konzertabsagen von Max Giesinger, Wincent Weiss und Gabriel Kelly steckte: "Die Kosten der Konzerte waren viel höher als das, was durch den Verkauf von Tickets eingenommen wurde. Und da wurde dann mal die Reißleine gezogen." Der Experte ergänzt jedoch: "Zum Glück kommt das bei unseren rund 300.000 Konzert- und Show-Veranstaltungen pro Jahr nur selten vor."

Aber hat sich das Kaufverhalten der Fans allgemein verändert? "Das kommt sehr auf die jeweilige Veranstaltung an. Bei manchen Konzerten oder Festivals glühen die Drähte, sobald der Vorverkauf beginnt, das sind oft die Shows von Stars wie Taylor Swift, Harry Styles oder Oasis. Bei anderen warten die Fans länger und besonders die Jüngeren entscheiden gerne auch spontan", schildert Johannes Everke in der AZ. "Dabei spielt eine Rolle, dass die Ticketpreise in den letzten Jahren generell gestiegen sind und solche Superstar-Konzerte ohnehin teurer sind."

Johannes Everke ist Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft mit Sitz in Hamburg.
Johannes Everke ist Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft mit Sitz in Hamburg. © Christoph Mangler

Als "zurückhaltender" möchte der Experte das Publikum aber keineswegs bezeichnen: "Derzeit haben wir die höchste Zahl wiederkehrender Besucher, die Fans sind uns also treu", stellt Johannes Everke klar. "Nur, wer sein Geld mit wenigen, teuren Tickets bereits ausgegeben hat, leistet sich in Summe eben weniger Konzerte. Die Leute drucken das Geld ja nicht zu Hause."

"Künstlerhonorare haben sich teilweise verdreifacht"

Steigende Veranstaltungskosten stellen für den Experten den entscheidenden Punkt in der Angelegenheit dar: "Seit 2019 sind die Produktionskosten wie zum Beispiel Personalkosten, Technik, Sicherheit oder Transportkosten um rund 50 Prozent gestiegen, Künstlerhonorare haben sich teilweise verdreifacht."

"Verlust einfach zu groß": So kam es zu Konzertabsagen um Wincent Weiss und Co.

Außerdem würden Musiker heutzutage aus Streams und CD-Verkäufen kaum noch Geld verdienen, hätten jedoch weiterhin ganze Teams hinter sich stehen: "Die jetzt ganz wesentlich von den Live-Auftritten leben", erklärt Johannes Everke. "Die gestiegenen Kosten führen dann zu teureren Konzerttickets, können aber nicht komplett an die Fans weitergereicht werden. Also werden die Gewinne immer kleiner und dann kann es auch mal sein, dass ein Konzert abgesagt werden muss, weil der Verlust einfach zu groß ist."

Sänger Gabriel Kelly freute sich auf seine Tournee. Bis auf einen Termin in Rostock musste der "Let's Dance"-Sieger jedoch alle Termine absagen. Ausbleibende Ticketverkäufe machten die Tour nicht wirtschaftlich.
Sänger Gabriel Kelly freute sich auf seine Tournee. Bis auf einen Termin in Rostock musste der "Let's Dance"-Sieger jedoch alle Termine absagen. Ausbleibende Ticketverkäufe machten die Tour nicht wirtschaftlich. © imago/Sven Simon

In der digitalen Welt: "Das gemeinsame, echte Erlebnis wird wichtiger"

Abschließend wollte die AZ von Johannes Everke wissen, ob es sich nur um eine vorübergehende Marktphase handele oder einen langfristigen Wandel. "Wir erleben eine Veränderung im Konzertgeschäft, aber nicht erst seit heute. Die große Aufmerksamkeit liegt bei den Superstars und bei den Altstars, die länger auf Tour bleiben als früher. Denn auch die leben von ihrem Konzertgeschäft", weiß der Experte. "Gleichzeitig drängen viele neue Künstler in den Markt und haben es schwer, sich durchzusetzen. Das heißt, dass wir ein großes und an manchen Stellen wachsendes Angebot haben, leider bei steigenden Preisen."

Dennoch zeigt sich Johannes Everke positiv. Der Geschäftsführer des BDKV meint: "Was uns optimistisch macht, ist, dass das gemeinsame, echte Erlebnis in der immer digitaleren Welt wichtiger wird. Nicht nur für unsere älteren Fans, gerade auch die jungen Zielgruppen geben das an." Und weiter: "Konzerte werden die Menschen also ganz sicher auch in Zukunft bewegen und begeistern."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • FredC2 vor 8 Stunden / Bewertung:

    Alles ist halt kurzlebiger als früher, sprich' die Halb(bekanntheits)wertszeit der Künstler nimmt heutzutage gegenüber früher stark ab.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.