Ralph Siegel nach Lungenentzündung im künstlichen Koma: Das sagt ein Arzt

Seit Tagen bangen Familie und Freunde um ESC-Legende Ralph Siegel (80), der nach einer schweren Lungenentzündung in einem Münchner Krankenhaus im künstlichen Koma liegt.
Pneumologe erklärt: So kommt es zu einer Lungenentzündung
Doch was macht eine Lungenentzündung im höheren Alter eigentlich so gefährlich und wann müssen Patienten wie der Hit-Komponist tatsächlich ins künstliche Koma versetzt werden? Die AZ hat bei einem Lungen-Experten nachgefragt.
Dr. Thomas Hölting ist Chefarzt der Pneumologie an der Schön Klinik, die auch zwei Standorte in München (Harlaching und Schwabing) besitzt. "Eine Lungenentzündung entsteht, wenn Krankheitserreger in das Lungengewebe gelangen und dort eine Entzündung auslösen. Häufig sind Bakterien zum Beispiel Pneumokokken verantwortlich", sagt der Lungenfacharzt.

Typische Warnzeichen wie Fieber, Schüttelfrost oder Schmerzen beim Atmen müssen aber nicht auf jeden zutreffen: "Gerade bei älteren Menschen kann eine Pneumonie (Lungenentzündung, d. Red.) auch untypisch verlaufen: Verwirrtheit, Benommenheit, Appetitlosigkeit, Stürze oder eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands können erste Hinweise sein", so Thomas Hölting.
Lungenentzündung: Darum wird sie bei älteren Menschen schnell gefährlich
Dass gerade ältere Menschen häufig so mit einer Lungenentzündung kämpfen, liege etwa an der körperlichen Reserve, die mit zunehmendem Alter abnehme: "Das Immunsystem reagiert oft weniger schnell und weniger stark, der Hustenreflex kann abgeschwächt sein und Begleiterkrankungen belasten Herz, Lunge und Kreislauf zusätzlich. Dadurch kann sich eine Lungenentzündung schneller zu einem schweren Krankheitsbild entwickeln", sagt der Pneumologe zur AZ.
Viermal Krebs: Hit-Produzent Ralph Siegel hat lange Krankheitsgeschichte
Im Fall des 80-jährigen Hit-Produzenten kommt hinzu: Ralph Siegel hat bereits eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich: Viermal hat der Komponist bereits den Krebs besiegt, er leidet zudem an einer Nervenkrankheit namens Polyneuropathie.
Die Einschätzung des Lungenexperten: "Eine Polyneuropathie betrifft die Nervenfunktion und kann je nach Schweregrad unter anderem die Beweglichkeit, Sensibilität oder auch autonome Körperfunktionen beeinträchtigen. Wenn Patientinnen oder Patienten dadurch weniger mobil sind, schwächer abhusten können oder Schluckstörungen bestehen, kann das Risiko für eine Lungenentzündung beziehungsweise für einen schwereren Verlauf steigen."
Ralph Siegel seit Tagen im künstlichen Koma: Wann wird dieser Schritt nötig?
Ralph Siegel wurde von den Ärzten in der Klinik in Harlaching bereits vor mehreren Tagen ins künstliche Koma versetzt - doch wann wird so ein drastischer Schritt überhaupt notwendig? "Wenn die Lunge den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann, wenn die Atmung stark erschöpft ist oder wenn ein akutes Lungenversagen vorliegt", erklärt der Experte.
Grundsätzlich versteht man unter dem Begriff "künstliches Koma" eine "tiefe medikamentöse Sedierung", die Bewusstsein, Schmerzempfinden und Stressreaktionen stark dämpft.
Ralph Siegel kann wieder selbstständig atmen
Das Ziel: Den Körper entlasten und etwa eine wirksame Beatmung ermöglichen. Ralph Siegel, das berichtete Tochter Giulia am Montag in einem Instagram-Beitrag, könne bereits wieder selbstständig atmen. Und seine jüngere Tochter Alana sagte exklusiv der AZ: "Ich bin jeden Tag bei ihm im Krankenhaus und an seiner Seite. Ich weiß, dass er das schafft, denn ich kenne niemanden, der so stark ist wie er. Wir bleiben positiv, zuversichtlich und beten."

Wann Patienten aus dem künstlichen Koma erwachen, hängt vom medizinischen Gesamtzustand ab, sagt Thomas Hölting. Wenn dieser es erlaube, würden Medikamente schrittweise reduziert. Gerade nach längerer Beatmung oder einer schweren Infektion können Betroffene häufig aber noch "stark geschwächt" sein.