Margot Hellwig macht Trauma ihrer Mutter öffentlich: "Erst im Alter wird mir das bewusst"
Viele Jahrzehnte gehörte Margot Hellwig zu den prägenden Stimmen der Volksmusik. 2015 beendete sie ihre Karriere und zog sich in ihr Häuschen im Münchner Südosten zurück. Ehemann Arthur Lindermayr (†90), den sie bereits mit 16 Jahren kennenlernte, starb 2016 nach langer Krankheit. 55 Jahre lang waren die beiden glücklich verheiratet und haben gemeinsam zwei Söhne großgezogen.
Feier bei Sohn: "Viele meiner Freunde sind ja leider schon im Himmel"
AZ: Liebe Frau Hellwig, am Sonntag werden Sie 85 Jahre alt. Wie feiern Sie?
MARGOT HELLWIG: Mein Sohn Rupert schenkt mir die Feier. Wir machen eine kleine Gartenparty in seinem Garten in Nymphenburg. Es werden nur die Familie und zwei enge Freunde dabei sein. Insgesamt zwölf bis 14 Gäste. Viele meiner Freunde sind ja leider schon im Himmel. Prominente lade ich bewusst nicht ein. Geburtstag bedeutet für mich Familie.
Was wünschen Sie sich zu Ihrem Ehrentag?
Nur Gesundheit. Ich hatte wirklich ein schönes und erfülltes Leben. Ich wollte immer beides: ein bürgerliches und ein Leben auf der Bühne. Mein Mann Arthur hat das immer akzeptiert und unterstützt. Ich war gesegnet. Natürlich war der Beruf kein Zuckerschlecken. Man musste sich stets vorbereiten und war ständig unterwegs.

Margot Hellwig achtet auf ihre Figur: "Suppen sind oft meine Hauptmahlzeit"
Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Vor ein paar Wochen bin ich beim Garteln gestürzt und habe mir die linke Hand gebrochen. Zum Glück ist nach der Operation alles bestens verheilt. Ansonsten geht es mir erstaunlich gut. Ich stehe um 5.50 Uhr auf, höre die Radio-Nachrichten und genieße die Ruhe des Morgens. Sport mache ich nicht. Haushalt und Garten halten mich fit. Außerdem gehe ich gern wandern, zum Beispiel auf der Winklmoos-Alm. Ich achte sehr auf meine Ernährung und mein Gewicht. Ich esse keine Wurst, wenig Fleisch und gern Salat. Suppen sind oft meine Hauptmahlzeit.
Beschäftigen Sie sich mit dem Tod?
Natürlich. Ich habe alles vorbereitet. Meine beiden Söhne wissen genau, wo der Ordner mit allen wichtigen Unterlagen liegt. Gemeinsam haben wir auch eine Patientenverfügung ausgefüllt. Jetzt muss ich an nichts mehr denken.
Ehemann war Pflegefall – Margot Hellwig "möchte niemandem zur Last fallen"
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein, überhaupt nicht. Ich möchte nur noch lange leben – solange ich gesund bin und mich selbst versorgen kann. Ich möchte niemandem zur Last fallen.
Überschattet wird Ihr Geburtstag von der Trauer um Ihren Hund Gustl.
Ich brauche noch Zeit für die Trauer. Gustl war zwei Jahre bei mir und ich sehe ihn noch überall. Die Urne mit seiner Asche habe ich mit meinen Enkelkindern im Rosenbeet eingegraben. Besonders abends, wenn es still wird, fehlt er mir sehr. Ein Hund ist wie ein Partner, mit dem man reden kann.
Soll wieder ein Hund bei Ihnen einziehen?
Ja, unbedingt. Ich möchte einem älteren Hund noch ein paar schöne Jahre schenken. Aussehen und Rasse sind mir völlig egal. Aber drei Dinge sind wichtig: Er muss kleine Kinder mögen, weil viele Kinder in meiner Nachbarschaft leben. Er sollte auch einmal vier Stunden allein zu Hause bleiben können. Und er muss sich mit anderen Hunden vertragen, damit es beim Gassigehen keinen Ärger gibt.
"Habe keine Sehnsucht nach einem neuen Partner"
Ihr Mann ist vor zehn Jahren verstorben. Könnten Sie sich heute noch einmal verlieben?
Nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich habe keine Sehnsucht nach einem neuen Partner. Ich würde jeden Mann mit meinem geliebten Arthur vergleichen. Ich habe meine Familie, ein geordnetes Leben und jeden Mittag kommt eine Freundin vorbei.

"Erst im Alter wurde mir bewusst, was meine Mutter alles durchgemacht hat"
Sie standen viele Jahrzehnte mit Ihrer Mutter Maria auf der Bühne. Hat sich Ihr Blick auf ihr Leben im Laufe der Zeit verändert?
Erst im Alter wurde mir bewusst, was meine Mutter alles durchgemacht hat. Ihr Vater starb früh, der Bruder fiel im Krieg und auch meinen Vater verlor sie 1941. Da war ich noch ein Baby. Beim Bombenangriff auf Augsburg war sie drei Tage lang verschüttet. Mami war dort, weil sie ein Gesangsstipendium bekommen hatte. Damals kannte niemand das Wort "Trauma". Man musste einfach weitermachen und überleben. Plötzlich hatte sie mich und meine Großmutter zu versorgen. Aus Augsburg schickte sie uns Mehl, Butter und Eier. Das brachte uns durch den Krieg. Mami hat ihr Leben lang funktioniert. Sie war stark, mutig und bescheiden.

Margot Hellwig über ihre Mutter Maria: "Heute verstehe ich ihr erlebtes Trauma"
Hat das Ihr eigenes Leben geprägt?
Ja. Mami wollte zeitlebens nicht über den Tod sprechen. Vieles hat sie einfach verdrängt, weil es keine Worte dafür gab. Heute verstehe ich viel besser, warum sie in bestimmten Situationen so reagiert hat. Besonders enge oder fensterlose Räume haben ihr immer Angst gemacht. Wenn es in Künstlergarderoben keine Fenster gab, bekam sie oft Panik. Dann blieb sie lieber hinter der Bühne als im Keller. Heute erkenne ich, dass sie ein Trauma erlitten hatte.
Weniger Falter im Gesicht: "Hyaluron habe ich schon ausprobiert"
Sie sehen bemerkenswert fit und viel jünger als 85 aus. Wie stehen Sie zu Beauty-Eingriffen?
Meine Optik ist mir wichtig. Ich stelle mich jeden Tag auf die Waage. Jetzt bin ich auch noch altersbedingt um sechs Zentimeter geschrumpft. Ich achte auf mich und mein Aussehen, habe aber kein Geheimrezept. Ausreichend Schlaf ist mir wichtig, und ich mache mich jeden Morgen zurecht. Hyaluron habe ich schon ausprobiert. Kleinere Reparaturen im Gesicht sind manchmal notwendig und völlig in Ordnung, wenn man sich dadurch wohler fühlt.
"Botox? Warum nicht!": Margot Hellwig spricht über ihre Schönheit im Alter
Würden Sie auch Botox verwenden?
Warum nicht!? Wenn ich morgens in den Spiegel schauen würde und mir etwas überhaupt nicht gefallen würde, wäre ich dafür offen. Es gibt heute so viele Möglichkeiten. Jeder soll das machen, womit er sich wohlfühlt.
Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie bereuen?
Nein, gar nichts. Mein Leben ist gut gelaufen. Ich bin dankbar für alles, was ich erleben durfte. Deshalb blicke ich auch nicht so gern zurück, sondern lieber nach vorn. Auch mit 85.



