Maren Kroymann: Betatscht werden "war der Preis" für TV-Auftritte

Maren Kroymann spricht in der Kino-Doku "Was haben wir gelacht" über das Frauenbild im deutschen Fernsehen der 1990er. In einem neuen Interview zeichnet sie eine Welt zwischen Vorbildfunktion und Sexismus nach.
(wue/spot) |
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Maren Kroymann bei der Premiere von "Was haben wir gelacht" in Berlin.
Maren Kroymann bei der Premiere von "Was haben wir gelacht" in Berlin. © imago images/Future Image/Manfred Behrens

Das deutsche Fernsehen der 1990er-Jahre war eine andere Welt - vielleicht in manchen Punkten besser, in sehr vielen aber nicht. Insbesondere in Sachen Frauenbild, Gleichstellung und Respekt wirken Ausschnitte von damals heute wie ein Blick in eine düstere Steinzeit. Wie schlimm es damals für Frauen im TV war, erzählt die Schauspielerin und Satirikerin Maren Kroymann (76) im Gespräch mit dem "Spiegel".

"Sexismus war Alltag", berichtet Kroymann. "Frauen im Fernsehen hatten hübsch auszusehen und zu lächeln. Sie mussten sich betatschen und auf ihr Aussehen reduzieren lassen, egal wie unwohl sie sich gefühlt haben. Das war der Preis, um ins Fernsehen zu kommen." Man solle etwa nur einmal daran denken, wie die weiblichen Gäste von Thomas Gottschalk (76), einem der größten Gesichter der deutschen TV-Unterhaltung der vergangenen Jahrzehnte, damals behandelt wurden.

Eine ganze Branche nach dem Muster Gottschalk

Aber nicht nur Gottschalk, der im Gespräch mit dem Magazin vor nicht ganz zwei Jahren für viel Aufsehen sorgte, als er meinte, "Frauen im TV rein dienstlich angefasst" zu haben, war ihrer Ansicht nach das Problem. Die ganze Branche sei so gestrickt gewesen; und auch die Zuschauerinnen und Zuschauer daran gewöhnt, "dass Frauen herabgesetzt und bloßgestellt wurden". Eine Reduzierung auf körperliche Aspekte sei "über Jahrzehnte die gesellschaftlich akzeptierte und gewünschte Form von lockerer Unterhaltung" gewesen.

Auf die Frage, ob die Vorbildfunktion des Fernsehens nicht überschätzt werde, antwortet Kroymann klar: "Das kann man gar nicht überschätzen. Der Einfluss war bis in die Nullerjahre immens." Die Sexualisierung von Frauen habe für gute Quoten sorgen sollen.

Coming-out führte zu Karriereflaute

Schon im Jahr 1993 hatte Kroymann ihr Coming-out als lesbische Frau - ein Schritt, den sie bewusst machte, der aber vorübergehend der Karriere schadete. "Ein Jahr lang kamen keine Angebote für Rollen mehr", erinnert sie sich. Nach dem Coming-out sei sie etwa nicht mehr als sogenanntes "Love Interest" bei öffentlich-rechtlichen Formaten in Frage gekommen - also als Objekt der Begierde für in diesem Fall männliche Film- oder Seriencharaktere. "Das erzählt viel über homosexuelle Diskriminierung bei den Öffentlich-Rechtlichen in den Neunzigerjahren", erklärt sie.

RTL habe dies nicht so gestört. Mit einer Ausnahme habe es allerdings "20 Jahre gedauert, bis ich für die Öffentlich-Rechtlichen wieder eine heterosexuelle 'Love Interest'-Rolle spielte". Das Coming-out sei trotzdem "der richtige Schritt zur richtigen Zeit" gewesen. Durch ihren vorangegangenen Erfolg mit "Oh Gott, Herr Pfarrer" und "Vera Wesskamp" habe sie "einigermaßen Prominenz" zu diesem Zeitpunkt gehabt und habe diese nutzen wollen, um "für eine mögliche Veränderung in der Gesellschaft" zu sorgen. Mehr Sichtbarkeit für lesbische Frauen hielt sie für "ein wichtigeres Ziel als nochmal drei mittellustige Hauptrollen in Serien zu spielen".

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Das Interview wurde passend zur Veröffentlichung von "Was haben wir gelacht" geführt. Die Doku erzählt im Kino aus weiblicher Perspektive von der Medienbranche der 90er und lässt Kroymann sowie ihre Kolleginnen Hella von Sinnen (67), Bettina Böttinger (70), Gaby Köster (64) sowie Esther Schweins (56) zu Wort kommen. "Was haben wir gelacht" startet am heutigen 16. Juli.

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