Kündigungswelle im TV: Birgit Schrowange kritisiert Sparmaßnahmen deutlich

Die TV-Branche befindet sich im Umbruch, viele Redakteure und Moderatoren haben ihre Jobs verloren. Birgit Schrowange kennt das Business gut und steht in Kontakt mit gefeuerten Ex-Kollegen. Mit der AZ spricht sie jetzt über die Sparmaßnahmen der Sender und die Zukunft des Fernsehens.
Sven Geißelhardt
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Birgit Schrowange beobachtet die kriselnde Situation der TV-Sender ganz genau.
Birgit Schrowange beobachtet die kriselnde Situation der TV-Sender ganz genau. © imago/Panama Pictures

Annett Möller, Simon Beeck, Annika Lau – Zuschauern von RTL dürften diese Namen sehr bekannt vorkommen. Bis vor wenigen Wochen standen die drei Moderatoren noch vor den Kameras des Kölner Privatsenders, bis plötzlich Kündigungen folgten. Auch hinter den Kameras verloren zahlreiche Mitarbeiter ihre Jobs, darunter auch Redakteure. Birgit Schrowange (68) hat den TV-Absprung bereits vor Jahren geschafft. Der AZ hat sie verraten, wie sie die Situation einschätzt.

Birgit Schrowange über TV-Kündigungen: "Bin in Kontakt mit RTL-Kolleginnen"

Im Dezember 2019 verabschiedete sich Birgit Schrowange von RTL. 25 Jahre lang hatte sie dort das Magazin "Extra" moderiert. Nach einem kurzen Intermezzo bei Sat.1 mit "Birgits starke Frauen" und "Wir werden mehr" – beide Sendungen wurden 2022 abgesetzt – hat sie ihre TV-Karriere endgültig an den Nagel gehängt. Dennoch beobachtet sie genau, was aktuell in der Branche passiert. "Ich bin zwar schon seit ein paar Jahren nicht mehr im TV-Geschäft tätig, aber ich bin in Kontakt mit meinen früheren Kolleginnen von RTL", sagt die ehemalige Moderatorin im AZ-Gespräch.

Moderatoren in der Bredouille: "Die Stücke sind kleiner geworden"

Dass viele Menschen vor und hinter der Kamera ihre Jobs verloren haben, tue Birgit Schrowange "natürlich leid". Dennoch betont die 68-Jährige, dass sie "ein Riesenglück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein". Rückblickend sagt Schrowange: "Zu meiner Zeit bei RTL konnten wir tolle Sendungen machen. Es war genügend Geld da und man konnte sich so richtig austoben." Heute seien allerdings neue Zeiten angebrochen. "Das hat sich inzwischen sehr verändert. Die Stücke sind kleiner geworden."

Birgit Schrowange startete bereits in den Achtzigern im TV durch.
Birgit Schrowange startete bereits in den Achtzigern im TV durch. © imago/United Archives

Durch die Konkurrenz im Bereich Social Media und Streaming verliert das lineare Fernsehen immer mehr Zuschauer. Hat das klassische TV noch eine Zukunft? "Ich glaube, Fernsehen wird es immer geben – gerade für ältere Leute meiner Generation", ist sich 68-jährige Birgit Schrowange sicher. Der Kampf um die Einschaltquoten sei aber härter geworden. "Die jungen Leute, die gucken natürlich YouTube oder streamen. Ich selbst setze mich mittlerweile auch nicht mehr vor den Fernseher und schalte gezielt zu einer Sendung ein – ich streame. Das Verhalten hat sich komplett geändert."

Birgit Schrowange blickt zurück: "So etwas gibt es heute kaum noch"

Ein weiteres Problem für die Sender sieht die einstige RTL-Moderatorin im angebotenen Programm. "Wenn ich zurückblicke auf die Zeit, zu der ich noch Fernsehansagerin beim ZDF war: Das war wie so ein Lagerfeuer", erinnert sich Schrowange zurück. "Man versammelte sich um 20.15 Uhr, die Kinder waren schön gebadet im Schlafanzug und dann kam irgendeine Show, die man sich als Familie zusammen angeschaut hat. So etwas gibt es heute kaum noch."

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