Letzter Auftritt der Münchner "Tatort"-Kommissare: Diesen Rat gibt Udo Wachtveitl seinem Nachfolger
Die letzte Klappe ist gefallen, Folge 100 im Kasten – und die Schauspieler? Die lassen sich noch ein letztes Mal als Ivo Batic und Franz Leitmayr feiern.
Abschied in München: "Tatort"-Kommissare sagen Servus
Obwohl die offiziell letzte Doppelfolge des München-"Tatorts" in der "alten" Besetzung mit Udo Wachtveitl (67) und Miroslav Nemec (71) eigentlich erst am Ostersonntag und Ostermontag im TV zu sehen sein wird, hatten knapp 250 Fans schon vorher das Vergnügen.
Im Beisein der scheidenden Kommissare feierte der erste Teil der finalen Folge "Unvergänglich" am Donnerstag exklusive Premiere in der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Blitzlichtgewitter: Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec sind Stars des Abends
Wachtveitl und Nemec sind – wenig überraschend – den ganzen Abend von Blitzlicht und Fans umringt. Hier ein Foto mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner, hier ein Schnappschuss mit dem Münchner Polizeipräsidenten Thomas Hampel – und da ein Abschieds-Interview mit der AZ:
AZ: Herr Wachtveitl, Herr Nemec, Ihr Abschied hat sich nun doch fast zwei Jahre hingezogen. Ist dieser Abend trotzdem noch emotional für Sie?
UDO WACHTVEITL: Schon, wenn man es dann direkt und in der Masse unter die Nase gerieben bekommt. Der Polizeipräsident ist da, Frau Aigner, sogar die berittene Polizei – das ist schon nett, dass sich alle die Zeit nehmen.
MIROSLAV NEMEC: Wir fühlen uns sehr geehrt, sind aber nicht sentimental, weil wir heute viele Interviews geben müssen, den Film sehen werden – ab morgen denken wir dann sicher mehr drüber nach.

Abschiedsfest am letzten Drehtag? "In unseren 30ern hätten wir vielleicht noch gefeiert"
Was haben Sie gemacht, als die letzte Szene der letzten Folge tatsächlich abgedreht war? Gab es ein großes Fest am Set?
WACHTVEITL: Nicht direkt. Wir haben ein Bier getrunken und sind zu dir gefahren (deutet auf Miroslav Nemec, d. Red.).
NEMEC: Ein richtiges Abschlussfest gab es erst später und da wurde dann auch richtig gefeiert. Aber an dem Tag, an dem man die ganze Zeit gedreht hat, kann man die Leute nicht ewig dahalten.
WACHTVEITL: Da hätten wir vielleicht in unseren 30ern noch gefeiert... (lacht)
Nach fast 35 Jahren München-"Tatort": Das werden Wachtveitl und Nemec vermissen
Was werden Sie am meisten vermissen?
WACHTVEITL: Was ich sicher NICHT vermissen werde, ist das Frieren und das frühe Aufstehen – Nachtdrehs, im Winter, das ist einfach nicht meine Zeit. Was ich vermissen werde, ist der Moment, wenn das Drehbuch zu einer neuen Folge im Briefkasten landet. Man liest das und es sind erst mal 100 Blätter Papier und dann, ein paar Wochen später, wird es dann zu einer hoffentlich gelungenen Szene. Dieser ganze kreative Prozess macht wirklich Spaß.
NEMEC: Da hatten wir immer viel miteinander zu tun – wir hatten die gleiche Meinung, den gleichen Humor, das hat uns natürlich auch über diese lange Zeit befördert.

Gutes Stichwort: Wer so lange gemeinsam dreht, lernt sich ja unweigerlich sehr gut kennen. Welche Eigenheit haben Sie denn über 100 Folgen "Tatort" am jeweils anderen entdeckt?
NEMEC: Genau die kann man nicht mitteilen, da ist man dem anderen gegenüber verpflichtet, das nicht zu tun – besonders nicht der Presse (lacht).
Diesen Rat gibt Udo Wachtveitl dem Nachfolger-Duo Ferdinand Hofer und Carlo Ljubek
Welchen Ratschlag würden Sie Ihren Nachfolgern Ferdinand Hofer und Carlo Ljubek mit auf den Weg geben?
WACHTVEITL: Es gibt einen Ratschlag, der quasi seit Beginn der Filmgeschichte gilt. Der heißt: "Learn your lines, hit your marks and don’t bump into the furniture" (zu dt. "Lern deinen Text, steh am richtigen Platz und stolpere nicht über die Requisiten", d. Red.). Spaß beiseite, es gibt schon etwas: Diese Situationen im "Tatort" sind ja oft ähnlich – man kommt zu einer Leiche, fragt irgendetwas und so weiter. Das sollte man immer wieder neu und frisch denken, damit man sich nicht auf seine Routinen verlässt. Es gibt eine gute Routine, die hilft, diese ganzen technischen Anforderungen, die es beim Dreh gibt – auf die Marke zu gehen, die ganzen Schnittpausen und was es alles gibt –, zu vergessen und sich auf die Rolle zu konzentrieren. Die schlechte Routine kann man umschreiben mit "Habe ich immer so gemacht, mache ich weiter so, kenn ich, weiß ich, war ich schon". Also: Die gute Routine pflegen – die schlechte vermeiden.

Joachim Herrmann überreicht "Ruhestandsurkunden"
Und besagter Nachfolger selbst? Der nimmt die neue Herausforderung gelassen: "Ich glaube, man kann dem ganzen nur gut begegnen, wenn man einen Neuanfang macht und gar nicht erst anfängt, sich zu vergleichen", sagt Ferdinand Hofer (32, u.a. Eberhofer-Krimis) am Rande der Premiere der AZ.
Nach über drei Jahrzehnten in den Ruhestand verabschiedet wurden Batic und Leitmayr dann übrigens offiziell von keinem Geringeren als Innenminister Joachim Herrmann. Der CSU-Politiker und selbst "bekennende 'Tatort'-Fan" überreichte den scheidenden Kommissaren nach der Premiere persönlich ihre "Ruhestandsurkunden" und "-ausweise" und dankte dem legendären Ermittler-Duo.



