Nach Gottschalk-Kritik: Tom Gerhardt legt gegen die "Kreuzritterinnen der Moral" nach
In der Kino-Doku "Was haben wir gelacht" äußern unter anderem Esther Schweins (56) und Hella von Sinnen (67) Kritik an männlichen TV-Gesichtern der 1990er-Jahre. Auch Thomas Gottschalk (76) wird darin ins Visier genommen. Tom Gerhardt (68) findet die Debatte "lächerlich" und machte seinem Ärger kürzlich im Podcast "Hafenbar" Luft. Die AZ hat Tom Gerhardt erreicht – und mit ihm über seine Beweggründe gesprochen, sich in die Diskussion einzuschalten.
Tom Gerhardt über Gottschalk-Film: "Kreuzritterinnen der Moral"
Warum er sich überhaupt zu der Kritik an Thomas Gottschalk geäußert hat? "Das war die Tat von meiner alten Freundin und Interviewerin Nicoletta Knust", verrät Tom Gerhardt im AZ-Gespräch. "Sie hat geahnt, dass ich für unverfrorene Antworten jederzeit gut bin, und hat mich im Podcast 'Hafenbar' klüglich auf das Thema: 'Was darf man heutzutage noch in Comedy?' und 'Wie wurden Frauen damals im Fernsehen behandelt?' angesprochen."
So nahmen die Dinge ihren Lauf: "Und da waren wir natürlich schnell bei Thomas Gottschalk, dem die Kreuzritterinnen der Moral ja nach Jahrzehnten Entsetzliches vorgeworfen haben", bezieht sich Tom Gerhardt auf die Kino-Doku. "Er hat sage und schreibe Frauen ans Knie und an die Schulter gefasst. Die offensichtliche Folge: lebenslange Traumata."

Der "Hausmeister Krause"-Darsteller möchte von den Protagonistinnen des Films wissen: "Ich frage euch, selbst ernannte Staatsanwältinnen: Konntet ihr keinen Besseren finden, um zu beweisen, dass ein düsteres Patriarchat Deutschland fest im Griff hatte und noch hat? Also Klaus Kinski hätte mir als Angeklagter mehr Sinn gemacht und wäre bestimmt auch gerne und unterhaltsam in die Diskussion gestiegen."
"Aber, ach, er ist nicht mehr unter uns", so Tom Gerhardt weiter. "Da arbeitet man sich lieber an dem bald 80-jährigen 'Sunnyboy' Gottschalk ab, bei dem man ja aufgrund ernster Krankheit nicht viel Gegenwehr befürchten muss. Ach, wie mutig auch. Und natürlich schlagzeilenträchtig."

"Altes, leidiges Thema": Tom Gerhardt weist auf größere Probleme hin
Natürlich liegt der Vorwurf nahe, Tom Gerhardt würde den betroffenen Frauen ihre Gefühle absprechen. "Keinesfalls", stellt er in der AZ klar. "Es ist natürlich ihr Recht, sich so gefühlt zu haben, wie sie sich denn gefühlt haben. Trotz Bussi-Bussi mit Tommy vor und nach der Show", so der Schauspieler. "Ich erkenne auch an, dass in früheren Zeiten Frauen gerne mal reduziert wurden auf ihr Aussehen und ihre 'Sexyness'."
Doch Tom Gerhardt steht der Debatte weiterhin kritisch gegenüber: "Wenn du behauptest, wirklich Frauenrechtler oder Frauenrechtlerin zu sein und dieses leidige, alte Thema dermaßen hochkochst, dann habe ich ein riesiges Fragezeichen: Wenn du die Zeit hast, dich so ausgiebig um alte Sendungen von Gottschalk zu kümmern, warum stehst du nicht ERST MAL auf für die wirklich knallharten, realen, physischen Torturen, denen Frauen – nur wenige Flugstunden entfernt – in Ländern wie Afghanistan oder dem Iran ausgesetzt sind?"

Denn für den 68-Jährigen bestünde dort deutlich mehr Handlungsbedarf: "Da geht es um Leben oder Tod. Täglich", so Gerhardt. "Wo sind eure Aufrufe gewesen? Wo? In diesem Zusammenhang habe ich die Ritterinnen der Moral noch nicht entdeckt (verzeiht, wenn ich hier jemand übersehen habe). Oder gilt das Schutzbedürfnis nur für deutsche Schauspielerinnen?" Abschließend richtet er persönliche Worte an die Protagonistinnen: "Hella und Esther, tut mir leid: Ich mag euch trotzdem. Ihr mich nicht mehr. Euer Tom."
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