Louis Klamroth hat bei AfD-Wählern in Sachsen-Anhalt "fast etwas Sektenhaftes" erkannt
Louis Klamroth (36) ist nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag besorgt. Er habe in den letzten Jahren mit vielen Politikern gesprochen, sagte der Moderator der ARD-Talkshow "Hart aber fair" am Freitagabend in der Radio-Bremen-Talkshow "3nach9". "Aber so sprachlos habe ich sie noch nie erlebt", bekräftigte der Moderator. Vor allem bei Politikern aus den Parteien der Mitte habe er festgestellt, dass sie im Moment nicht weiter wüssten. "Das macht mir ein bisschen Sorge. Keine Angst, aber doch Sorge."
Einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung habe der Moderator bei Außenreportagen in Sachsen-Anhalt wahrgenommen. Noch vor ein paar Jahren hätten sich viele AfD-Wähler dazu nicht öffentlich bekannt. "Das hat sich sehr geändert", sagte Klamroth. "Es war eher schwer für uns, Menschen in Sachsen-Anhalt zu finden, die sich nicht zur AfD bekannt haben."
"Viele von denen haben gesagt: 'So schlimm wird's ja nicht kommen'"
Der 36-Jährige schilderte seine Eindrücke: "Es war so eine Euphorie zu spüren der Menschen, die gesagt haben: 'Jetzt ist ein Aufbruch da, jetzt knallt es endlich mal.' Menschen, die zu uns gekommen sind, als sie mich mit einem ARD-Mikrofon gesehen haben, gar nicht in einer aggressiven Art und Weise, sondern eher in einer Art und Weise: 'Ich sag's jetzt mal, gib mir mal das Mikrofon, und ich sage jetzt mal, ja wir wählen die AfD, und jetzt geht es mal richtig voran.'" Klamroth sei beeindruckt gewesen, als er gemerkt habe, wie eine Partei und ein Kandidat vor Ort eine Euphorie auslösen konnten. Anderen Parteien sei das nicht gelungen.
Er habe bei seinen Interviews in Sachsen-Anhalt nicht das Gefühl gehabt, dass die Wähler der AfD Rechtsextremisten gewesen seien. "Ich glaube aber schon, dass es einen Großteil der Menschen waren, die schon sehr genau wissen, wofür die AfD steht und was sie will, viele von denen aber wieder gesagt haben: 'So schlimm wird's ja nicht kommen.'" Die Wähler seien überzeugt gewesen, dass jetzt etwas passieren müsse. Sie sehnten sich den Aufbruch herbei. "Inzwischen hat es fast etwas Sektenhaftes, etwas Kultiges. Das war etwas, das ich so noch nicht gesehen habe."
Wichtig sei für ihn, dass man sich auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen weiter mit der AfD beschäftige und deren Vertreter auch zu Wort kommen lasse. Den Vorwurf, Extremisten damit eine Bühne zu schaffen, weist er zurück: "Die brauchen die Bühne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht mehr. Sie haben eine eigene Öffentlichkeit." Die AfD habe am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt 44 Prozent der Wählerstimmen erreicht und stehe auch im Bund sehr gut da. "Natürlich müssen wir uns mit denen journalistisch auseinandersetzen, auch in Gesprächssendungen."
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