Privatleben: Jogi Löw spricht über Einsamkeit und Homosexualität

In einem aktuellen Interview lässt Jogi Löw (61) kurz vor der Fußball-EM ungewöhnlich tief blicken. Der Bundestrainer spricht über sein Privatleben, depressive Verstimmungen, Kinderlosigkeit und Homosexualität.
| Agnes Kohtz
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Kurz vor der Fußball-EM zieht Joachim Löw in einem Interview Bilanz über vergangene Zeiten als Trainer.
Kurz vor der Fußball-EM zieht Joachim Löw in einem Interview Bilanz über vergangene Zeiten als Trainer. © imago images / Laci Perenyi

Als Bundestrainer hatte Jogi Löw alles erreicht, wovon andere Trainer ihr Leben lang nur träumen können. Doch der Erfolg brachte auch viele Schattenseiten mit sich, wie er jetzt verraten hat. 

So steht es um das Privatleben von Jogi Löw

Im Interview mit der "Zeit" zeigte Jogi Löw sich überraschend offen. Erstmals sprach er auch über die Last und Leere, die er in 15 Jahren als Bundestrainer oft erfahren musste. Denn zum Job gehören auch sehr unangenehme Aufgaben: Es sei furchtbar gewesen, erklärt er, altgedienten Spielern mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Team gehören. "Natürlich berührt mich das, sehr sogar. Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch ein Mensch!" 

Jogi Löw: Leere und depressive Verstimmung trotz WM-Sieg

Er offenbart auch, dass er nach dem Weltmeistertitel 2014 in Brasilien in ein Loch gefallen sei: "Nach dem Turnier war ich nicht weit weg von einer depressiven Verstimmung. Nach jedem Turnier ist da eine Leere." Nach dem WM-Titel hatte er sich in ein gemietetes Haus auf Sardinien zurückgezogen. "Ich saß da und dachte: Jetzt bin ich hier so allein, wo sind meine Leute, wo ist mein Team, wo sind meine Spieler, wo sind die Ziele?" Auch nach dem legendären 7:1-Spiel gegen Brasilien spürte er die Einsamkeit: "Es war vielleicht das schönste Spiel meiner Karriere, aber es war für mich als Trainer zu viel!"

"Habe mir einen Panzer zugelegt"

Seine Erfahrungen haben ihn "verschlossener" gemacht, wie er im Interview zugibt. "Das ist der Preis dieses Lebens als Bundestrainer. Ich habe mir natürlich so etwas wie einen Panzer zugelegt. Vor allem, als mir so richtig bewusst wurde, eine Person des öffentlichen Lebens zu sein." Das wirkte sich auch auf die Privatperson Jogi Löw aus: "Leider gelingt es mir nicht immer, diesen Panzer im privaten Leben einfach abzulegen." Positiv blickt er hingegen auf den Beginn seiner Trainer-Karriere zurück: "So richtig gefreut habe ich mich in den Anfängen meiner Vereinstrainerzeit im ersten Jahr, bei der Amateurmannschaft. Da war die Freude am reinsten."

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Nach Trennung von Ehefrau: Jogi Löw spricht über Kinderlosigkeit

Im Interview wird auch das Thema Familie angesprochen. Löw bedauert, keine Kinder zu haben: "Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen. Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Die letzten zehn Jahre denke ich aber schon immer wieder daran oder darüber nach, wie es gewesen wäre, Kinder zu haben." Abgesehen von Gerüchten ist derzeit nicht bekannt, ob es eine Frau in seinem Leben gibt. Ex-Frau Daniela und er hatten sich 2016 nach 35 Jahren Ehe getrennt, stehen sich aber laut Medienberichten immer noch nah. 

Schwule Fußballer und eigene Homosexualität: Das sagt Jogi Löw

Auch Homosexualität im Fußball, in der Branche oft ein Tabu-Thema, spricht er an. Laut Löw ist die Offenheit in der Gesellschaft vorhanden, im Fußballmetier leider weniger: "Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion." Auf die Frage, ob er sich trotzdem bekennen würde, wenn er selbst homosexuell wäre, sagt er aber ganz klar: "Dann würde ich dazu auch stehen."

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