Klaus Lemke: "Heiraten? Nicht mein Ding!"

Kult-Filmemacher Klaus Lemke schenkt den AZ- Lesern einen Gratis-Film, warum er sein Werk Netflix geben will und wieso er mit Cleo Kretschmer keinen Kontakt mehr hat: "Sie denkt, ich bin der Teufel."
| Kimberly Hagen
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Kultig, rebellisch, aber manchmal auch sehr vernünftig: Münchens Filmemacher Klaus Lemke ("Arabische Nächte").
Kultig, rebellisch, aber manchmal auch sehr vernünftig: Münchens Filmemacher Klaus Lemke ("Arabische Nächte"). © imago/Klaus Haag

Er redet auch heute wie seine laienhaften Hauptdarsteller damals ("Hey Baby, was geht?") und kleidet sich als 80-Jähriger noch so, wie ein junger Hüpfer, der seinen ersten Kinoerfolg in einer Kellerdisco in Schwabing feiern will (enge Jeans, Turnschuhe, Schiebermütze, zu weit aufgeknöpftes Hemd). Doch wer denkt, Klaus Lemke ist in den wilden 70ern hängengeblieben, der täuscht sich gewaltig.

Der Regisseur will schnellstmöglich geimpft werden

Münchens Kult-Filmemacher, der mit "Rocker", "Arabische Nächte", "Amore" und "Schmutziger Süden" für monatelange ausverkaufte Kinosäle gesorgt hat, hat zur Pandemie eine klare Meinung, die gar nicht so rebellisch ist, wie man sie ihm zutrauen würde. "Ich würde mich sofort gegen Corona impfen lassen", sagt Lemke zur AZ. "Ich finde die Menschen merkwürdig, die zwar auf den sozialen Netzwerken alles Intime aus ihrem Leben posten, aber den Piks skeptisch sehen oder dahinter gar Verschwörungen wittern."

Lemke wettert gegen Corona-Partys

Einen Termin hat er noch nicht, aber immerhin: "Ich bekam einen wundervollen Brief von der Stadt, dass sie mich als Ü80-Jährigen nicht vergessen hätten. Schon mal schön." Was ihn stört: "Leute, die illegale Corona-Partys feiern - das ist balla-balla. Wir kommen nur gemeinsam vernünftig aus dieser Krise." Angst hat er aber keine: "Ich habe schon alles überlebt: kiloweise Drogen, Geldprobleme, Frauengeschichten. Ich sehe zwar, dass die Leute immer mehr zu Zombies werden und wegen des Lockdowns durchdrehen, aber ich bin relaxed. Alles andere bringt nix."

Sind seine rebellischen Zeiten vorbei?

Politisch hat er eine klare Meinung, die ebenfalls überrascht: "Markus Söder ist auf dem Weg zum Kanzler, er macht das sehr gut - besser als alle anderen, und ich finde seinen selbstbewussten Weg gut. Die Zahlen gehen in München runter, das ist auch sein Verdienst." Sind Lemkes Zeiten des Aufmuckens, wie damals, als er auf dem Münchner Filmfest protestierte, weil sie seinen Film nicht zeigen wollten, vorbei? "Nein. Aber man muss nicht kategorisch gegen alles sein. Wenn was richtig gemacht wird, muss man das sagen dürfen."

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Netflix zeigt Lemke die kalte Schulter

Weshalb ihm die Corona-Impfung so wichtig ist, liegt auch am neuen Filmprojekt: "Ich will gern im April drehen, mit Impfung wäre das deutlich sicherer und damit leichter." Gerade ist sein Werk "Berlin Izza Bitch!", über einen vertuschten Mord im Neapel-Stil, fertig. Wann der im Kino läuft? Lemke: "Tja, ich überlege gerade, ob man vorm Kino nicht flüchtet. Ich würde den Film - und auch meine alten Filme - gern auf Netflix streamen lassen. Ich hab da schon angerufen, geht aber keiner ran. Die Netflix-Leute haben das wohl nicht nötig, aber dort ist die Zukunft. Das Kino ist, so traurig das ist, am Sterben."

Cleo Kretschmer - "Sie hatte den hübschesten Po von allen"

Lemke, der mit seinen Kinofilmen einen eigenen Stil geprägt und Stars wie Cleo Kretschmer, Wolfgang Fierek und Dolly Dollar entdeckt hat, weiß, dass ein besonderer Tag ansteht: Cleos 70. Geburtstag am Donnerstag. Gerne erinnert er sich an die erste Begegnung: "Sie hat als Barfrau im Henderson gearbeitet, hatte den hübschesten Po von allen und war wie ein Splitter aus dem Paradies. Wie ein Dieb in der Nacht hijackte sie die Herzen. Ich hab sie wegen ihres bairischen Dialekts zwar nicht verstanden, fand sie aber toll." Die beiden wurden ein Paar - und Cleo zum Star.

Junges wildes Traumpaar: Schauspielerin Cleo Kretschmer und Regisseur Klaus Lemke beim Deutschen Filmball 1980 im Bayerischen Hof.
Junges wildes Traumpaar: Schauspielerin Cleo Kretschmer und Regisseur Klaus Lemke beim Deutschen Filmball 1980 im Bayerischen Hof. © imago/United Archives

Trennung, weil eine Hochzeit keine Option war

Und heute? "Wir haben länger nicht mehr miteinander gesprochen. Sie ist ja zurück nach Einöd aufs Land, lebt da mit ihren Katzen. Ich glaube, sie denkt, ich bin der Teufel." Warum das Liebes-Aus? "Wir hatten zusammen alles erlebt. Es gab nur die Möglichkeit, zu heiraten und ein völlig neues Leben zu beginnen. Aber heiraten? Ist nicht mein Ding. Also mussten wir uns trennen."

Für alle AZ-Leser online gratis zu sehen: "Ein komischer Heiliger" mit Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek (1978) unter cinegeek.de.
Für alle AZ-Leser online gratis zu sehen: "Ein komischer Heiliger" mit Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek (1978) unter cinegeek.de. © ho

"Ein komischer Heiliger" gratis online streamen

Anlässlich ihres Geburtstages möchte Lemke den AZ-Lesern eine besondere Freude machen. Unter cinegeek.de stellt er seinen Film "Ein komischer Heiliger" mit Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek allen kostenlos zum Anschauen zur Verfügung (einfach den Titel eingeben): "So kann sich jeder das Kino nach Hause holen und auf andere Gedanken kommen. Ich bin gespannt, ob ich heute verstehe, was Cleo da so von sich gibt."

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