Konzertabsage nach Ticket-Fiasko: Max Giesinger "ist kein Einzelfall mehr"

Wincent Weiss, Gabriel Kelly und nun auch Max Giesinger: Wegen enttäuschender Ticketverkäufe mussten in den vergangenen Wochen mehrere Künstler ihre Konzerttermine absagen. Was hinter dieser Entwicklung steckt? Die AZ hat bei einem Experten nachgehakt.
Eva Meeks
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Weil sie nicht genügend Tickets verkaufen konnten, mussten Wincent Weiss, Gabriel Kelly und Max Giesinger vereinzelte Konzerttermine streichen.
Weil sie nicht genügend Tickets verkaufen konnten, mussten Wincent Weiss, Gabriel Kelly und Max Giesinger vereinzelte Konzerttermine streichen. © imago/Imagepool/PanamaPictures/FutureImage

Eigentlich wollte Wincent Weiss (33) im August ein großes Open-Air-Konzert in Willingen spielen – wegen schlechter Ticket-Verkäufe wurde dieses jedoch abgesagt. Für seinen Kollegen Gabriel Kelly (25) kam es noch dicker: Der "Let's Dance"-Sieger erklärte seine komplette Tournee (bis auf einen Termin) wegen enttäuschender Sales-Zahlen für gestrichen. Und nun sagt auch Max Giesinger (37) aus diesem Grund ein August-Konzert ab. Was ist nur los in der deutschen Musiklandschaft? In der AZ klärt ein Experte über die möglichen Hintergründe auf.

Konzertabsagen von Max Giesinger und Co.: "Kein Einzelfall mehr"

Die aktuelle Häufung von gestrichenen Konzertterminen wirft natürlich die Frage auf: Befindet sich die Branche in einer Krise – oder täuscht das und es handelt sich um Zufälle? "Nein, das ist kein Einzelfall mehr", weiß Medienexperte Ferris Bühler. "In den vergangenen Wochen haben gleich mehrere Künstler öffentlich eingeräumt, dass ihre Ticketverkäufe nicht ausreichen", sagt er der AZ.

Für Experten spreche diese Entwicklung eine klare Sprache: "Der Konzertmarkt ist deutlich anspruchsvoller geworden. Während die ganz großen Stars ihre Stadien weiterhin füllen, kämpfen viele Künstler der zweiten Reihe oder Newcomer zunehmend darum, genügend Publikum zu mobilisieren." Die Schere zwischen Superstar und solidem Künstler gehe laut Bühler auf "wie ein Reißverschluss": "Das hat weniger mit mangelnder Qualität zu tun als mit einem Markt, der schlicht übervoll geworden ist", so der Experte.

Ferris Bühler ist Medienexperte und schätzt in der AZ die aktuelle Lage um Konzerte und Ticketverkäufe ein.
Ferris Bühler ist Medienexperte und schätzt in der AZ die aktuelle Lage um Konzerte und Ticketverkäufe ein. © Thomas Buchwald

Medienexperte zur AZ: "Follower bedeuten nicht automatisch Ticketkäufer"

Für Ferris Bühler stecken hinter der aktuellen Entwicklung mehrere entscheidende Faktoren: "Erstens gibt es heute ein riesiges Live-Angebot. Dadurch müssen die Menschen viel bewusster auswählen, wofür sie ihr Geld ausgeben", weiß der Experte. "Zweitens sind Konzerte durch gestiegene Produktionskosten deutlich teurer geworden."

Als dritten Faktor nennt Ferris Bühler das Phänomen, dass viele die Wirkung von Social Media schlichtweg überschätzen würden: "Hunderttausende Follower bedeuten eben nicht automatisch Tausende Ticketkäufer", so der Medienprofi. "Ein Like ist schnell vergeben, ein Konzertticket ist eine echte Kaufentscheidung. Genau dieser Unterschied wird derzeit vielen Künstlern schmerzhaft bewusst."

Konzerttermin nicht wirtschaftlich: "Emotional für Künstler extrem hart"

Doch wer fällt letztendlich die schmerzvolle Entscheidung, einen Konzerttermin oder gar eine ganze Tour platzen zu lassen? "Das entscheidet in der Regel nicht der Künstler allein. Veranstalter, Tourneeveranstalter, Management und teilweise auch die Produktionsfirma rechnen gemeinsam durch, ob sich eine Show wirtschaftlich verantworten lässt", weiß Ferris Bühler. "Wenn absehbar ist, dass die Einnahmen die Kosten für Personal, Technik, Hallenmiete, Transport und Produktion nicht decken, bleibt oft nur die Absage. Emotional ist das für Künstler extrem hart. Wirtschaftlich ist es manchmal aber die einzig vernünftige Entscheidung."

Max Giesinger musste ein Konzert in Thüringen absagen. "Diese Entscheidung ist mir überhaupt nicht leicht gefallen", gestand er in seiner Instagram-Story.
Max Giesinger musste ein Konzert in Thüringen absagen. "Diese Entscheidung ist mir überhaupt nicht leicht gefallen", gestand er in seiner Instagram-Story. © imago/Hartenfelser

Experte über möglichen Imageschaden: "Karriere definiert sich nicht über einen Rückschlag"

Ein Konzert oder eine Tour abzusagen, fällt vermutlich keinem Künstler leicht: Wer möchte schon ein gebrandmarktes Image haben? Wincent Weiss, Gabriel Kelly und Max Giesinger haben sich dennoch für Transparenz entschieden und auch aus ihrer Enttäuschung kein Geheimnis gemacht. Der einzig richtige Weg, wie Ferris Bühler schildert: "Eine abgesagte Tour ist heute kein Karriereurteil mehr. Entscheidend ist, wie offen und glaubwürdig man damit umgeht. Gabriel Kelly hat den Schritt transparent erklärt und genau das schafft Verständnis statt Spekulationen. Viele erfolgreiche Künstler haben in ihrer Laufbahn Rückschläge erlebt."

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Der Medienexperte findet sogar: "Oft ist eine kleinere, gut besuchte Tour wertvoller als eine zu groß geplante Tour mit halbleeren Hallen." Eine Karriere definiere sich nicht über einen Rückschlag, sondern darüber, wie man danach weitermache: "Die eigentliche Geschichte ist deshalb nicht, dass einzelne Künstler Konzerte absagen müssen. Die eigentliche Geschichte ist, dass sich der Live-Markt verändert hat", so Ferris Bühler zur AZ. "Aufmerksamkeit lässt sich heute leicht erzeugen, aber Menschen tatsächlich dazu zu bewegen, ein Ticket zu kaufen, ist deutlich schwieriger geworden. Genau darin liegt heute die größte Herausforderung für Künstler und ihr Management."

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