Ralf Schumacher spricht über Bruder Michael: "Damit muss man umgehen lernen"

Mit insgesamt sieben Weltmeistertiteln schrieb Michael Schumacher Formel-1-Geschichte. Auch sein jüngerer Bruder Ralf Schumacher fuhr sehr erfolgreich Rennen. Doch der sportliche Erfolg ging für die Brüder auch mit Schattenseiten einher – auf die sie nicht wirklich vorbereitet waren.
von   AZ
Ralf und Michael Schumacher zählen zu den größten Formel-1-Stars aller Zeiten.
Ralf und Michael Schumacher zählen zu den größten Formel-1-Stars aller Zeiten. © imago/HochZwei

1994 holte Michael Schumacher (57) seinen ersten Weltmeistertitel. Die Liebe für den Autosport lag in der Familie: Auch seinen jüngeren Bruder Ralf Schumacher (50) zog es früh auf die Rennstrecke. Zwischen 1997 und 2006 fuhren die beiden sogar gleichzeitig in der Formel 1. Auch wenn die Sporterfolge der Familie viel Geld und Ruhm einbrachten, erinnert sich Ralf Schumacher nun auch an unschöne Erfahrungen zurück.

Ralf Schumacher traurig: "Man hat keine Privatsphäre mehr"

Michael Schumacher war bereits ein Weltstar, als sein jüngerer Bruder Ralf Schumacher ebenfalls in der Formel 1 durchstartete. Von dem großen medialen Interesse, das ihn einholte, erzählt Ralf jetzt im Interview mit dem "Erfolg"-Magazin: "Ich glaube, auf das, was dann passiert ist, wäre keiner richtig vorbereitet gewesen. Das macht etwas mit einem, wenn man aus seiner Komfortzone herauskommen muss."

Denn der 50-Jährige weiß noch gut, wie sie sein Leben ganz plötzlich aussah: "Man hat keine Privatsphäre mehr. Egal, wo du bist, egal, was du tust: Du fühlst dich beobachtet – und vor allem auch beurteilt. Das ist unangenehm." Private Momente wurden überschattet: "Du kannst nicht mehr zu jemandem sagen: 'Bitte, ich möchte das heute mal nicht. Ich sitze hier im Restaurant mit meinen Freunden'", erinnert sich Ralf Schumacher. "Dann heißt es gleich: 'Ist er so arrogant, dass er nicht mal aufstehen und ein Foto machen kann?' Diese Dinge erlebt man."

Ralf Schumacher lernte in seiner Karriere auch die Kehrseite der Ruhm-Medaille kennen.
Ralf Schumacher lernte in seiner Karriere auch die Kehrseite der Ruhm-Medaille kennen. © imago/Eibner

Zu Formel-1-Zeiten: Ralf Schumacher hatte es wegen Michael "schwerer"

Für den ehemaligen Rennfahrer sei damals der Rückhalt durch enge Vertraute besonders wichtig gewesen. "Es macht auch was mit einem, wenn man sehr schnell, in sehr jungen Jahren, sehr erfolgreich wird. Wenn man nicht die richtigen Berater, Freunde, Familie hat, kann das leicht zum Irrweg werden", ist sich Ralf Schumacher sicher.

Eigentlich sei der 50-Jährige nie jemand gewesen, der unbedingt im Fokus der Öffentlichkeit stehen wollte: "Nein, im Gegenteil: Ich wollte immer meine Ruhe haben", stellt er klar. "Ich glaube, man rechnet gar nicht damit, im Mittelpunkt zu stehen. Das kommt erst mit der Zeit. Der eine geht so, der andere so damit um."

Ralf Schumacher und Michael Schumacher fuhren neun Jahre lang gleichzeitig in der Formel 1.
Ralf Schumacher und Michael Schumacher fuhren neun Jahre lang gleichzeitig in der Formel 1. © imago/GEPA pictures

Wegen seines weltberühmten Bruders Michael empfand Ralf Schumacher den öffentlichen Druck als besonders groß: "In meinem Fall war es natürlich ein bisschen schwerer, weil ich einen Bruder hatte, der extrem erfolgreich war, der ein Alleinstellungsmerkmal hatte und der auch klar Grenzen setzen konnte – aufgrund seines Erfolgs." Daher glaubt er heute: "Die Erwartung bei mir war dadurch eine andere. Damit muss man umgehen lernen."

Nach Skiunfall: Familie schützt Michael Schumachers Privatsphäre

Im Dezember 2013 verunglückte Michael Schumacher bei einem Skiunfall in den französischen Alpen. Seitdem hat sich "Schumi" vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Konkrete Informationen zu seinem Gesundheitszustand hält die Familie weiterhin strikt privat. Anlässlich seines Geburtstags veröffentlichte Tochter Gina ein älteres Familienbild und schrieb: "Für immer der Beste."

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